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Blätter · 1918-08-01 · 8 (8.1918) · p. Seite 43

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Journal
Blätter
Volume
4 (1918)
Issue
8 (8.1918)
Date
1918-08-01
Page
Seite 43 (sequence 45)
Language
German
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43 Familie eine Selbstverständlichkeit, daß mindestens einer der Söhne die Je sch iw oh besuchte. Woran liegt es, daß dies heute nicht mehr durchgeführt wird? Ist etwa das Erwerbsleben heute wirklich schwerer geworden, wie die wirtschaftlichen Kämpfe unserer Väter? Waren nicht bei ihnen im Gegenteil alle Voraussetzungen für die materiellen Daseinsgrundfragen schwieriger und bedeutend komplizierter? Sind wir etwa ärmer geworden als unsere Vorfahren? Geht es uns materiell schlechter? Der Prüfstein unseres religiösen Gesamtgewissens muß darin erblickt werden, ob wir die Kraft finden werden, wiederum aus unseren Kreisen und nicht bloß aus dem Osten heraus die Jeschiwoth in Deutschland aufzubauen-. Dieser Aufbau muß sich vollziehen im engen Anschluß an die bestehenden gesetzestreuen Rabbiner- und Lehrerseminare. Hier wird das in Betracht kommende sonstige Milieu gegeben sein. Aus diesen Jeschiwoth sollen nicht bloß die berufenen Führer und Lehrer unserer Jugend hervorgehen: aus und aus ihnen sollen vielmehr auch der Laienwelt ein starker Zustrom an Lamdonim zugeführt werden. Diese Jeschiwoth werden dann nicht bloß als Verwaltungskörper und Institute für sich dastehen, sondern im Anschluß an die Gemeinde ihr Leben und ihre Häuser suchen, finden und beeinflussen müssen. Daß wir hierbei wertvolle Unterstützung an unseren Gesinnungsgenossen im Osten finden werden, ist selbstverständlich, ist doch der Osten generell auch für uns das Reservoir gewesen, aus welchem das thoratreue Judentum die ihm in Deutschland durch das Wüten der Reform entstandenen Lücken kraftvoll hat aufsüllen können. In Gemäßheit des -Gesagten dürste es eine der vornehmsten Ausgaben dieser Jugend-Organisation sein, aus eigener Kraft an der Errichtung einer leben- und lichtspendenden Jeschiwo zu arbeiten. Möchten diese Jeschiwoth wieder Kristallisationspunkt des jüdischen Gemeindelebens werden, wie dereinst in alter Zeit. 2. Was das von mir geforderte allgemeine Programm angeht, so verstehe ich darunter die buchstäbliche Auslegung des Satzes: Thorah im derech Erez. Hierunter verstehe ich die Ertüchtigung der Jugend mit Allgemeinwissen. Dahin!gehört kaufmännische Fortbildung, insbesondere die Sprachen, wie Englisch, Französisch, Russisch usw., kaufmännisches Rechnen und Buchführung, und den ganzen Komplex der modernen Fortbildung. Solche Kurse müßten unentgeltlich oder doch zu einem sehr billigen Preise geboten werden. Daneben ist die Körperliche Ertüchtigung nicht zu vergessen.. Wie weit aber für Turnen, Baden, Schwimmen, Rudern überhaupt Zeit bleibt, kann dahingestellt bleiben; selbstverständlich ist das Lernen durch diese sekundären Postulate nicht hintanzustellen. Die propagandistische Tätigkeit der Vereine hat für eine möglichst frühe Erfassung der noch Jugendlichen zu sorgen. Der Verein mit der Gesamtheit seiner Ausgaben muß beim fehlenden . Elternhaus Mittelpunkt der geistigen Biidungsmö-glichkeit sein. Danebenist die Pflege einer edlen Geselligkeit selbstverständlich zu fordern. 3. Mit Erledigung des Leruprogramms und des allgemeinen Programms sind wir beim letzten, aber darum nicht unwichtigsten Postulat angelangt. E s i st das sozial p o i i t i s ch e G e b i e t. Von allem, was ich zu sagen habe, verlange ich hier die nachdrücklichste Beachtung. Zur Zeit befinden wir uns bis über die Knie im Stadium der Gesamt- Wirtschaft. Der Handel ist fast vollständig ausgeschaltet, der Verkehr in-seiner mannigfaltigsten Erscheinungsform ist monopolisiert, wir haben einen Staatssozialismus, wie ihn die kühnsten Propheten vor Jahr und Tag nicht erträumt hätten. Eine Fülle von Einzelexistenzen hat mit

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