Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 4 (1918)
- Issue
- 8 (8.1918)
- Date
- 1918-08-01
- Page
- Seite 35 (sequence 37)
- Language
- German
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35 können. Aber mir müssen dessen eingedenk sein, daß es für uns gilt, den Ewigen unseren Gott zu -lieben bechol meaudecho mit unserem ganzen Vermögen. Das aber soll an dieser Stelle ausgesprochen werden, daß für das!gesetzestreue Judentum die -heilige Pflicht besteht, ihre Jugend in diesem schweren Kampfe mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln zu stützen, sie wirtschaftlich zu starken, dafür zu sorgen, daß vor allem die Leiter von Unternehmungen, die Sabbat und Festtage halten, nie und nimmer unsere Jugend desw!egen schlechter wirtschaftlich stellen, weil sie das Gottesgesetz heiligt. Eng verknüpft mit beruflichen und wirtschaftlichen Momenten ist unsere Stellung zur Frühehe. Es wird jetzt viel auch in jüdischen Kreisen geredet und geschrieben, daß angesichts der steigenden Ehe- und Kinderlosigkeit das Judentum sich auf sich selbst, aus seine Zukunft besinnen müsse. Es kann nicht geleugnet werden, daß der rationalistische Zug auch in die Kreise" der gesetzestreuen Judenhe-it Einzug gehalten und das Fundament untergräbt, aus dem sie jahrhundertelang fest und sicher gestanden hat, die altjüd-ische Ehe und Familie. Auch bei uns rückt das Heiratsalter für Männer und Frauen immer höher hinauf, wird die Zahl jener, die ledig bleiben, größer, finkt demzufolge die Kinderzahl. Die Gründe sind in erster Linie wirtschaftlicher Natur und wie bei der Berufswahl gilt es auch hier, unsere thoratreue Jugend zu erziehen zur Einfachheit und Bescheidenheit in ihren Lebensansprüchen, zur Erfüllung eines religiösen Gebotes, das als eines der ersten dem Menschengeschlechte auferlegt worden ist. -Nicht Reichtum und äußeres Ansehen, sondern Wissen und untadelige L e b e n s - führung müssen die Kriterien sein, welche bei der Wahl zum Lebensgefährten e n t s ch e i d -e n d sin d. Unsere thoratreue Jugendorganisation soll ein Geschlecht schaffen, das sich freihält von materialistischer Lebensauffassung und mit Stolz von sich sagen kann, daß es nicht nur in Lehre, sondern auch im Leben zum Judentum seiner Väter sich Zurückgesunden hat, die wohl zwischen Geldeswert und Menschenwert zu scheiden wußten. Wir brauchen drittens unsere thoratreue Jugendorganisation, weil wir zu wichtigen jüdischen Kulturfragender Gegenwart, zur Ostjudenfrage und Palästinafrage eine Sonderstellung einnehmen, die sich aus unserer religiösen -Auffassung herleitet, von ihr Ziel und Richtung erhält. In der Ostjudenfrage kann für uns das nationale Moment, die Regelung der Autonomie, nicht jene überragende Bedeutung haben, welche sie in anderen jüdischen Kreisen einnimmt. Gewiß, wir stehen allen diesen Dingen mit -aufmerksamem Interesse gegenüber, und die große Welle des jüdischen Nationalbewußtseins, die vom Osten nach dem Westen geht, schlägt so mächtige Kreise, daß auch unsere Gedanken- und Gefühlswelt von ihr erfaßt und mächtig erschüttert wird. Für uns aber heben sich zwei Tatsachen aus der Fülle der Erscheinungen ab, ibie dank der Aufrollung des Ostjudenproblems -lebendig geworden sind, aus die wir unseren- Blick richten müssen. Wie sorgen wir dafür, daß die in Zukunft in verstärktem Maße zu uns strömenden Jünglinge des Ostens vor den Gefahren geschützt werden, die der plötzliche Uebergang aus dem thoratreuen Milieu ihrer Heimat in unsere moderne Kulturweit notwendig zur Folge haben wird. Welche Maßnahmen haben wir zu treffen, damit sie wirtschaftlich in die Lage versetzt werden, hier ihren Lebensunterhalt zu -finden, ohne mit dem ׳Religionsgesetz in Konflikt zu!geraten, damit sie uns erhalten -bleiben, unsere Reihen