Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 4 (1918)
- Issue
- 8 (8.1918)
- Date
- 1918-08-01
- Page
- Seite 46 (sequence 48)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/6467833-8970266-8970284--0650-8963866- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 46 — stand, nur Friede in׳ seiner Mitte war, stand kein Hindernis ihm entgegen." Noch ist Krieg, Not und Tod. Aber einmal muß es Frieden und Menschheitsfrühling werden, jener Frühling, dessen Sänger Iesajah war. Möchten in meinen Worten sür diese Zeit einige Anregungen gelegen haben, die der Sache unseres Herzens dienen. Stehen wir Glaubenstreuen dann im Sinne des oben zitierten Hosea zusammen, nur eines Sinnes, eines Herzens, der Sache und nur der Sache wegen, dann wird auch mit Gottes Hilfe unsere Zeit kommen: Das walte Gott! Auch Herr Dr. Kahn fand mit seinen Ausführungen den ungeteilten Beifall der Versammlung. Nach einer Pause von 10 Minuten eröffnet Herr Direktor Dr. Lange die Generaldebatte über die beiden Referate und erteilt Herrn Jakob Rosen heim - Frankfurt das Wort: Meine Damen und Herren! Ich wünsche, Ihnen keine Rede zu halten, sondern ich möchte um die Erlaubnis bitten, als erster Redner der Diskussion zu sprechen, da ich leider genötigt bin, nachher abzureisen. Die dankenswerten Referate, die wir von den Herren vr. Segall und vr. Kahn gehört, haben eine Fülle von Anregungen gebracht. Ich möchte, wie ich mir gestern ab׳end schon anzudeuten erlaubte, Ihnen nur einige Anregungen für die Jugendorganisation geben. In der Jugenderziehung sind zwei Tendenzen zu befolgen, die ganz entgegengesetzt liegen. Und diese beiden Tendenzen miteinander zu vereinigen, ist meines Erachtens die wichtigste Aufgabe der Jugendorganisation. Es ist: 1. die individuelle Erziehung, 2. die propagandistische Erziehung. Wir dürfen uns nicht darüber täuschen, das sind Gegensätze. Die individuelle Erziehung ist, wie ihr Name schon sagt, individuell. Die propagandistische Erziehung geht über das Individuum hinaus. Die verschiedenen Redner haben gesagt: ״Wir müssen die Tore unserer Vereine weit ausmachen, damit jeder zu uns kommen kann." Dieses Ausmachen der Tore sei wichtig, um propagandistisch wirken zu können. Unsere Organisation muß eine ganze Reihe von Kursen aufnehmen/ die für diejenigen bestimmt sind, die zu uns herangezogen werden sollen. Wir müssen turnen, schwimmen, rudern, Geselligkeit pflegen; alles Dinge, die keineswegs gering anzuschlagen sind. Aber, meine Damen und Herren, Sie dürfen sich doch nicht darüber täuschen: wenn jemand einen Abend turnt, den nächsten Abend rudert, dann Stenographie und Sprachen lernt, wo soll so jemand noch Zeit zum Lernen hernehmen? Wenn einer in Deutschland aus der Schule kommt, und selbst wenn er aus einer jüdischen Schule als übertünchter Am Hoorez kommt und behält dann nach seiner Berufstätigkeit abends im besten Falle noch 4 Wochenstunden zum Lernen übrig, was für ein Lamdon kann denn dann noch aus ihm werden? Es ist nötig, daß die Mitglieder unserer Jugend- und Esragruppen den Begriff des Am Hoorez ganz anders erfassen als jetzt. Sie müssen sich klar werden über den Gegensatz eines Am Hoorez und eines Lamdon. Man kann sich einreden, auf Grund einer langjährigen Tätigkeit in einem Lernverein ein Lamdon zu sein, und ist doch nur ein Am Hoorez.- Das muß anderwerden. Auch Herr vr. Kahn hat mit Recht betont, daß das allgemeine Programm getrennt zu halten ist ז01מ dem Lernen in Jeschiwaus. Die A.-I.-Jugendgruppen haben in erster Linie der Förderung des Wissens zu dienen. Ihre Mitglieder müssen Hinsehen, daß Lernen wichtiger ist, als allgemein propagandistische Tätigkeit