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Archiv für jüdische Familienforschung, Kunstgeschichte und Museumswesen · 1913-01-01 · 4, 5 und 6 (1913) · p. Seite 26

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Journal
Archiv für jüdische Familienforschung, Kunstgeschichte und Museumswesen
Volume
1 (1912-1913)
Issue
4, 5 und 6 (1913)
Date
1913-01-01
Page
Seite 26 (sequence 26)
Language
German
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Familien der einstigen Marannen zu verstehen seien. Aber ich stellte mich unwissend und frug den Gastgeber: „Wie kommt es nun, dass Sie selbst zugeben, dass der Mann, von dem hier die Rede ist, Christ und Mitglied einer alten adeligen Familie ist, und dennoch machen Sie bei der ersten besten Gelegenheit beinahe unbewusst und aus purer Gewohnheit einen Unterschied zwischen ihm und den übrigen Portugiesen, indem Sie einfach erklären, dass der betreffende Jude sei. Ich möchte doch gerne wissen, worin dieser Unterschied eigentlich besteht?" Der Gefragte war durch diese Frage sichtlich in Verlegenheit und antwortete dann: „Ich hatte niemals die Absicht, die Neuchristen zu beleidigen. Mich würde es auch nicht stören, wenn sie offiziell wieder Juden würden. Wir hier in Portugal haben die Zeiten der schrecklichen Inquisitionsmorde bereits überwunden. Wir bieten alles auf, um die Erinnerung an diesen Schandfleck zu verwischen. Aber Tatsache ist es doch, dass wir unter uns zahlreiche neuchristliche Familien haben, die in manchen Städten die Mehrzahl der Bewohner ausmachen und ich weiss es aus eigener Erfahrung, dass sie in manchen Städten noch vor dreissig Jahren manche jüdische Sitten hielten und jüdische Gebete verrichteten. Sie verschwägern sich auch nur miteinander. Manchmal wollen sie sich nicht mit den Christen verschwägern und ein andermal wieder wollen die christlichen Familien ihre Tochter nicht einem „Juden" geben. Aber im allgemeinen sind sie wie wir selbst tüchtige, fähige Menschen, die sich bereits assimiliert haben, sich für Christen halten, aber dabei genau wissen, dass sie von Juden abstammen." Bei dieser Gelegenheit bestätigte Herr B. S. auch, dass es ganze portugiesische Inseln gibt, deren sämtliche europäische Einwohner von Marannen abstammen. Diese sind sich auch dessen bewusst und ergreifen gerne jede Gelegenheit, arme Juden, die auf die Insel kommen, tatkräftig zu unterstützen. Diese Unterredung gab mir viel zu denken, und ich beschloss, einen bekannten Gelehrten und Kolonialpolitiker, der auch in dem itoistischen Angolaprojekt eine wichtige, öffentlich noch nicht bekannte Rolle gespielt hat, zu besuchen und mit ihm über diese Frage zu sprechen. Dieser Mann empfing mich mit einer bitteren Klage über die Juden, die es nicht verstehen wollen, mit welcher Anhänglichkeit er an dem Zustandekommen des Angolagesetzes mitgearbeitet hat. Er warf den Juden Unverständnis vor, die das Gute nicht akzeptieren wollen. Seiner Meinung nach ist Angola für eine jüdische, sowie für eine allgemeine Kolonisation sehr geeignet. Ich konnte mich nun nicht länger zurückhalten und warf die Frage ein: „Ich möchte doch gerne wissen, weshalb Sie sich so sehr für das Projekt einsetzen und immer von den Vorteilen sprechen, welche eine

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