Archiv für jüdische Familienforschung, Kunstgeschichte und Museumswesen
- Journal
- Archiv für jüdische Familienforschung, Kunstgeschichte und Museumswesen
- Volume
- 2 (1916)
- Issue
- 1-3 (1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 46 (sequence 46)
- Language
- German
- Belongs to
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46 Reich gründete. Der Uebertritt eines Teils der Chazaren (unter dem Fürsten Bulan) zum Judentum erfolgte im 8. Jahrhundert, sodass ein „Abfall* zum Islam jedenfalls nicht bei der mohammedanischen Eroberung erfolgen konnte. Auch ist es unrichtig, dass nach der Eroberung des Kaukasus durch die Russen, die in wesentlichen erst im 19. Jahrhundert erfolgte, ein Massenübertritt Jüdischer Stämme" zum orthodoxen Christentum erfolgte. Die georgischen Stämme, die der Einsender nennt, waren schon längst vor der russischen Herrschaft zum griechisch-orthodoxen Glauben bekehrt und hatten eine eigene Nationalkirche, deren Oberhaupt im Kloster Gelati bei der Hauptstadt von Imeretien, Kutais, residierte. Die Osseten aber, die teils das Christentum, teils den Islam bekennen, sind iranischer Herkunft und sprechen einen dem Neupersischen verwandten Dialekt. Die Ueberlieferungen einzelner Völker und namentlich „fürstlicher" Familien (der Fürstentitel entspricht im Kaukasus höchstens dem gewöhnlichen Adelsprädikat), die ihre Abstammung auf jüdische Stämme oder gar Könige zurückführen, sind gänzlich phantastisch. Römische Fürsten besitzen Stammbäume, die auf Fabius Maximus Cunctator und andere Heiden des republikanischen Rom zurückgehen; sie haben denselben Kuriositätswert wie der davidische Stammbaum des Hauses Bagration, das übrigens mit zwei wirklichen königlichen Dynastien, der früh erloschenen armenischen und der georgischen, die mit Georg XIII im Jahre 1801 endete, verwandt ist. Aus dieser stammte auch König David IL, der Erneuerer (1125), der die Grenzen seiner Herrschaft bis nach Kleinasien vortrug. Das Yölkergemisch im Kaukasus hat die ethnographischen Merkmale der einzelnen Stämme und Nationen vielfach vermischt: der jüdische Einschlag ist aber jedenfalls sehr gering. W. Dci Zionismus und die Mischehe. Die „Zeitschrift lür Statistik und Demographie der Juden" Berlin bringt folgende hochbedeutsame Daten über die Entwicklung der Mischehen, welche zwischen Juden und Nichtjuden im Deutschen Reiche während der ersten 13 Jahre des 20. Jahrhunderts abgeschlossen wurden : Während noch 1S01 auf 100 Eheschliessungen zwischen Juden nur 16*97 Mischehen entfielen, stieg ihr Hundertsatz von Jahr zu Jahr, bis er 1913 nicht weniger als 30 98 erreichte. Das heisst, dass 1913 in Deutschland von 100 heiratenden Juden oder Jüdinnen mehr als 15 eine Mischehe abgeschlossen. Dass diese Entwicklung nicht bloss lokal ist und auch noch weit ärger ausarten kann zeigen die Tabellen in Dr. Teihabers noch immer zu wenig gewürdigtem Werk „Der Untergang der Deutschen Juden". Danach entfielen z. B. in Dänemark 1901/5 auf 100 reinjüdische Ehen bereits 96 05 Mischehen! Diese Daten müssen selbst den gleich giltigsten Juden, wenn ihm nur irgend etwas an der Erhaltung des jüdischen Volkstums gelegen ist, zum Nachdenken, zur Einkehr und zum Entschluss der Abwehr aufrütteln. Der inner österreichische Distrikstag vom Jänner 1914 hat wohl einen Antrag auf Ausschluss jener Zionisten, die eine Mischehe eingehen, mit knapper Mehrheit abgelehnt (!) und sich mit «iner Entschliessung begnügt, durch welche die Schädlichkeit der Mischehe den Zionisten eingeschärft wird. Seither aber hat — angesichts der steigenden Gefahr — zuerst der einflussreiche „Verband Jüdischer Studenten" in Deutschland und neuerdings der 16. Delegiertentag des Niederländischen Zionistenbundes am 27. v. M. in Nymwagen nach heftiger Debatte mit 38 gegen 34 Stimmen beschlossen, dass den Mitglieder ihrer Vereinigungen bei sonstigem Ausschluss das Eingehen von Mischehen verboten werde. Diese brennende Frage, deren Behandlung sich als verheissungsvoller Anfang planmässiger jüdischer Populationspolitik darstellt, wird nicht mehr von der Tagesordnung der zionistischen Delegiertentage verschwinden, ehe auch der Kongress Stellung genommen hat. Dr. Egon Zweig.