Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 4 (1918)
- Issue
- 8 (8.1918)
- Date
- 1918-08-01
- Page
- Seite 23 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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23 stehen. Als Beispiel könnte ich Ihnen etwa anführen, daß bei uns in Berlin die große Organisation der FerienQusslüge, von der Sie sicherlich schon gehört haben, zwar von den männlichen Mitgliedern des Vorstandes technisch vorbereitet, die Ausführung aber säst nur möglich gemacht wurde durch die praktische Mitarbeit der Mädchengruppe. Wir müssen freilich zugestehen, daß wir jungen Mädchen allein zur sozialen Fürsorge nicht geeignet sind, da uns ja hierin die praktische Erfahrung fehlt und ist es bei solchen Fragen immer sehr angebracht und auch notwendig, verheiratete Damen, die eben schon lange im praktischen Leben tätig sind, heranzuziehen. Was die Propaganda anbetrisft, so wollen und müssen wir, wenn eine Werbetätigkeit erforderlich sein sollte, Hand in Hand mit der Jugendgruppe gehen. Wir müssen uns das zur Bearbeitung stehende Gebiet einteilen und nach außen hin geschlossen und systematisch vorwärtsgehen. Hier freilich sind wir nicht die Führenden — wenn auch sonst die Frau im Rufe eines großen Mundwerks steht —, so leistete doch im allgemeinen in der Kunst der Propaganda die Jugendgrupps mehr als die Mädchengruppe. Haben wir bisher die Zusammenarbeit der Jugend- und Mädchengruppe nach außen hin betrachtet, so wollen wir jetzt zur gemeinsamen Arbeit im Innern übergehen. Hier ist es vornehmlich zweierlei: 1. die Abhaltung der Lehrkurse oder Schiurim! 2. das gemütliche Beisammensein, Ausflüge und die Vorträge. Im ersten Teil meiner Ausführungen habe ich die verschiedenen Charaktere der Schiurim für Knaben und Mädchen dargelegt, es gibt jedoch auch Kurse, die für beide Teile gemeinsam abgehalten, werden! können. In Berlin z. B. haben wir seit Jahren einen Schiur über die wöchentliche Sidrah für beide Gruppen gemeinsam, er steht unter der Leitung unseres Herrn Dr. Hildesheimer und ist immer gut besucht. Alle die Gebiete, die keine besondere Kenntnis voraussetzen!, so in unserem Falle z. B. die philosophische Betrachtung des Wochenabschnittes, sind für gemeinsame Vorträge vor Damen und Herren geeignet. Auch Geschichtskurse könnte man, wenn ein geeigneter Dozent sich dazu findet, gemeinsam stattfinden lassen derart, daß fortlausende Vorträge über Geschichte gehalten werden und sich daran! Debatten anschließen. Diese Methode hat sich bei uns in Berlin unter Leitung von Herrn Rabbiner Dr. Bleichrode mehrere Seinester hindurch! sehr gut bewährt. In Frankfurt ist man insofern andere Wege gegangen, als an Stelle der Debatte meines Wissens die Wiederholung des Durchsprochenen durch Mitgliederreferate getreten ist. Eine Zeitlang unterhielten wir auch einen׳ für Damen und Herren gemeinsamen hebräischen Sprachkursus, der sich jedoch nicht bewährt hat. ׳ Es ist also wohl möglich, gemeinsame Schiurim abzuhalten, es ist nur notwendig, die zur Besprechung zu gelangenden Themen in Form von Vorträgen oder Diskussionen zu kleiden. Auch Einzel-oorträge populärer Art aus dem jüdischen oder allgemeinen Gebiete können vor beiden Gruppen gemeinsam gehalten werden. Theoretisch steht noch ein gemeinsames Arbeitsfeld für beide Gruppen offen — die Veranstaltung von gemütlichen Abenden, von Beisammenseins, dennderen Zweck ist doch die Schaffung eines ׳echt jüdischen Kreises. Jeder einzelne müßte sich in diesem Kreise wohlfühlen und je mehr fromme, jüdische Charaktere ihm angehören, desto fester wird er in sich geschlossen und desto mehr hält er gegen äußere