Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 4 (1918)
- Issue
- 8 (8.1918)
- Date
- 1918-08-01
- Page
- Seite 6 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Fulda ist auch noch ganz gut gelegen, ist auch eine echte jüdische Gemeinde und hat vor allen Dingen eine schöne Jugendgruppe: also nehmen wir Fulda. Gesagt, gefragt, getan! Fulda nimmt an! Inzwischen zieht sich unser Max Cohen, der die Vorbereitungen für die Tagung leitet, aus dem ״fliegerreichen" Köln in das rebenumkränzte Bad Neuenahr zurück, Direktor Lange sitzt in Frankfurt, in Fulda bildet sich ׳ein Lokalkomitee, was Wunder, daß Telegraph und Telephon durch unseren. Bundestag eine gute Einnahmequelle erhielten. Und Berlin, das nicht jeden Tag wußte, wie alles steht, und wie alles geht, Berlin drahtet und drahtet und telephoniert und schreibt Eilbotenbriefe und jammert ob seiner mangelhaften Orientierung." Die A.-J.-J.-O., wenn noch nie, jetzt ist sie wahrlich ein Stück der Jugendb e w e gu ngl- In eben diesem Berlin ist eine große Volksversammlung. Man begeistert Alt und Jung für den Bundestag, man hebt Fulda in den Himmel, preist seine glänzenden Verpflegungsverhältnisfe, erzählt, es fei der größte Eisenbahnknotenpunkt Deutschlands, weiß gar nicht genug des Ruhmes über den guten Fang, den man mit Fulda getan hat. Zur gleichen Zeit wird eine dringende Telephonverbindung von Neuenahr nach Würzburg hergestellt und schon bald hört man flehentliche Bitten, um die Würzburger doch nur ja zu überreden, den B.-T. änzunehmen. Die Verhandlungen gehen hin und her. In ganz Deutschland macht man eifrigste Propaganda für Fulda. Und wir wissen noch gar nicht, ob die Tagung überhaupt zustande kommt, wissen aber ganz genau, daß Fulda bestimmt nicht Tagungsort sein wird. Die Anmeldungen für Fulda kommen fetzt gerade in Hellen Haufen, und wir glauben schon, das schöne Lied des Trompeters von Säckingen singen zu müssen, als das erlösende Telegramm aus der schönen Residenz Unterfrankens eintrisft. Die Zeit war schon vorgerückt — es war bereits Anfang Juli geworden —, und darum sucht ein Vorstandsmitglied persönlich in Würzburg gleich alles in Ordnung zu bringen, für Unterkunft und Verpflegung zu sorgen, ein Lokalkomitee zu bilden und in den Gang seiner Geschäfte einzuarbeiten. Alles klappt sehr schön, und der größten Sorgen ledig fährt unser Vorstand wieder von dannen. Kaum zu Hause angelangt, folgt dem über seinen Erfolg in Würzburg so begeisterten! Herrn ein radsahrgewandter Jünger der kaiserlich deutschen Reichspost, bewassnet mit einem kleinen durch Siegelmarke verschlossenen Briefchen: Bundestag wegen Verpflegungsschwierigkeiten unmöglich." Und einige Stunden später: ״Lokal- Komitee Würzburg hat sich aufgelöst." Das ist zu viel! In 14 Tagen, wollen wir Heerschau abhalten über unsere Jugend, und immer noch sind wir ohne Paradeplätz. Unsere Drucksachen fliegen durch ganz Deutschland, alles rüstet sich zur Fahrt in's gesegnete ״Bayreländle", die Damen ordnen fieberhaft ihre Toilette, die Herren dagegen ihre Gedanken, um in Würzburg auf jeden Kampf gerüstet zu sein. Und Würzburg will unsere seingeputzten Agudistinnen nicht sehen und unsere zum Streit gerüsteten Herren nicht hören, Würzburg. streikt! Aber das geht einfach nicht! Diese Blamage darf nicht auf uns sitzen bleiben! Unterdessen kommen Anfragen von den Gruppen, von unseren Freunden, die nun endlich wissen wollen, wohin sie fahren müssen, um dem Bundestag beiwohnen zu können, nach Halberstadt, nach Fulda oder nach Würzburg, wie jetzt mancherorts erzählt werde. — Aber mit