Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 4 (1918)
- Issue
- 8 (8.1918)
- Date
- 1918-08-01
- Page
- Seite 10 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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10 Riesenbetrieb, ist unter ■lauter Gesinnungsgenossen und suhlt sich zu Hause. Und endlich kommt ja jeder einmal dran und glücklich Eintritts-, Eß-, Delegierten und Unterkunfts-Karten nun endlich in der Tasche zu haben, spaziert man srohgemut voller Erwartungen ins Städtle. Im Huttenschen Garten. Am Keschei aurev! Und wie stets, so glaubte auch diesmal unsere Jugend, das Prädikat so recht in die Erscheinung treten lassen zu müssen, damit nur ja niemand auf den Einsall käme, diese Eigenschast sei uns mit Unrecht nachgesagt. Da war keine Stimme laut, war keine Glocke gut genug, da half, kein Bitten und kein Befehlen, es wurde geschmust und herumgelaufen und gelacht und geschäkert — Fugend in Bewegung! Wer mag sie bändigen können? Ein Präsidium gab sich alle Mühe — vergebens! Es gebrauchte Stimme und Glocke unaufhörlich. Aber einmal hat alles ein Ende, die Stimmen versagten. Alle Hilfsmittel, wie da sind Honig, Zuckerwasser usw. blieben ohne Wirkung. Und unser liebes Glöcklern,, es kann auch nicht mehr, es ist ausgebimmelt und läßt seinen Klöppel traurig herunterbaumeln. Und die Glocke wird zum Schläger, wird nun mit eherner Gewalt aus den Tisch gestoßen, soüaß Metall und Holz in jähem Ausschrei auseinanderprallen. Und unsere Agudisten, soweit sie mit Fliegern schon Bekanntschast gemacht haben, zucken in lebhafter Erinnerung zusammen; und die glücklichen anderen, sie bekommen aus harmlose aber wahrheitsgetreue Weise dargetan, wie es sich denn eigentlich anhört, wenn so eine Bombe sich aus die Erde -begibt, und da in ihre -Bestandteile zerlegt wird. Nur der Tisch, der arme Tisch, er mußte ruhig dastehen, durfte sich nicht rühren und war verdammt, einen -״Glockenschlag" nach dem anderen über sich ergehen lassen zu müssen. Ueberhaupt die Tische! Wie sehen die aus! Erstlichmal hochgetürmt voll Obst, voll Pflaumen, Zwetschgen, Aepfel, Birnen, und welch Schätze es im beneidenswerten Frankenland noch mehr gibt, Obstberge, hinter denen gar manches Agudistlein kaum hervorzusehen vermag. Und Kaffeetassen und Biergläser und Zigarrenstummel und -Asche und Bleistifte und Agudomarken und Ansichtskarten und Kuchen und Papier — alles nur denkbare lag aus diesen Tischen. Und Menschen saßen daran-, vielmehr sie saßen meistens nicht, sondern liefen umher, hopsten mit und auf ihren Stühlen auf und nieder, bekamen Truthahnsköpfe, wenn! von der Rednertribüne herab irgend etwas gesagt wurde, was ihren Widerspruch erregte. Dann flogen die Meldungen zur Rednerliste nur so an den Vorstandstisch, und es ist ein Glück, daß nicht jeder zu Worte kommen durfte, daß die Zeit uns ein Halt! gebot, denn sonst — sonst sähen wir heute noch da. Da war Leben, eine Freude zu sehen, wie die Jugend mitarbeitete, wie sie gestikulierte, wie sie wolhlgesällig oder verdammend den Worten des Redners folgte, wie sie sich erhitzt und ausregt und einsetzt für ihr Ideal, wie sie mit .ganzem Herzen sich zur Tauro drängt. Hier ward es wieder ,ganz deutlich: ״Tauro hi eiz chajim!"