Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 4 (1918)
- Issue
- 8 (8.1918)
- Date
- 1918-08-01
- Page
- Seite 47 (sequence 49)
- Language
- German
- Belongs to
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— 47 auszuüben. Was müssen diejenigen, die als nicht gesetzestreue Juden zu uns kommen, für einen Begriff vom Judentum bekommen, wenn nicht eine kleine Truppe von Ben8 Tauroh vorhanden ist? Eine kleine Truppe von Leuten, die zu unterscheiden wissen zwischen einem Am Hoorez, einem Lamdon und einem Bene Tauroh, muß vorhanden sein, die sich nicht einreden, Bene Tauroh zu fein, ohne daß sie es sind. Im Augenblick, wo unsere Mitglieder wissen, was es heißt, ein Bens Tauroh zu sein, wo ihnen der Unterschied bekannt ist, beginnt in ihnen das Schamgefühl, ein Am Hoorez zu sein. Wenn sich das^Schamgesühl entwickelt, ein Am Hoorez zu sein, dann wird sich in den Jugend gruppen eine öffentliche Meinung gegen den Nichtwisfenden entwickeln, dem Am Hoorez muß der Stempel seiner Minderwertigkeit aufgedrückt werden. Nur wenn aus Grund der sozialen Wertung dem Nichtwissen entgegengetreten wird, können die A.-J.-Jugend gruppen ihre Aufgabe.erfüllen. Es wird vielleicht angebracht sein, innerhalb der A.-J.-I.-O. eine Rangordnung, ein System von Titeln zu schaffen, das sich aufbaut auf der großen oder geringen Kenntnis der Tauroh. Es könnte wohl eine Kommission feststellen, welches der Mitglieder einer Jugendgruppe z. B. den Chower-Titel bekommen könnte. Es wird sich dann tatsächlich in der Organisation ein großes Streben nach Kenntnis der Tauroh durchsetzen, es wird ein Ehrgeiz geschaffen, doch nicht gerade zu der geringsten Gruppe zu gehören. Es wird dann das Bewußtsein geschaffen, daß man propagandistisch etwas leisten und doch nichts gelernt Haben kann. Inwieweit der Einzelne. in der Lage ist, an der höheren Bewertung der Tauroh mitzuwirken, auch darüber kann sich ein Schamgefühl entwickeln. Das Bewußtsein des Gegensatzes: auf der einen Seite zwischen gründlicher Lernarbeit, auf der anderen Seite propagandistischer Arbeit, das muß da sein. Auf Grund des Bewußtseins dieses Gegensatzes werden beide Zwecke erreicht. Herr vr. Kahn hat ein praktisches Arbeitsprogramm entwickelt. Er hat die Gründung einer Bank angeregt. Alle diese Dinge sind in langjähriger Arbeit schon in dem Verband der Sabbatfreunde durchberaten worden und ich kann Ihnen berichten, daß eine Kasse zur Unterstützung jüdischer Angestellter, die Sabbat halten, schon besteht, leider aber, infolge unausgedehnter Propaganda nicht benützt worden ist. Die Kasse könnte ganz anderes leisten, wenn sich nur jeder junge Mann zur Zahlung verpflichtet fühlte. Ueber die Ostfrage wird Herr Dr. Carlebach sicherlich das Wort ergreifen und er wird die Gelegenheit benützen, falsche Meinungen zu widerlegen und aufzuklären. Ich habe dieser Tage auch von nicht ganz gesinnungsgenössischer Seite gehört, daß einer, der Gegner unserer Arbeit in Warschau war, sich dort bekehrt hat und die Anerkennung ausgesprochen hat, daß trotz mancher Schwierigkeiten in der Durch!- führung der Arbeit dort, diese denn doch vor dem Forum der Wahr- Hastigkeit als die richtige angesprochen werden muß. Ich spreche die Hoffnung aus, daß in dieser Tagung jeder frisch von der Leber weg alles sagt, was er auf dem Herzen hat, daß aber diejenigen, die sprechen, sich bewußt sind^ daß die Gedanken nahe beieinander wohnen' und hart im Raume sich zu stoßen pflegen, die Tatsache, daß die Nichtausführbarkeit nicht bloß am bösen Willen der Leimng, nicht bloß an mangelnden Fähigkeiten gelegen ist. Wenn manches von dem, was Sie wünschen, heute noch nicht ausgeführt werden kann, dann verlieren Sie nicht den Mut und sagen Sie sich: