Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 4 (1918)
- Issue
- 8 (8.1918)
- Date
- 1918-08-01
- Page
- Seite 37 (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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-- 37 wird nach einer Pause von 5 Minuten Herrn Dr. Kahn das Wort zu seinem Vorträge erteilt: Aufgaben der gesetzestreuen Jugend nach dem Ariege. (Merkworte aus dem Gedächtnis wiedergegeben.) Der Krieg schlägt der Menschheit furchtbare Wunden. Wir sind uns heute darüber einig, daß er mehr Unheil denn Gutes geschaffen. Was die Dichter von der Vergangenheit gesungen, daß, der Krieg ein Bringer des Guten sei, daß er Himmelsgaben spende, ist eitle Illusion. Es mutet uns eigentümlich an, wenn mir lesen: ״Denn der Mensch verkümmert im Frieden, müßige Ruhe ist das Grab des Mutes." Und wenn einer unter Ihnen ist, meine Damen und Herren, dessen,poetischer Schwung ihn zur Betrachtung dieses Themas verleiten sollte, so ist es wohl angebracht, mehr der Elegie und dem We'ltschmerze seine Verse zu weihen, denn dem Edlen, was der Krieg erzeugen soll. Jahre und Jahrzehnte werden dahingehen, Generationen werden darüber wegsterben, ehe das Zerstörte und Verlorene, was dieser grausame vierjährige Krieg gebracht hat, wieder aufgebaut wird. Es ist eine Arbeit von Jahrhunderten, um all das, was nicht mehr ist, wieder zu schaffen. Denn wir hatten vor dem Kriege eine Kultur, eine Kultur, von der, wenn wir heute an sie zurückdenken, wir wie Ullrich von Hutten dereinst, auch heute ausrufen möchten: ״Es ist eine Lust zu leben." Noch nie stand die Menschheit sich so nahe wie damals; gewaltige Schiffe durchquerten den Ozean, brachten den Menschen zum Menschen, - tauschten hohe Werte miteinander aus. Es fand eine tägliche, ja stündliche, durch die vollendetste Technik geförderte ׳Annäherung von Land zu Land statt, wie sie noch׳ kein Geschlecht vor uns erlebte. Die Gelehrten trafen sich aus internationalen Kongressen, tauschten die in stiller Stube gefundenen Endresultate miteinander aus, Werte der Philosophie, der Naturwissenschaft, der Medizin usw. Sie alle hatten die Schranken nationaler Engherzigkeit überwunden. Denken Sie sich einen Augenblick die Politik aus der Menschheit weg׳, so ist es nicht zu viel gesagt, wenn wir behaupten, daß die Menschheit sich noch niemals so nahe und verständnisvoll gegenübler stand. Was von der Gesamtheit gilt,!gilt auch von der gelsetzestreuen IudeN'heit der Erde. Kurz vor Ausbruch des Krieges trafen sich! in der südöstlichsten Ecke unseres Vaterlandes, in Kattowitz, die hervorragendsten Männer aus der Agudas-Jisroel, um über eine endgültige Lauernde Zusammenarbeit sich zu verständigen. Gin Ereignis,- dessen Ausströmungen noch in diesen Augenblick hinein sich bemerkbar machen. Aber der Krieg vernichtet nicht bloß Werte wirtschaftlicher Art, zerstört ganze Welten!materieller Reichtümer, bringt reiche Länder und blühende Landschaften in d-en trostlosesten Zustand der Verarmung, nimmt uns nicht nur 'teueres, unwiederbringliches Menschenleben: Selbst die Wissenschaft, die bisher nur in dem Dienst der gesamten Menschheit tätig zu ׳sein!sollen glaubte, hat sich! seit!Ausbruch׳ des Krieges mit der ganzen!Kraft ihrer Forschungstätigkeit in Len Dienst dieses alles verschlingenden Molochs gestellt. Sie, die dereinst die Brücke schlug von Land zu Land, wird der Not der Zeit gehorchend,- zur gewaltigsten Helferin der jeweiligen Nationalinteressen. Wenn׳ wir aber hier heute zusammengekommen sind als junge gesehestreue Juden, so interessiert uns in erster Linie wiederum unter