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Blätter · 1918-08-01 · 8 (8.1918) · p. Seite 42

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blätter
Volume
4 (1918)
Issue
8 (8.1918)
Date
1918-08-01
Page
Seite 42 (sequence 44)
Language
German
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weiteren- Ausführungen. Daß nicht genug gelernt werden kann, ergibt sich,schon daraus, daß leider der Kampf um das Dasein bei den meisten unserer Altersgenossen den größten Teil der jugendlichen Kraft in Anspruch nimmt, daß daher ansich schon die Zeit, die für das Lernen übrig -bleibt, eine relativ ganz geringe ist. Trotz alledem müssen wir dahin kommen, daß ein jeder, nicht bloß in unseren Vereinen, sondern vor allem in den Mußestunden, die ihm dann noch übrig bleiben, z u Haus sein Sz-eser zur Hand nimmt, sein Sz-efer in den Mußestunden als -unentbehrliches Erholungsmittel betrachtet. Daneben glaube ich aus der Fülle von praktischen Erfahrungen, die ich auf dem Gebiete der Jugendpflege in langen Jahren gemacht habe, aus einen nicht zu unterschätzenden Punkt Hinweisen zu sollen. Das ist die Disziplin der Apologetik. Die Lehren des Unglaubens bestürmen den jungen Menschen in unserer Zeit von allen Seiten. In Zeitungslektüre, in vielfacher Form der -gegenwärtigen Literatur, in Theater, Künst, Welt und Verkehr massieren sich die feindlichen, den überlieferten Anschauungen entgegengesetzten Mächte. Hier heißt es rechtzeitig und möglichst früh in der Seele des werdenden Juden hemmende Kräfte einjäten, diesen Lehren im Geiste der Ueberlieserung und mit den Mitteln der Logik ihren gefährlichen Giftstachel nehmen. Aber die Gefahr droht nicht bloß von den außerhalb des Judentums lauernden Mächten, auch von jenen, die uns von der sogenannten ״Wissenschaft des Judentums" dargereicht wird, droht für die überlieserungstreue Welt oft Abfall und Verderben-. Es ist eine traurige - Tatsache, daß die traditionelle Richtung in Deutschland jenem, an sich gewiß bedeutungsvollen Geschichtswerk eines Graetz in deutscher Sprache nichts ähnliches zur Seite zu setzen hat. Insbesondere diejenigen unserer Freunde, die der hebräischen Sprache nicht vollauf mächtig sind, werden gar oft gezivungen sein, bei Ereignissen, denen sie -gerade im Augenblick ihr Interesse entgegenbrin-gen, immer und immer wieder zu diesem Werk zurück,zugreifen^ Ich verkenne durchaus nicht die hervorragende Bedeutun-g dieses Forschers, seine glänzende Sprache, seine kaum zu übertreffende Disposition, der Einteilung von Zeit und Ereignissen. Nichtsdestow-eniger verlange ich auch ein Werk, welches mindestens gleichwertig, welches ebenbürtig den positiven Standpunkt der U-eberliefer-ung und der Anerkennung der Göttlichkeit unseres Gesetzes zur Grundlage hat. Wenn ich Ihnen daher heute die Mitteilung machen kann, daß von einer mir nahestehenden Seite die Grundlage für einen Lehrstuhl geschaffen werden soll, welcher sich in erster Linie mit Apologetik und jüdischer Geschichte befaßt, so -glaube ich unserer gesetz-estreuen Jugend zum ersten heutigen Bundestage׳ ein angenehmes Geburtstagsgeschenk mitgebracht zu haben. In die Satzungen des Lehrstuhles wird hineingeflochten werden, daß der Inhaber dieses Amtes sich neben Apologetik insbesondere auch mit den Fragen der gesetzestreuen Jugend überhaupt zu befassen hat, daß er versuchen soll, von hoher, wissenschastlicher, unantastbarer Warte aus uns -ein Helfer aus dem Wege in das Land unserer idealen -Sehnsucht zu werden. Dieser Lehrstuhl soll dazu dienen-, auch unser-ers-eits einmal, w-enn es seinmuß, aggressiv aus den: Kampfplatz zu erscheinen-, um -die ungerechten und böswilligen Angriffe -und Anzapfungen, welchen das überlieferte Judentum sich nicht zuletzt von jüdischer Seite ausgesetzt sieht, abzuwehren-. Neben dieser Einführung einer wissenschaftlich begründeten Apologetik ist die Gründung weiterer Ieschiwoth in Deutschland eins׳ der dringendsten Aufgaben unserer Zeit. Früher war es in jeder

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