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Archiv für jüdische Familienforschung, Kunstgeschichte und Museumswesen · 1916-01-01 · 1-3 (1916) · p. Seite 4

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Journal
Archiv für jüdische Familienforschung, Kunstgeschichte und Museumswesen
Volume
2 (1916)
Issue
1-3 (1916)
Date
1916-01-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 Der Realbesitz der Bewohner des Schlossberges und der Gegend an der Donau, die sich um den Friedhof ausbreitet, ist in unserer Liste nicht ausgewiesen, da es sich um eine aligemeine von allen Hausvätern zu entrichtende Duldungssteuer an die Grundherrschaft und nicht um den Zinsdienst der Häuser handelt. Und so sind wir nicht in der Lage, einen Blick in die Behausungen dieser Viertel zu werfen, um auf die Lebenshaltung ihrer Bewohner Schlüsse ziehen zu können. Dass aber die durchschnittliche Lage keine rosige war, ersehen wir aus dem amtlichen Vermerk über die schwere Einbringlichkeit der Steuer. Aus der Verwendung von Dienstkräften in manchem Haushalte kann man nur schwerlich verlässliche Schlüsse ziehen. Denn abgesehen von der damaligen auch im Verhältnisse billigen Entlohnung sind die famuli und in manchem Falle auch die ancillae als Hilfskräfte für das Geschäft und als Hausmeister, Hausdiener und dergleichen mehr anzusprechen. Gleichwohl sind auch diese Angaben bei der Behandlung des Einzelnen von Wert. Grössere Betriebe, wie man sie etwa für diese Oertlichkeit voraussetzen würde, fehlen ganz. Das Lieferungsgeschäft ist bloss durch 54 vertreten, hingegen sind 1 2 4 gewesene Lieferanten. Zur Manufaktur gehören 24 31 58 59 60 75 76 87 88. Einen Handel in Pelzwaren betreibt 16. Nächst Kleinkram in Gewürzen scheint 95 auf einen grösseren Handel in dieser Branche hinzuweisen. Auffallend erscheint für diese Zeit ein Handel bloss in Papier (20), vielleicht also ein en-gros-Handel. Branntweinerzeuger sind 49 53 und 83, Bierschänker 79, Weinschänker 25. Geflügelmast betreibt 10. Bäcker ist 44. Der Barbier ist 45. 11 ist Siegelstecher, Goldschmied 80. In Wiener Häusern sind beschäftigt 13 17 43 101 111, in der Wiener Hofbibliothek 15. In Gemeindediensten stehen in erster Linie die Rabbiner 78 und J22, von denen wir aber den ersten als blossen Rabbinatsbeisitzer anzusehen haben. Ebenso kennen wir 102, allerdings aus späterer Zeit als den Notar und auch Dajjan der Gemeinde, Präceptor ist vielleicht hier Lehrer an der höheren Talmudschule. In Diensten der Gemeinde stehen weiters 46 115 116 117 120 121*) 123. Den Beruf eines Kantors in der Gemeinde üben aus 8 14 und 118**), in anderen Orten 103 und 104. Schächter ist 119. 6 ist Schreiber (als freier Beruf). Den Elementarunterricht erteilen 51 100 106 107 (ausserdem die 13 praeeeptores in den einzelnen Häusern). Die sogenannten unproduktiven Berufe, die im Dienste der Gemeinde und der öffentlichen Erziehung, bilden demnach den sechsten Teil sämtlicher Haushaltungen. Von Almosen leben in der Gemeinde 34 65 74 und zum Teil 69. Keinen oder keinen festen Beruf haben 1 3 4 5 19 26 28 67 70 92 96. Daraus ist keinesfalls auf Mangel an Betriebskapital oder gar auf das Gegenteil, *) Campanator communitatis „Glöckner der Gemeinde" (!) ist wohl der Schulklopfer. Der Ausdruck in diesem Sinne auch für die ältere Zeit nachweisbar. Vgl. ABRAHAMS, Jewish Life 56. n. 2. **) Was bedeutet „in Synagoga Judaica Kamperiana"?

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