Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 4 (1918)
- Issue
- 8 (8.1918)
- Date
- 1918-08-01
- Page
- Seite 30 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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30 was ist und zu welchem Zwecke braucht man thoratreue Jugendorganisation? Meine Damen und Herren, ׳geehrte Delegierte! Was ist und zu welchem Ende brauchen wie eine thoratreue Jugendorganisation? So lautet das Thema, das mir von der Leitung des Iugendtages als Ein« leitungsreserat gestellt morden ist. Sicher mird es manche unter Ihnen geben, welche die Wahl des Themas überrascht hat, die sich im stillen verwundert fragen, soll jetzt, nachdem unsere Agudas-Iisroel- Jugendorganisation seit mehreren Jahren durch ihr Leben ihre Daseinsberechtigung bewiesen, nachdem aus Delegiertenlagen und in Sitzungen innerhalb der einzelnen Ortsgruppen Ziel und Aufgabe wiederholt beraten, nachdem in unserer Zeitschrift die Frage immer wieder eingehend erörtert worden ist, soll heute nochmal von vorn begonnen werden? Nein, das kann und darf nicht unsere Aufgabe sein. Die Jugendorganisation der Agudas-Iisroel lebt ein so starkes, so intensives Leben, daß es sündigen hieße an der heißen Liebe zmn thoratreuen Judentum, welche alle ihre Mitglieder erfüllt, wollten wir beute mit grauen Theorien uns beschäftigen und lebhaft zu beweisen suchen, daß und warum wir ein Anrecht zum Leben haben. Unsere Aufgabe kann vielmehr nur darin bestehen, in scharfen Umrissen Ihnen aus dem Leben heraus zu schildern, was wir sind und was uns als Ideal vorschwebt, in Worte zu fassen, was in einem jeden von Ihnen als Sehnsucht empfunden wird und nach Ausdruck ringt. Und darum wundern Sie sich nicht, wenn vieles von dem, was ich Ihnen zu sagen habe, bekannt und selbstverständlich erscheint, wenn Ihnen dieser und jener Gedanke in Wort und Schrift bereits begegnet ist, ja von Ihnen selbst stammt, denn׳ es sind unser aller Gedanken, die ich denke, und es sind unser aller Gefühle, die mich heute beseelen. Aber eben darum ist es auch unsere Pflicht, mit aller Klarheit, uns vor aller Oessentlichkeit darüber Rechenschaft zu geben,, was wir uns unter einer thoratreuen Jugendorganisation vovstellen, und warum nur sie uns geben kann, was unsere Jugend braucht. Wir wollen heute keine Polemik treiben, nicht Nachweisen, daß diese oder jene Form, in welcher die jüdische Jugend in Deutschland ihr Ideal verkörpert, von uns abgelehnt werden muß, welche Schwächen ihr anhaften, nicht in negativer Kritik unsere Aufgabe erblicken, vielmehr unfern Blick positiv unfern Zielen zuwenden. Wir wollen aber auch nicht vergessen, daß wir hier nicht im Interesse irgendeiner Partei im Judentum zusammengekommen sind, sondern daß wir einzig und allein der Thora und damit der Wahrheit dienen. Was ist eine thoratreue Jugendorganisation? Um die Frage zu beantworten, müssen Sie sich vergegenwärtigen, daß unsere Bewegung aus seelischer Not heraus entstanden ist. Als die Agudas-Iisroel, die mit so ׳großen Hoffnungen begrüßte Vereinigung der gesetzestreuen Iudenheit der Welt, zu sterben drohte, weil die Führer bei sorgsamer Prüfung sich über den Begriff ״Thoratreue" nicht einigen konnten, da hat die Jugend begeisterungssreudig die sinkende Fahne ergriffen und mit dem Rufe Ni laschem eioj sw er für den Ewigen ist, zu mir) das Banner hochgehalten. Es liegt etwas wunderbar Großes in dieser Tat, die unserer Jugend nie vergessen werden soll. Sie hat aus dem unberührten Naturgefühl heraus gehandelt, daß jetzt in der schweren Zeit, welche die Gesamtjudenheit und in erster Linie die gesetzestreue Iudenheit durchlebt, keine Zeit und kein׳ Raum ist zu