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Blätter · 1918-08-01 · 8 (8.1918) · p. [Seite]

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Journal
Blätter
Volume
4 (1918)
Issue
8 (8.1918)
Date
1918-08-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Jur Lntstehungsgeschichte. ״. . . . und da haben wir uns bereits häufiger überlegt, ob es denn gar nicht zu erreichen sei, daß wir uns einmal in großer Zahl aus allen Teilen Deutschlands an einem Ort zusamMenfinden." So schrieb ein Mitglied des Organisationsvorstandes vor ungefähr fünf Monden an einen Kollegen. Und diese schlichten Worte haben den Bundestag auf dem Gewissen. — Kleine Ursach, große Wirkung! Der Kollege greift das Wort gleich begeistert auf, bringt zwar unter Zurücksetzung seines eigenen jugendlichen Draufgängertums alle möglichen und unmöglichen Bedenken vor, macht aber doch im selben Satz bestimmte Vorschläge, gibt Anregungen, stellt Forderungen, — kurz, der Brief schließt mit den schlichten, aber bestimmten Worten: Also, aus zum Bundestag! ״Die ich rief die Geister, werd' ich nicht mehr los!" — Bundestag! Das Wort war auch so ein Geist. Im Nu drehte sich die ganze Korrespondenz des G.-A. mit den Vorständen und der Vorstände unter sich um dieses Phänomen, das alle Köpfe erhitzte, die alten, die sich bis zur Siedehitze ausregten über solchen Stuß in ernster Kriegszeit, wo man Wichtigeres zu tun hat, als Bundestage abzuhalten, so viel Geld 'rauszuschmeißen re., und die jungen, die sich zum Zerspringen begeisterten an der herrlichen Idee, die endlich einmal unsere Jugend in die Oeffentlichkeit rief und an den Platz stellte, wohin sie schon längst gehört hätte. Leben, jungsrisch pulsierendes Leben, erregt die ganze A.-J.-I.-O. Endlich einmal geht's heraus aus der Lethargie, endlich einmal evwachen die Geister, recken sich unsere schlafenden Kämpen und glühen voller Freude an unserer Agudo, und strotzen von Arbeitslust. ׳ Und nun die Einzelheiten! Der in Deutschland am meisten zentral gelegene Ort muß gewählt werden und eine Zeit, wo möglichst überall Ferien sind. Just am ״Himmelfahrtstage" — wie unsere ״Blätter" so schön sagten, befaßte sich ein hoher geschäftsführender Ausschuß in ernsten Erwägungen mit dem Bundestag und kam trotz seiner schweren Bedenken zu dem glücklichen Ergebnis (der Vorstand hatte vorsichtigerweise eines seiner Mitglieder als Hecht in den Karpfenteich — lies: G. A. — entsandt): Es muß sein! 31. Juli bis 4. August ist die beste Zeit, alles hat Ferien und Muße zum Austragen von Geisteskämpfen. Und Halberstadt ist der rechte Ort, im Herzen Deutschlands, eine alte Kehillo-, Sitz des Gruppenverbandes, und was der Vorzüge noch mehr sind. So ward es beschlossen und einige Tage später stand es schon in allen jüdischen uno unjüdischen Iudenblättern: ״Die "A.-J.-I.-O. wird vom 31. VII. bis 4. VIII. in Halberstadt ihren Bundestag abhalten. Fahrpreisermäßigung wird gewährt und Reiseentschädigung. . . .". Doch, da war die Rechnung ohne den Wirt ׳gemacht, im wahren Sinne des Wortes ohne den Wirt. In Halberstadt ist man froh, daß man selbst nichts hat. ״Fahrpreisermäßigung wird nicht gewährt," schreibt das Ministerium. Was bleibt also von der vielsagenden Zeitungsnotiz? Lediglich das Datum. O nein, es blieb viel mehr, es blieb dev begeisterte Wille unserer begeisterten Jugend: Es muß sein!

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