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Blätter · 1918-08-01 · 8 (8.1918) · p. Seite 39

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blätter
Volume
4 (1918)
Issue
8 (8.1918)
Date
1918-08-01
Page
Seite 39 (sequence 41)
Language
German
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39 ein Ausnahmezustand einen!gewissen Dispens von religiösen Pflichten gibt, nur bei ihnen wird dies lebendige religiöse Bewußtsein täglich iminer und immer wieder in die Erinnerung Zurückgerufen. -Bei dien Däheimgebliebenen haben die außerordentlichen Ernährungsschwierigkeiten, ferner die gesamte Umwälzung unserer Lebensverhältnisse es vermocht, mancherlei sogenannte ״Konzessionen" im Haushalt und im Pslichtenleben einzuführen. Inbesondere aber auch die Jugend in der Schule als auch die unmittelbar der Schule entwachsene Jugend bildet den Gegenstand tiefernster Sorge unserer Volkspädagogen. In manchen Städten hat ihre Verwahrlosung eine nie gekannte Form! angenommen. Es mag dies damit Zusammenhängen, daß -die berufenen Führer der Jugend, die Lehrer und Rabbiner, im Dienste des Vaterlandes von dem ihnen anvertrauten Posten in der Heimat seit Jahr und Tag abberufen worden sind, ׳die Väter ebenfalls des Königs Rock tragen. Bei der religiösen Jugend speziell wiederum hat das Lernen einen allgemeinen Rückgang erfahren, der, wenn er sich auch in den letzten Jahren wieder gebessert hat, immer noch nicht das alte Niveau wie vor dem Kriege erreicht hat. Wenden wir nun unsere Blicke nach dem Osten, so krampst sich unser jüdisches Herz vor Schmerz und Leid zusammen. Es ist eine allen bekannte Wahrheit, daß gerade dort, wo die Massen des jüdischen Volkes lebten, die Hauptkriegsschauplätze gewesen sind. In Polen, Galizien, in der Ukraine usf., wo vor dem Kriege trotz allen äußeren . Druckes und Elends ein blühendes und herrliches jüdisches Gesamtleben aus dem ewig verpflichtenden Grund der Thorah blühte, sind die ' Schulen, welche die Pflanzstätten unserer Lehren, die Hochschulen unseres Geistes waren, vernichtet. Nur allmählich ist es gelungen, hier wiederum aus Schutt und Asche neues Leben zu schaffen. Manche Ieschiwoh, wo dereinstens die Meister der Thorah Hunderten von Jüngern Tag und Nacht Welt und Licht gaben, stehen verödet, sind im Werden der Ereignisse geschwunden. Und heute, wo die deutsche gesetzestreue Jugend sich hier versammelt, gilt unsere stille Huldigung jenen Märtyrern unseres Glaubens, die dortselbst von den Horden der _ Kosaken, von den wilden Schergen des Zaren um ihres Bekenntnisses willen dien grausamen Tod gefunden. Ihren Namen wird kein Buch künden, keinem Chronisten wird es möglich fein, ihres furchtbaren Schicksals letzte große Stunde in die goldenen Lettern unserer Geschichte mit Namen einzutragen: Uns aber wird ihr Wirken, Leben und Sterben heiliges Vermächtnis zum Weiterbau am Gebäude unserer Weltanschauung bleiben. Wenn wir in dritter Linie unseren Mick über Deutschland und den Osten hinaus aus das Judentum der ganzen Erde wenden, so dürfen wir wohl heute ohne Kühnheit aussprechen, daß auch hier der Krieg sicherlich keineswegs eine Förderung des religiösen Lebens und Sinnes erzeugt hat. Wenn wir nur an einen Massensiedlungspunkt wie Saloniki denken, so ist es ohne weiteres klar, daß mit der Vernichtung des äußeren Wohlstandes der Iudenheit, ihres Schulwesens und aller sonstigen damit verbundenen Einrichtungen, welche zum guten Teil religiöses Empfinden der Jugend mit aus den Weg gaben, manch jüdischer Wert vernichtet worden ist. 3; Wir Deutschen waren stets Meister der Organisation. Bei uns hat man stets verstanden, bei verworrenen Situationen rechtzeitig auf

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