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Archiv für jüdische Familienforschung, Kunstgeschichte und Museumswesen · 1913-01-01 · 4, 5 und 6 (1913) · p. Seite 34

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Journal
Archiv für jüdische Familienforschung, Kunstgeschichte und Museumswesen
Volume
1 (1912-1913)
Issue
4, 5 und 6 (1913)
Date
1913-01-01
Page
Seite 34 (sequence 34)
Language
German
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vergüten. Unter uns herrschte grosse Freude darüber, dass meine Mutter, seligen Angedenkens, in Frieden in ihr Haus zurückgekehrt war. Ich war umsomehr erfreut, als sie mich mit einer Jungfrau aus Mannheim, der Tochter eines dortigen angesehenen Mannes, verheiraten wollte. Die Heirat war sehr passend, da sie die Tochter eines gelehrten Mannes war und auch ihr Vater ihr 10.000 Gulden Mitgift geben wollte; aber durch meine vielen Sünden verwandelte sich plötzlich die ganze Freude in Trauer und Kummer, und von dieser Zeit an kam Schlag auf Schlag, Unglück auf Unglück über uns. Nachdem meine ehrwürdige Mutter, seligen Angedenkens, ungefähr acht Tage vor Pessach des Jahres 5501 (1741) in ihr Haus zurückgekehrt war, traf uns in dem Uebermass der Freude der Zauber eines bösen Auges; da sank sie aufs Krankenlager und am 8. Ijar 5501 fiel die Krone unseres Hauptes und es ward finster die Welt um uns. Darum weine ich, weine um meine hin weggeraffte Mutter, die Ehrwürdige und Züchtige, Friede sei mit ihr. Sie ging an den Ort der Ruhe, uns aber liess sie zurück, in Sorge, Trauer und Kummer, und von diesem Tage wurden stark die Nöte über uns. Noch immer gab uns die Regierung nicht, was der Fürst versprochen, abgesehen von den anderen Schäden, von denen mein ehrwürdiger Vater betroffen wurde, bis wegen der Fülle meines Elends die Verhältnisse nicht mehr danach waren, an eine Heirat zu denken. Im Jahre 5502 (1742) übernahm mein ehrwürdiger Vater einen andern Geschäftsauftrag vom Fürsten und ich widmete mich ganz dem Lieferungsgeschäft und war sehr angestrengt. Diese Jahre gingen vorüber und die Arbeit, die ich während dieser Zeit verrichtete, ist nicht wert, aufgezeichnet zu werden. Und ich bekenne wieder und bereue aus vollem Herzen jede Verletzung der Thora und alle andern Taten und alle bösen Gelüste, denen ich gefolgt und die ich gefühlt in jenen Zeiten, und siehe, ich kehre um in voller Bussfertigkeit und nehme mir vor, nicht mehr zu sündigen. Ich betrieb während dieser Zeit auch ein Geschäft mit Lottozetteln, aber ich hatte nicht den geringsten Gewinn. In jenen Jahren empfing ich Briefe von vielen vornehmen Personen aus Holland, welche mit mir Korrespondenz führen wollten. Im Jahre 5505 (1745) ging ich vor dem Schewuothfeste in die Stadt Aachen, wo warme Bäder wie in Tiberias sind, um die Schwäche meines Fusses zu heilen, welche mir von meiner Krankheit zurückgeblieben war; noch immer spüre ich einen Rest der Krankheit, denn die Heilwirkung versagte bei meinem kranken Fusse und ich war in grosser Not. Von dort ging ich über Maastricht nach Brabant und sah eine schöne Landschaft. Ich w^r in Brüssel und Antwerpen und von dort zog ich nach Rotterdam und sah das ganze Land Holland. Mehrere Wochen hindurch wohnte ich in Amsterdam und kaufte von meinem Verwandten, dem Gelehrten und Weisen, dem Dajan von Amsterdam, Josef, seligen Angedenkens, um 45 Goldstücke Bücher. Auch diesmal hatte ich Gelegenheit zu heiraten, und zwar eine ganz junge Witwe mit einem Vermögen von mehr als 10.000 Gulden. Ich aber in meinem Elend er-

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