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Archiv für jüdische Familienforschung, Kunstgeschichte und Museumswesen · 1913-01-01 · 4, 5 und 6 (1913) · p. Seite 23

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Journal
Archiv für jüdische Familienforschung, Kunstgeschichte und Museumswesen
Volume
1 (1912-1913)
Issue
4, 5 und 6 (1913)
Date
1913-01-01
Page
Seite 23 (sequence 23)
Language
German
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2$ Geburtenrückgang bei den Juden Deutschlands sei keine für diese spezifische Erscheinung, er trete in demselben Maße auch bei der Gesamtbevölkerung auf. Das ist in der Tat richtig, und Presse und Parlament haben sich ja vor gar nicht langer Zeit recht ausführlich über dieses für das deutsche Wirtschaftsleben bedeutsame Problem ausgesprochen. Aber man darf doch, wenn man den Rückgang der Geburten unter den Juden mit dem bei der Gesamtbevölkerung in Parallele setzt, eines nicht vergessen; dem jüdischen Bevölkerungselement fehlt vollständig eine Schicht, die durch ihren auch heute noch fortdauernden Kinderreichtum das Minus an Geburten in den oberen und mittleren Ständen immer wieder ausgleicht, das Proletariat, die Arbeiterklasse. Sie ist bei den Juden der kleinen und mittleren Städte überhaupt nicht vorhanden, und wenn in den großen Städten wirklich eine grössere Anzahl von Juden lebt, die nach ihrer sozialen und materiellen Lage zum Proletariat zu zählen ist, so rekrutiert sie sich fast ausnahmslos aus Ausländern, also aus Menschen, die für die Eigenentwicklung der deutschen Judenheit nicht mitgerechnet werden können. Woher soll also bei den Juden, die nur Oberschicht und Mittelstand sind, der Ausgleich für das Minus an Geburten kommen? Theilhaber stellt daher auch am Schlüsse seiner Studie der Zukunft der deutschen Juden eine überaus pessimistische Prognose, und ich gestehe, daß ich, nachdem ich unsere 3 Stammbäume bearbeitet hatte, die längste Zeit der gleichen Anschauung wie er war. Schließlich aber kam ich doch zu einem anderen Resultat. Ich sage nur: alle geschichtliche Entwicklung vollzieht sich nicht geradlinig, sondern in Form einer Wellenbewegung. Perioden des Rationalismus und Materialismus sind in der Geschichte immer noch solche des Idealismus gefolgt. Warum sollte es im deutschen Judentum anders sein müssen, warum sollte nicht dem Zeitalter des religiösen und nationalen Tndifferentismus ein anderes folgen können, in dem die deutschen Juden des Wertes ihrer Rasse wieder bewußt, von neuem den Anschluß an ihre religiöse und nationale Gemeinschaft finden und für deren Erhaltung freudig die Opfer bringen werden, die in einer physisch und psychisch gesunden Gemeinschaft von jedem einzelnen noch immer gebracht worden sind? Physisch uad psychisch wieder gesund zu werden, das scheint mir demnach die Forderung zu sein, die wir als Ergebnis unserer statistischen Untersuchung an die deutschen Juden stellen müssen. An ihr werden weder diejenigen vorübergehen dürfen, die in der Wiederbelebung der jüdischen Religion die Zukunft des Judentums sehen, noch auch diejenigen, welche alles Heil der Zukunft von der Schaffung eines nationalen jüdischen Gemeinwesens und der nationalen Konsolidierung der Juden in der Zerstreuung erhoffen, noch endlich diejenigen, welche der restlosen Eingliederung der Juden in die sie umgebenden Völker das Wort reden. Denn, um nur von dieser letzten Klasse zu sprechen, — bei den beiden anderen versteht sich das Streben nach Erhaltung eines gesunden, lebenskräftigen Menschenschlages von selbst — keinem Volke wird die Vermischung mit einer Bevölkerungsgruppe erwünscht sein, an deren Mark der Wurm der physischen und psychischen Degeneration frißt! Eine illuminierte Kremser Kethubah aus dem Jahre 1392. Die Hofbibliothek in Wien besitzt unter der Signatur Cod. hebr. 218 vier von zwei Einbänden abgelöste Fragmente einer Kethubah aus dem Jahre 5152 (=1391/2). Der Ortsname, von dessen erstem Buchstaben im Original noch ein Rest wahrgenommen werden kann, ist Krems. Ich gebe hier die verkleinerte Abbildung der beiden obern, je ca. 21X29 cm grossen Fragmente. Herrn Dr. Ignaz Schwarz verdanke ich die Mitteilung, daß sich in ungedruckten Wiener Quellen 1381—1398 ein Schalom, Sohn des Tröstl (= Menachem), aus der Familie der Walich,

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