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Blätter · 1918-08-01 · 8 (8.1918) · p. Seite 40

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Journal
Blätter
Volume
4 (1918)
Issue
8 (8.1918)
Date
1918-08-01
Page
Seite 40 (sequence 42)
Language
German
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40 — eine Lösung bedacht zu sein. Schon vor Jahr und Tag hat das Deutsche Reich in weiser Fürsorge Vorkehrungen zur Uebergangswirtschast getroffen. Das Gleiche ist analog auf die religiöse Situation zu übertragen. Es ergibt sich mithin die Frage: Was ist zu tun, um einen allgemeinen religiösen Wiederaufbau vorzubereiten? An sich brauchte dieses nicht unsere Sorge zu sein, denn das Sinai-Judentum ist unsterblich. So sicher, wie nach des frühen Morgens Nebelschleier doch die Sonne sich triumphierend Bahn bricht, so gewiß wird sich nach dem Chaos unserer Tage das Licht der Thorah!wieder hindurcharbeiten. Und doch dürfen wir uns keinem Fatalismus hingeben! Den Führern einer religiösen Richtung muß für diese Weltanschauung der Grundsatz voranleuchten: Im 6n uni 1i mi II? In Gemäßheit dieses Grundsatzes gilt es in zielbewußter Arbeit ans Werk gehen. Eine Krankheit heilen, heißt in erster Linie die Diagnose stellen. Wie sieht das Judentum in Deutschland aus? Wir haben drei Strömunigen zu unterscheiden: Liberalismus, Zionismus und traditionstreues Judentum. Was den Liberalism!us angeht, so ist bei ihm das einzig Feststehende in der Erscheinungen Flucht!sein ewig wiederkehrendes Harakiri. Es wechselt von Jahrzehnt zu Jahrzehnt sein Gewand. Kaum kennt das eine Jahrzehnt das vorangegangene wieder. Der jetzige Liberalismus hat aufgehört, auf die denkende Jugend Einfluß auszuüben. Die Jugendvereine, die von seiner!Seite heute gegründet werden, haben meistens negativen Charakter. <5ie befassen sich mit Abwehr des Antisemitismus, laufen wie früher gegen die Orthodoxie, heute gegen den Zionismus Sturm. Interessant ist bei dieser Gelegenheit, daß aus der Konferenz zwecks Bildung einer Verständigungsgemeinschaft niemand so verständigungsbereit war, wie die liberale Richtung. Es!entspricht dies nicht etwa einer ihr angeborenen Toleranz: denn wir traditionstreuen Juden wissen leider Gottes zur Genüge, daß!es in Deutschland nichts intoleranteres gibt, als manche liberale Gemeindestube. Vielmehr hat dieses Entgegenkommen seine Ursache darin!, daß diese Gemeinschaft nichts zu riskieren hat. Die Gefahr des Liberalismus für die Zukunft besteht höchstens noch in dem Drd-Klassen-Wahlrecht, bezw. in dem Gesetz von 1847, welches innerhalb der Gemeinden den Wahlkörper aus Grund der Steuersätze sich bilden läß!t. Man hat ja auch bis Heute noch nichts davon gehört, daß der jüdische Liberalismus aus eigenem Antriebe in den Gemeinden, in denen er domiziliert, trotz der jetzt bestehenden Möglichkeit das Dreiklassen-Wahlrecht aufgehoben hat. Sobald einmal alle jüdischen Wühler innerhalb der Gemeinde gleichgestellt sein werden, ist die Macht des religiösen Liberalismus gebrochen. Bis dahin müssen aber die beiden anderen Richtungen, Orthodoxie und Zionismus, Schulter an Schulter den Kampf gegen diesen Scheinliberalismus führen. In dieser Kombination wird der Zionismus uns stets ein! willkommener Bundesgenosse sein. Wir haben heute nicht die Absicht noch Grund, uns mit dem Zionismus auseinanderzusetzen. Lediglich das soll klargestellt sein, daß wir für uns beanspruchen, die Vertreter des historischen, in der Judenheit Jahrtausende hindurch!anerkannten, durch die Geschichte als wahr verbürgten Nationalismus zu sein. Mit anderen Worten: Wir traditionstreuen Judensind die Vertreter des historischen Nationalismus. Man könnte dieses auch!so formulieren, daß man sagt: Der Zionismus verlangt n!ur!ein politisches Glaubensbekenntnis, der religiöse historische Nationalismus, wie wir ihn verstehen, verlangt auch ein ethisch-

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