Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 4 (1918)
- Issue
- 8 (8.1918)
- Date
- 1918-08-01
- Page
- Seite 33 (sequence 35)
- Language
- German
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33 erst alle jene Eigenschaften Zur Blüte und zur Vollendung, die den Schmuck des echten -wahren Jehudi bilden, jene bedingungslose Hingabe an das Gesetz, die Erfüllung -dessen, was wir täglich geloben: Und du sollst lieben den Ewigen, deinen Gott mit deinem ganzen Herzen, mit deiner ganzen Seele und deinemganzen Vevmögen, die Einfachheit und Reinheit in -der sittlichen Lebensführung, die schönste Frucht am Lebensbaume des jüdischen Volkes, die Treue zum Volksgenossen-, die Verwirklichung des herrlichen Grundsatzes: Kol Jisroel ar-ewim seh boseh. Und während draußen die Tore sich immer fester schlossen und jeder freie Luftzug von ihnen serngehaltenwurde, während Schmach und Schande immer mehr auf ihnen gehäuft wurde, entwickelte sich drinnen immer stärker ein Geschlecht, das von seiner geschichtlichen Mission, Träger des Gottesgesetzes auf Erden zusein, durchdrungen ward. Da sielen Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts die Mauern und wie ein reißender Strom, über seine Ufer tretend, die Schutzdämme einreißt, welche die Fluren vor Verwüstung schützen sollen, so brach -unter der Flut der neuen Ideen, die man kritiklos und begierig einsog, mit einem Schlage zusammen, was dem Judentum bisher Halt und Stütze gewesen, was es unter unsäglichen Opfern hinübergerettet hatte aus den Tagen!seiner Vergangenheit, und was ihm seine, einzigartige Sonderstellung und sein Anrecht aus Existenz unter den Völkern der Erde verlieh. Ein Jahrhundert hat zerstört, woran zwei Jahrtausende gebaut haben, und wir stehen heute vor einem Trümmerfeld. Es ist spät, aber noch nicht zu spät, zu retten, was noch vom thoratreuen Judentum zu retten ist, und langsam an den Wiederaufbau zu gehen. Und hier muß unsere Jugendorganisation einsetzen, die wie keine andere sich als Lebenszweck setzen muß, eine E r zi eh u n gsge me i nfchaft zu sein. In ihr sollen unsere Jünglinge und Jungfrauen dazu erzogen werden, sich frei zu machen von der A u s f a s s u n g, daß wir die Thora in Einklang bringen müssen mit unserer modernen Bildung, in ihr sollen wir von der Ueberzeugung erfüllt werden, daß wir dorthin zurückkehren müssen in Lehre und Leben, wo wir standen, als die Ghettomauern sanken! Was im Altertum das Heiligtum, dann die Hochschulen im Orient und Okzident, später der gewaltige Druck von außen für die Erhaltung des Judentums bewirkte, das soll heute der freie W ille, ״ganz zu sein dem Ewigen", unserem Gotte, bedeuten, der aus der Erkenntnis stammt, daß es so wie bisher nicht weitergeh en kann und darf, haß wir uns darauf besinnen müssen, welche schwere Verantwortung aus uns als Erben des altüberlieferten historischen Judentums ruht. Wir hören immer wieder, daß es uns -an -einem Ideale fehlt, für das sich unsere Jugend begeistern kann, daß wir ein Schlagwort brauchen, das die große Masse mit sich fortreißt. Andere- Kreise mögen andere Ideal-e haben, die vielleicht farbenprächtiger, blinkender sind, unser Ideal lautet: Das Judentum unserer Väter! Wie «aber soll dies Ideal von uns erreicht werden? Da gibt es nur ׳einen Weg, der beschritten werden kann, und der lautet: Lernen! Wir brauchen eine thoratreue Jugendorganisation, weil nur in ihr die schwere Krankheit, an welcher unser westeuropäisches Judentum dahinsiecht, der Heilung entgegengeführt werden kann, unsere Unwissenheit. Sie zu beseitigen, muß unser vornehmstes Streben sein. Wie und wo unsere Jugend zu den Quellen unserer Lehre zurückgeführt werden