Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 4 (1918)
- Issue
- 8 (8.1918)
- Date
- 1918-08-01
- Page
- Seite 20 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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20 Grundlose für einen solchen Zusammenschluß — also eine Jugendu n d Mädchengruppe besteht. Hoffen wir aber, daß für Sie alle bald dis Gelegenheit da fein wird, an die Lösung dieses Problems herantreten zu müssen, daß es uns'recht bald gelingen wird, in allen größeren Orten sowohl die männliche, als auch die weibliche Jugend Zu gleichen Teilen unserer Organisation zuzusühren.— Wenn also auch nur für die Vertreterinnen einiger Gruppen ein Interesse verhanden ist, so dürfte für die anderen das Referat doch nicht überflüssig werden, da wir gern gerade die Meinung der Unparteiischen hören möchten, die in diesem Falle noch ganz objektiv und unbeeinflußt von praktischen Erfahrungen aus diesem Gebiete urteilen Können. Meine Damen! Zunächst müssen wir ׳ die allgemeine Voraussetzung für dieses Problem des Zufammenarbeitens von Fugend- und Mädchengruppen besprechen, zunächst müssen wir zu der Frage Stellung nehmen: Wie stellt sich das überlieferte Judentum und wie stellt sich die heutige Zeit zum Zusammenarbeiten von Knaben und Mädchen überhaupt? Befürworten wir eine gemeinsame Erziehung der beiden Geschlechter oder suchen wir im Gegenteil sie so weit wie möglich voneinander zu trennen? Natürlich ist auch hier die Antwort eine ganz individuelle. Man kann doch auch nicht erwarten, daß alle Menschen auf einem Standpunkt stehen. Gewiß ist ein Teil für vollständige Trennung, der andere aber sehr für engeren Zusammenschluß. Und wie wars denn in früheren Zeiten? War man da nicht sofort dem Spott und der Klatschsucht der Nächsten ausgeliefert,- galt es nicht für ein unverzeihliches Verbrechen, wenn ein junges Mädchen ösfentlich mit einem jungen Manne sprach? Ich glaube aber, daß diese getrennte Erziehung mehr im Charakter der früheren Zeit, als im Religionsgesetz begründet war, denn sie wurde nicht nur bei den jüdischen, sondern auch bei den andern Völkern strengstens durchgeführt. In den alten deutschen Heldenliedern hören! wir überall von der züchtigen Jungfrau, von ber strengen Abgeschiedenheit der beiden Geschlechter. Noch bis in die neueste Zeit hat sich diese Sitte fortgesetzt — mit Ausnahme der Großstädte — noch jetzt verfällt auf dem Lande ein junger Mann!, der im harmlosen Gespräch mit einem Mädchen getroffen wird, unweigerlich öfters dem Gespötts der Leute. In großen Städten, in denen man bei der Geschäftigkeit des Lebens auf die Umgebung überhaupt nicht intensiv achtet, wie speziell auf dem Lande, in denen ״modern-großzügige Auffassung" die Menschen ״sittlich gefestigt und gleichzeitig, über das Niveau des Kleindenkens" hinausgehoben hat, dort sieht man den jungen Mann, der mit einem Mädchen spricht, bei weitem viel weniger als einen Verbrecher an. Und nun im Jud!entum — eine ausgeprägtere Trennung der Geschlechter läßt sich wohl kaum finden. Draußen im profanen Leben, drinnen bei den religiösen Handlungen — ich denke an die vergitterten Fenster der Frauenschule — Üblerall die Trennung. Wenn sie auch in unserem modernisierten Judentum, das durch feine Modernisierung ja bekanntlich an Inhalt nicht gerade gewonnen hat, schon! toleranter ist. Höchstens die Chassidim stehen hierbei noch ganz auf dem alten Standpunkt, doch da wir ja im allgemeinen nicht den chassidischen Aufsassungen huldigen, mag uns dies nicht weiter beschweren und der Din hätte/sicherlich auch nichts dagegen einzuw enden, wenn Mitglieder einer Agudas- Jisroel- Mädchengruppe in gemeinsamem Streben mitder Fugendgruppe Zusammenarbeiten. Einer zuweitgehenden Annäherung zwischen Knaben und Mädchen ist ein Ziel gesetzt durch die dem ge-