Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 4 (1918)
- Issue
- 8 (8.1918)
- Date
- 1918-08-01
- Page
- Seite 8 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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8 gerüstet surrt Kamps der Geister in Würzburg. Zunächst sollte es aber noch einen wahren Kampf der Fäuste und Ellbogen geben: der Zug braust heran, ist von frohem Rheinlandvolk und feldgrauen Urlaubern schon überbeisetzt. Was Wunder aber, daß unsere A.J.-Jugend sich für ihre ״l'schem Mizwoh-iFahrt" für bevorrechtigt hält, nach Bayern mitgenommen zu werden. So verschafft man sich denn ״Vortritt" auf recht fühlbare Weise, und gelenkige Jünglinge machen nicht erst den Umweg durch die Coupetür, sondern schwingen sich in abgekürztem Verfahren durch das Wagenfenster auf den nächstgelegenen Sitzplatz. Und ehe'man sich versieht, ist man gerade neben einem rheinländischen Gesinnungsgenossen niedergegangen; ein herzliches ״Scholaum Mechern" ist die Parole. Rhein und Main haben sich schnell gefunden und fließen in Freundschaft und dem Bewußtsein gleichen Strebens schnell ineinander über. Auch vom Rheinland her sind alte Grauköpfe und junges Volk auf der Fahrt zum Bundestag unterwegs. Eine kurze Umschau im Zug, und wir können auch sogar den Gebieten des Waffenstreits zum Kamps der Meinungen enteilende Feldrabbiner begrüßen. Einige Agudo-Freunde aus Norddeutschland haben sich in den süddeutschen Zug verirrt und werden trotz Grenzsperre und Ausfuhrverbot mit herzlichem Willkomm von bei! ״Südländern" empfangen. Und so wie hier wird sich heute und in den nächsten Tagen auch an den anderen Bahnhöfen ein Bild jüdischer Freude entwickeln. In frohgemuter Stimmung geht die Reise zum Würzburger Bundestag los. Ein ״Zelach urchaw" und ״lechajim ulscholaum" hallt den Agudisten noch entgegen, und der Zug rollt seinem Ziele zu. Agudo-Brrreaii bei Engel. Agudo-Bureau bei Engel! So schreiben die Zeitungen. Wer kann sich die Wirkung eines solchen Satzes ausmalen? Briefe und Telegramme und Pakets und Telephongespräche Tag und Nacht. Da kommt Post aus Berlin mit der Bitte um Abgabe an Herrn X. I., ein Paket für Fvl. Z. aus Posen. ״Etwa ausgelegtes Porto können Sie sich ja von dem Adressaten zurückgeben lassen." Da telephoniert es aus Frankfurt, ich komme schon Sonntag; können Sie mir sagen, wo ich wohnen werde? Da schreibt eine besorgte Mutter, die sich auf ihre ■alte Bekanntschaft mit Familie Engel beruft, man möge ihre Tochter, die auch zum Bundestag kommt, doch mit der Nichte ihrer Schwägerin zusammenlegen. Berlin ruft jede Stunde an, um zu erfahren, wie alles geht, um einen von dem B.-I.-A., um einen anderen von der Agudo zu sprechen. Mitglieder des Arbeitskomitees kommen gelaufen, um Post zu holen, um zu bitten, ob nicht das und jenes besorgt roerden könnte. ״Fräulein Engel, .wo bekommt man billige, gute Butter?" ״Fräulein Engel, können Sie mir nicht etwas Hülsenfrüchte besorgen? Sie wissen doch, mein Urgrohvetter hat als Student bei Ihnen verkehrt." ״Haben Sie die Schläger besorgt? Wir müssen diesmal zwei haben." ״Ist die Droschke für den Rab!bestellt?" ״Fräulein Engel, wie ist es mit den Schleischen," piepst so ein kleines Mädchen, das auch schon mit Herz und Seele bei unserer Sache ist. Von Tag zu Tag türmen sich die Pakete höher, und aus der Domstraße 36 wird allmählich ein blühendes Stapelhaus. Schlimmer und schlimmer wird der Betrieb: die Türen müssen zeitweise ge-