Archiv für jüdische Familienforschung, Kunstgeschichte und Museumswesen
- Journal
- Archiv für jüdische Familienforschung, Kunstgeschichte und Museumswesen
- Volume
- 1 (1912-1913)
- Issue
- 4, 5 und 6 (1913)
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 36 (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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86 der ehrwürdigen Frau Frad, nach Mainz, wo ich mich zum zweiten Male eine Woche lang aufhielt, worauf ich mit dem Schiff nach Bingen fuhr, dann nach Bacharach, Caub, wo ich bei meinem Verwandten wohnte, dann nach Neuwied, Bonn, und dort sah ich die Sommerresidenz des Kurfürsten, auch der Kurfürst sprach leutselig mit mir. Und ich kam nach Düsseldorf, schlief eine Nacht im Hause meines Vaters und reiste dann im Wagen über Rheinberg nach Cleve und übernachtete im Hause des angesehenen R. Feiwelmann, Sohn des R. Benedict Nymwegen (Philipp, Sohn des Benedict Gomperz), und auch seine Schwester, Frau Simelie. wohnte damals bei ihrem Bruder R. Feiwelmann. Von dort fuhr ich nach Nymwegen und ich wollte meine missliche Lage niemandem enthüllen, ausser dem Sohne des R. Benedict Nymwegen, seligen Angedenkens.7) Und ich reiste wieder nach Amsterdam, wohnte in einem Gasthof und wollte meine Lage niemandem aufdecken. Meine Absicht war, nach England zu gehen, aber ich hatte nicht Geld genug, um diese Reiseroute durchzuführen. So fuhr ich denn mit einem Schiffe nach Hamburg hinüber und kam nach Altona. Dort ging ich zu meinem Verwandten, dem angesehenen Josef Cohen- Düren, entdeckte ihm meine Lage und er ging mit mir zu meiner Verwandten, der züchtigen Frau Channa, seligen Angedenkens. Ehefrau des R; Wolf Scheier, bei welcher auch ihre Schwester weilte, meine Verwandte, die Jungfrau Ester aus Wien, beide Töchter meines Oheims R. Samuel. Sie erkannten mich und empfanden grossen Kummer meinetwegen und unterstützten mich, so dass ich nach England reisen konnte. Ich verbrachte mehr als zwanzig Tage auf dem Schiffe von Hamburg nach London und feierte das Neujahr des Jahres 5508 (1748) auf dem Meere. Und es kamen grosse Gefahren über uns und es erhoben sich furchtbare Stürme und ich kam nach Neujahr nach Gravesend. Da das Schiff leck geworden war, verliess ich es und ging an Land. Einen oder zwei Tage vor dem Versöhnungstag gelangte ich nach London, wo ich bei dem angesehenen, berühmten, gelehrten Wolf Berlin 8) einige Wochen wohnte (er war in Petersburg gewesen). Dieser wollte mich nach Holland schicken, aber damals hielt sich dort R. Nata London, seligen Angedenkens, auf, ein Schwiegersohn meines Oheims R. Liebmann Berlm {Friede sei mit ihm), der zu mir sprach: „Wozu dich mit unfruchtbaren Geschäften abgeben? Bleibe hierund ich will ein vornehmes Haus ausfindig machen!" Und er tat so. Und ich zog zur vornehmen Frau Röschen, Ehefrau des ehrwürdigen R. Moscheh Cleve Gomperz, der nach Indien gereist war. um ihren Sohn Meir zu unterrichten, und mit ihm zu lernen. Ich wohnte dort und lernte mit dem Jüngling den Abschnitt Joma und mehr als 50 Blatt vom Abschnitt Baba Kama. Ich tat sehr viel Busse und es sei Gottes Wille, dass sie in Wohl- 7) Durchstrichen : und er gab mir einige Goldstücke, um mit dem Schilfe fahren zu können. 8) Dessen Adresse lautet im Keisejournal Mr. Wolf Isaac de Liebmann.