Archiv für jüdische Familienforschung, Kunstgeschichte und Museumswesen
- Journal
- Archiv für jüdische Familienforschung, Kunstgeschichte und Museumswesen
- Volume
- 1 (1912-1913)
- Issue
- 4, 5 und 6 (1913)
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 31 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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31 -wahllosen Anhäufung von minderwertigen Stücken führt, da hierdurch die Mittel für wertvollere Anschaffungen geschwächt werden und das Museum zu einem Raritäten- und Reliquien k abinett wird. Das Wiener Museum ist eines der ältesten Institute und verfügt auch über mehr Mittel als die meisten anderen Vereine. Die jetzige Aufstellung in dem Schulgebäude in der Malzgasse zeigt eine erstaunliche Vielseitigkeit und Reichhaltigkeit und bietet einen guten Einblick in das jüdische Kulturleben früherer Zeiten. Fast sämtliche Arten von Kultusgeräten sind in schönen Exemplaren vertreten, einige Handschriften und Münzen, Grabsteine und ikonographische Dokumente ergänzen das Gesamtbild. Es wäre nur sehr zu wünschen, daß der jetzige Bestand bald in einem sachgemäßen Katalog, der mit Illustrationen der hervorragendsten Stücke ausgestattet wäre, veröffentlicht würde. Leider macht sich in dem Wiener Museum die Schattenseite des Übereifers im Sammeln stark bemerkbar. Man könnte durch Entfernung mancher Stücke eine vorteilhaftere Aufstellung erzielen und der Gefahr der Überfüllung begegnen. Um -einige Beispiele anzuführen: Wozu die vielen Adressen an Ritter von Goldschmidt? Die Pfeife, aus der Salomon Sulzer eine halbe Stunde vor seinem Ableben rauchte, die Brille des Rabbiner Mannheimer, die Schreibf eder, die die „Concordia" dem verdienten Kompert überreichte, — das sind sicher alles Reliquien, die aufgehoben zu werden verdienen, aber in einem Museum von Rang nicht ihren geeigneten Platz haben. Das sogenannte Wiener Zimmer bedarf der gründlichsten Revision, zumal «s als erster Raum das frische Interesse des Besuchers in Anspruch nimmt. So hätten die nichtssagenden Grab malm odelle aus jüngster Zeit, sowie die beschädigten Modelle des Schächtens und der Tahara zu verschwinden. Unter den vielen Reproduktionen, die den Gang füllen, befinden sich Stücke italienischer Meister, die nur wegen der biblischen Motive hier sind, aber wohl kaum die Berechtigung haben, zwischen guten Originalen zu prangen, die infolgedessen nicht genügend hervortreten. Ich hebe absichtlich diese Punkte so hervor, nicht etwa um zu rügen und im vorwurfsvollen Tone zu tadeln, sondern in der Hoffnung, daß die verdienstvolle Leitung gerne eine offene Aussprache eines Mannes entgegennimmt, dem die Bestrebungen des Vereines so sehr am Herzen liegen, daß er seinen Veranstaltungen in den Augen aller, auch der kritischesten Besucher, den besten Eindruck wünscht. Das Museum, das so segensvoll wirkt, wird sicherlich durch weitere Erwerbungen bald einen grösseren Ausstellungsraum bedürfen und in weiteren Kreisen bekannt werden. Mögen aber die Veranstalter sich stets bewußt bleiben, daß nur eine strenge Selbstkritik und ein Vorführen einwandfreier Stücke das Niveau bestimmt, daß die Qualität, nicht Quantität, ^ausschlaggebend ist. Berlin. Karl Schwarz. Aus S. D. Luzzatto's Ahnensaal. Von Dr. J. Z oller, Triest. Um die Hälfte des XVIII. Jahrhunderts ändert die ursprünglich frialuische Familie Cormons ihren Namen in Loli, unter welchem Namen (Loli, Lolli, Loly) sie bis auf heute fortlebt. Unter welchen Umständen hat sich diese Aenderung vollzogen? Dies ist heute und wird wahrscheinlich lange noch unbekannt bleiben. Von einem Samuel Cormons berichtet S. D. Luzzatto1), er sei aus seiner Heimat, dem Friaul, nach dem heiligen Lande ausgewandert, l) S. D. L., Autobiografia, Padova 1878, S. 44.