Archiv für jüdische Familienforschung, Kunstgeschichte und Museumswesen
- Journal
- Archiv für jüdische Familienforschung, Kunstgeschichte und Museumswesen
- Volume
- 2 (1916)
- Issue
- 1-3 (1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 47 (sequence 47)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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11 Sven Hedin über seine Abstammung:. Dr. Adolt Kohut, dessen vor etwa anderhalb Jahrzehnten erschienenes zweibändiges illustriertes Werk „Berühmte israelitische Männer und Frauen in der Kulturgeschichte der Menschheit" demnächst in zweiter Auflage herauskommen soll, hatte sich an Sven Hedin mit der Anfrage gewandt, ob die in die Presse gelangte Mitteilung, dass er ron Juden abstamme, zutreffend sei. In diesem Falle bäte er ihn um einige autobiographische Daten für die Neuauflage. Sven Hedin antwortete mit folgendem in deutscher Sprache abgefassten Brief: Ich danke bestens für Ihren freundlichem Brief. Meine väterlichen Vorfahren sind seit 300 Jahren (länger kenne ich nicht meine Genealogie) schwedische Bauern und Priester und Merzte gewesen und haben keinen Tropfen-, israelitischen Blutes. Der Urgrossvater meiner Mutter soll dagegen Jude gewesen sein, wovon ich jedoch keine 'genaue Nachricht besitze. Er soll aus Deutsehland eingewandert sein und hiess Berlin. Er wohnte irgendwo in Südschweden, Malmö, glaube ich, und hat siclT taufen lassen. Da ich also nicht Jude bin, kann ich auch nicht zu den „Berühmten israelitischen Männern und Frauen" gezählt werden. Ich hege aber die grösste Bewunderung für die Juden und Lfür das Grosse und Schöne, was sie geleistet haben." Der Bassentypus des Abgeordneten Dr. Artur Mahler. Anlässlich der Wiederkehr des Todestages von Dr. Artur Mahler, des frühverblichenen Volksführers und Gelehrten, sei an eine Notiz der Politisch-Antropologischen Kevue (1907, Nr. 5) erinnert, die nebst manchem, dem wir nicht beipflichten können, eine ausserordentlich treffliche Charakteristik von Dr. Mahlers Kassentypus enthält: National jüdische Abgeordnete. Da alle Parteien im Wioner Reichsrat, mit Ausnahrae der Sozialdemokratie, seit Jahren national differenziert sind, so wollten auch die in Galizien und Bukowina lebenden Ostjuden nicht zurückstehen und sie haben auch tatsächlich vier Abgeordnete durchgesetzt. Die zionistische Wochenschrift „Die Welt" (1907, Nr. 24) veröffentlicht ihre Bildnisse und die „Jüdische Zeitschrift" bringt ihre Lebensgeschichte. Auf den ersten Blick sieht man, dass der eine der vier Abgeordneten, Privatdozent Dr. A. Mahler. einen ganz anderen Typus darstellt als die drei anderen. Er hat ein langes, schmales Gesicht, eine hohe Stirn und die edlen, geraden Züge westeuropäischer Geistesführer. Tatsächlich ist er auch gar nicht Ostjude. Er ist in Prag geboren, hat in London studiert, war in Rom Professor der Archäologie und ist erst seit wenigen Jahren mit der zionistischen Gedankenwelt in Berührun. gekommen. Beiner Idealismus macht ihn zum Zionisten. Ganz anders die drei anderen: Dr. Straucher, Advokat in Czernowitz Dr. Gabel, Advokat im Lemberg und Adolf Stand ebenda. Diese stehen also inmitten der zionistischen Volksbewegung. Ihren Gesichtszügen nach sind sie durchaus keine Idealisten, sondern reine Interessenvertreter. Stand und Gabel haben die hethitische Nase und sind im übrigen Mischlinge, Stand wahrscheinlich mit der mittelländischen, Gabel mit der blonden Rasse. Straucher zeigt keine hethitischen Züge, sondern das unproportionierte Gemisch aller möglichen Rassen. Man sieht aus diesen vier Bildnissen, dass sie die alte. Erfahrung bestätigen, dass die Wortführer einer Rassenbewegung durchaus nicht Vertreter oder doch nicht reinblütige Vertreter dieser Rasse zu sein brauchen. A. K -H. Museumswesen. (Verein für jüdische Altertumskunde in Wilna.) Eine Gesellschaft der Liebhaber des jüdischen Altertums hat sich in Wilna gebildet. Sie hat sich das Ziel gesetzt, im „litauischen Jerusalem" ein gesamt-jüdisches Museum zu'gründen und hat bereits damit begonnen, Denkmäler der jüdischen Archäologie, Ethnologie und Kunst, wie auch Quellenwerke und andere Literatur zu sammeln. Ausserdem bemüht sich die Gesellschaft um die Konservierung und Restaurierung wichtiger altjüdiscber Denkmäler.