Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 4 (1918)
- Issue
- 8 (8.1918)
- Date
- 1918-08-01
- Page
- Seite 16 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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— 16 — von uns soll darnach streben als eine ungeheuere Bereicherung unseres Lebens. Aber das muß immer dem einzelnen und dem Einzelunterricht Vorbehalten bleiben. Im Gruppenunterricht aber, und um diesen allein handelt es sich ja hier für uns, wo nur beschränkte Zeit zur'Verfügung!steht, und ein mittleres Niveau angenommen werden muß, hier müssen wir unser letztes Ziel, unsere eigentliche Frauenarbeit schärfer , ins Auge fassen, damit uns das Lernen das gibt, was es in so-reichem Maße uns geben könnte. Denn die Stoffe, die uns zur Verfügung stehen, lassen sich ja gerade nach dieser Seite hin in so unendlicher Fülle auswerten. Es handelt sich nicht darum, daß wir zur Tauro, zu T' nach jeden Peschat kennen oder gar selbst einen finden, aber es muß uns der unendliche Reichtum an tiefer Lebenswahrheit aus ihr, dem Chajim aufgehen, das was in unserer Tauro symbolisch und vorbedeutend für alle Zeiten und Geschlechter geschassen ist, das was für unser Leben noch heute gestaltunggebend werden muß. Und damit Komme ich aus ein anderes Lerngebiet, das uns offen steht, und das von vornherein den inneren Zusammenhang mit unserer Lebensbetätigung besitzt: Die Dinim. Wir selbst haben als ersten Kurs den Kizur Schulchan Oruch Schiur eingerichtet und haben unendlich viel daraus gewonnen. Wir sind zunächst auf die Dinim eingegangen, die auf unsere Frauenbetätigung vor allem Bezug haben, die Dinim des jüdischen Hauses, Kaschrus, Chalo, Neir Schabbos usw. Hier sollen notwendige Kenntnisse vermittelt, ergänzt und vertieft werden. Aber noch ein Anderes, Bedeutenderes wird da unbewußt in uns erzogen, die tiefe Achtung vor dem Gesetz, das Gefühl der Verantwortlichkeit dafür. Nichts kann ja in einem jüdischen Hause Zerstörender Wirkern nichts unheilvoller die Entwicklung der Jugend beeinflussen, als wenn im jüdischen Hause bei aller prinzipiellen Anerkennung des Gesetzes ein gewisser Eklektizismus sich zu erkennen gibt, wenn diejenige, der die Heiligkeit des jüdischen Hauses zu wahren gegeben ist, sich Ausnahmen gestattet in der ׳Befolgung des Gesetzes. Wenn uns aber einmal die Einheit des jüdischen Gesetzkomplexes klar geworden, wenn wir sehen, wie alles tief miteinander verwurzelt ist, eine einzelne Bestimmung sich nicht vom Ganzen ablösen läßt, dann muß auch in uns das tiefe Gefühl der Verantwortung wach werden, das ein jeder Jehudi der Einheit des Gesetzes gegenüber, trägt. Die'Beziehung zum Ganzen, zur Gesamtheit der jüdischen׳ Lebensgestaltung, sie muß uns aus jedem Stoff lebendig werden, wenn wir von den Dinim, die unsere praktische Lebensführung bestimmen, übergehen zu den ethischen Vorschriften, vom Schulchan Oruch zu den Mussarschriften, oder zu den Büchern, die ja ausrusen zur Vergeistigung der jüdischen Lebensgestaltung, zu den Werken von S. R. Hirsch, die gerade uns Mädchen von ihrem Reichtum viel, viel geben können. Wenn wir auf solche! Weise den Weg suchen zu der jüdischen Persönlichkeit, dann können wir nicht aus den Abweg geraten, in den sonst die Kulturströmungen ausmündeten, welche die Ausgestaltung der -Persönlichkeit als Ziel setzten, in einen Kult der Persönlichkeit, einen extremen Individualismus. Im Gegenteil, uns wird und muß diese Einheit nur Weg sein, nur Bruchteil einer höheren Geschlossenheit, die uns einst alle aufnehmen muß. Und das ist unsre z weite ״Ag u d'o h" - A u f gab e, die soziale Einheit anzustreben, sozial hier im weitesten Sinne des Wortes. Von der Persönlichkeit geht der Weg zur Gemeinschaft. Diese Gemeinschaft