Mannheim
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Blätter · 1918-08-01 · 8 (8.1918) · p. Seite 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blätter
Volume
4 (1918)
Issue
8 (8.1918)
Date
1918-08-01
Page
Seite 11 (sequence 13)
Language
German
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n " Und wenn das Ende der Sitzung kam, dann wak es eine Freude, ' wie alte Freunde sich fanden und neue Freundschaften sich knüpften, wie man sich kennen lernte aus Ost und West, :aus Süd und Nord, wie man fühlte, daß wir alle Zusammengehören, -daß wir eine große, Familie sind, wo der eine für den anderen eiNzustehen habe. Da zeigte sich bald, welch wunderbares Ding es ist, ein echt jüdisches Milieu. General-Abfütterung. Lieber Leser, Du warst doch schon mal im Zoologischen Garten und weißt, wie es da aussieht, und Du weißt, ,wie es da zugeht. Und so weißt Du, daß die Fütterung der Raubtiere das Interessanteste ist. Du hast schon häufig-gesehen, wie die Tiere -bereits lange vor ihrer Zeit zappelig werden, hin- und herlaufen, an den Gittern ihres Käfigs, herumschnuppern, bis endlich die rechte Zeit und mit ihr das ersehnte Futter da ist. Und wie stürzen sie sich dapaus! Unwillkürlich mußte ich an den Zoo denken, als ich wahrend' unseres Würzburger Bundestages um die Mittagszeit über den schönen Platz am Vierröhrenbrunnen ging. Der Platz ist wirklich schön, ist aber noch viel, schöner, weil das Restaurant Pauly da seine Zelte hat. Und da stehen sie nun in Hellen Haufen, meine lieben Agudisten, . und harren der Genüsse, die da kommen sollen. Neidisch sehen die Inhaber von gelben Eßkarten aus die glücklichen Besitzer von roten; denn diese dürfen sich schon ganze 30 Minuten früher an den Tisch setzen. Nun muß man auf dem Platz Hevumscharwenzeln, unterhält sich über die -Verhandlungen, erhitzt sich wieder und vermehrt so den ohnehin b-ekoweten Appetit. Und dann spricht man wieder andere, die bereits von den Schätzen des Hotel zur Glocke erzählen können, die einem den Mund wässerig machen, und denen man die norddeutsche Verwunderung über die -bayerischen Wunder deutlich ansieht. Oben im Restaurant ist ein Drängen und Stoßen und Hasten und Jagen. Etwa 100 Leute werden gleichzeitig gefüttert; aber schnell muß alles gehen, denn die nächste Partie-wartet auf heißen Kohlen. Beim Essen knüpfen sich manch' neue Bekanntschaften. Trotz der Eile und der großen Arbeit, die die Mundwerkzeuge bei der Bewältigung des Dargebotenen zu leisten haben, trotzdem haben die lieben Schwestern noch Gelegenheit genug, sich über alles und jedes .zu unterhalten. Mit den Nebenleuten, mit dem vis-ä-vis; aber auch über Tische hinüber spinnen sich drahtlose Gespräche. Und wenn dann der rechte Mann bei der rechten Gesellschaft ist, dann wird das Benschen noch versteigert, um die Kosten der Tagung etwas mindern zu helfen; Lan-n macht man schnell Platz, Platz für die nächste Partie, die schon Zähne fletschend um uns herumsteht, und es nicht mehr erwarten Kann, unsere Plätze einnehmen zu dürfen. Aber für uns kommt jetzt das Wunderbarste, was es überhaupt in Würzburg gibt: Obst! Obst gibts in Riesenmassen zu billigen Preisen, und das machen wir uns alle zunutze. Das ist schon ein typisches Straßenbild geworden: Ein Mensch, bewaffnet mit einer Riesendüte, der von Zeit zu Zeit Kerne verliert — das ist ein Agud-jst! Aber wir hattsn's verdient, wir alle, die wir mit größter Aufrnerkfamkeit den anstrengenden Verhandlungen gefolgt sind, von׳ Anfang bis zum Ende. - Und die Würzburger haben uns das alles gegönnt! Sie waren überhaupt so nett und lieb, die Würzburger!

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