Archiv für jüdische Familienforschung, Kunstgeschichte und Museumswesen
- Journal
- Archiv für jüdische Familienforschung, Kunstgeschichte und Museumswesen
- Volume
- 1 (1912-1913)
- Issue
- 4, 5 und 6 (1913)
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 35 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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kannte die Unmöglichkeit meiner Lage und dass in Amsterdam bei meinem Zustand nicht länger meines Bleibens war. Da ausserdem für die Hochzeit grosse Ausgaben nötig waren, kehrte ich auf dem Wege nach Nymwegen und Cleve zurück. Dort wollte der sehr angesehene Herr Bär Cleve Gomperz mir seine Tochter geben, aber ich hatte wirklich keine Ohren zu hören, noch Augen zu sehen, vor der Fülle meines Kummers, der mein Herz erfüllte; aber niemand kannte meine Lage. Und alle Tage meines Elends fand ich keinen Mann, wahrhaft oder überhaupt wert, mit ihm Freundsehaft zu schliessen, meine Geheimnisse ihm zu enthüllen oder einen Rat von ihm anzunehmen. Und ich kam vor dem 9. Ab nach Düsseldorf und wohnte dort ungefähr ein Jahr. Nach Pessach des Jahres 5507 (1747) erzürnte sich mein Vater über mich und verdächtigte mich grundlos. (Ich aber war nicht imstande, ^ine grundlose Beschuldigung zu ertragen, noch weniger, dass ein Mensch Hand an mich legte). Daher wurde ich von solchem Unmut erfüllt, dass ich wegen dieser Sache ein zweites Mal das Haus meines Vaters verliess, mit der Absicht, nach meiner Geburtsstadt Wien, zu meinem Onkel, dem sehr angesehenen Samuel Pressburg, zu reisen. So zog ich denn nach Deutz, von hier nach Bonn, von Bonn nach Koblenz, von Koblenz nach Mainz, wo ich einen Verwandten traf, den angesehenen Mordechai Jaffe4), und ich wohnte bei ihm ungefähr zwei Wochen. Hierauf reiste ich mit ihm und seinem Schwager, dem angesehenen R. Seligmann nach der Gemeinde Frankfurt am Main, am Tage der Messe, am 7. Ijar 5507 (1747). Ich kaufte für R. Mordechai ein Winterkleid, einen grossen Pelz für Frauen und rastete bloss zwei Tage. Dann reiste ich in Gesellschaft der ehrwürdigen, züchtigen Frau Breindel mit dem Schiff nach Mildenburg (?), hierauf über Land nach einem Ort namens Bischisa (?), wo wir den heiligen Sabbath über verweilten. Am Sabbathausgang brachen wir auf, den Weg nach Rotenburg einschlagend und gelangten bis Ansbach, wo ich bei meinem Onkel R. Jechiel Pressburg eine Nacht verbrachte, worauf ich mit seinem Sohne, meinem Schwager R. Löb, nach Krailsheim ging zu seinem Weibe, meiner Schwester, der züchtigen und ehrwürdigen Channa. Von Krailsheim kehrten wir alle zurück und ich wohnte einige Wochen bei Oheim und Schwager. In eben der Zeit heiratete mein Oheim zum dritten Male, und zwar die gelehrte, weise, ehrwürdige Kröndel6), Tochter des verstorbenen, frommen, berühmten, in der Thora bewanderten Löb Mochiach 6) aus Wien. Sie alle, insbeonderes meine Verwandte Vogel, die Frau des Herrn Meir Nymwegen-Gomperz, erzählten mir solche Dinge aus Wien, dass ich mich entschloss, meine Absicht zu ändern und nach England, nach London, zu reisen. Ich zog von Ansbach nach Wertheim, von da nach Frankfurt, von Frankfurt reiste ich in Gesellschaft meiner Verwandten, *) Marcus Jafe Schlesinger. *) Sie war die Schwester des berühmten Gelehrten R. Jesaja Berlin-Pik. •) Sohn des sabbatianischen Wanderpredigers Mordechai Mochiach.