Mannheim
Compact Memory

Blätter · 1918-08-01 · 8 (8.1918) · p. Seite 52

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blätter
Volume
4 (1918)
Issue
8 (8.1918)
Date
1918-08-01
Page
Seite 52 (sequence 54)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/6467833-8970266-8970284--0656-8963872
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

äußere Feinde genug, im Innern müssen wir vor allen Dingen zusammenhalten. Frl. I. S t e i n-Berlin: Ich möchte auf die Frage der Propaganda eingehen, und Zwar ob wir Propaganda im kleinen oder großen Stil treiben sollen. Propaganda ist unbedingt in weite Kreise zu tragen, in die Häuser, die noch gefühlsmäßig bestrebt sind, den Verpslichtungen der Thauroh nachzukommen, die aber ihren geistigen Gehalt nicht mehr verstehen, also die indifferenten Kreise. Die Landgemeinden wissen von der Agüdas-Iisroel nichts, weil wir uns um sie nicht kümmern oder eine Gruppe gründen und wieder Weggehen. Es fehlen Propaganda-Reisende, Propaganda-Schri f-ten, regelmäßige Zusammen- Künste, Besuche von einer Gruppe zur andern usw. L i ch t ig fe l d-- Frankfurt: Wir müssen aus der jetzigen Lage uns herausarüeiten. Der Einfluß der uns umgebenden. Kultur ist gefährlich, deren Hohlheit sich jetzt in dieser Zeit gezeigt hat. Unsere jüdische Kultur ist sicher wertvoller. Bisher ist unsere Annäherung an das jüdische Schrifttum noch ganz ungenügend; wir müssen nach dem Osten gehen, weil dort noch wahrer Idealismus und großes Thorawissen vorhanden ist. Zur Frage des Zionismus: Der Zionismus ist nicht abzulehnen, sondern ins richtige Bett zu leiten. Die Orthodoxie kann durch entsprechende Nationalisierung den Zionismus aufsaugen. Frl. Eh r ent reu-München: Herr vr. Kahn hat auch die Apo- logetik in den Lehrstoff der Gruppen aufnehmen wollen; ich möchte dem widersprechen. Es ist heute schon öfter darauf hingewiesen worden, daß unser Arbeitsgebiet fast zu groß ist, daß unsere vornehmste Ausgäbe, das Lernen, dabei beeinträchtigt werdenmuß. Wenn wir aber in diesen Lehrstoff wieder neue Gebiete hereinnehm-en, die an sich ja ihre Berechtigung haben, so frage ich, wannsoll unsere Jugend, unsere Jungen vor allem, die Zeit zum eigentlichen Lernen finden? Und dann ein zweites: zu einer wissenschaftlichen Apologetik brauchen wir Männer der Wissenschaft, ernste Wissenschaftler, die auf den einschlägigen Gebieten -der Philosophie, Naturwissenschaft, Textkritik usw. zu Hause sind. Solche Männer haben wir nicht zu Verfügung, und wenn vereinzelte zu uns gehören, so habendiese Männer etwas Besseres zu tun. Ich glaube vielmehr, wir müssen in unserer Arbeit mehr nach i n ne n gehen, zu den Kräften, die einen Glauben ausbauen können, eine. Weltanschauung gestalten können. Wir wollen nicht immer in den Fehler verfallen, uns aus die Defensive zu beschränken, erst die äußeren Angriffe abweh-ren zu müssen, anstatt, daß wir unsere Jugend wappnen und ihr nicht in allerlei apologetischem Material, sondern in -einem tiefgründigen jüdischen Wissen, in -einem starken Glauben, in -einer wahrhaften Emunoh, die Waffe geben, die sie selbst stählt gegen alle Angriffe. Diese Angriffe alle übzuwehren ist für uns eine Sisyphusarbeit, denn täglich werden neue Theorien ausgestellt. Wenn aber unsere Jugend aus dem Quell des Lebens, aus unserer Thauroh -geschöpft hat, wenn unsere Brüder wieder tief verwurzelt sind -mit dem innersten Geist unserer heiligen Uebevlieferungen, dann sind sie -gefeit!gegen die Einflüsse, welche Einzelergebnisse der Wissenschuft ausüben können. Dann weiß unsere Jugend, daß solche Einzelergebnisse falsch sein können und müssen, auch wenn uns die Wissenschuft als solche heilig ist. Dann setzt sie -diesem Wissen ihre innerste' Ueberzeugung entgegen, ein höheres Wissen, das über alles empirische Erfahren triumphiert.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.