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Archiv für jüdische Familienforschung, Kunstgeschichte und Museumswesen · 1913-01-01 · 2 und 3 (1913) · p. Seite 21

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Journal
Archiv für jüdische Familienforschung, Kunstgeschichte und Museumswesen
Volume
1 (1912-1913)
Issue
2 und 3 (1913)
Date
1913-01-01
Page
Seite 21 (sequence 21)
Language
German
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21 Mo hei (Beschneide!*) war der angesehene und berühmte Mardechai Pösing aus Wien, der jetzt in Pressburg wohnt. Als ich ungefähr ein Jahr alt war, zogen meine Eltern mit mir von Wien nach Düsseldorf und ich danke ihnen für die Mühen, die sie meinetwegen erdulden mussten, wie ich vom Wagen fiel und ein Wagenrad über mich ging, doch als sie mich vom Erdboden aufhoben, fanden sie mich heil und ohne Schaden. So viel man mir von dieser Zeit erzählt hat, ist mir nichts geschehen, ausser ganz Geringfügiges. Als ich vier Jahre alt war, lernte ich schon den (Talmud) Abschnitt „Beza". Im Alter von acht Jahren hielt ich eine Rede bei der Einweihung einer Thorarolle, mein ehrwürdiger Vater, der Angesehene und Hochgeehrte, hatte sie samt dem dazugehörigen heiligen Schmuck der Synagoge geschenkt. Der Wert war mehr als 1000 Gulden. Von meinen Lehrern erinnere ich mich nur an den weisen und scharfsinnigen Lehrer;ius Polen, den ßaruch aus Posen, seligen x^ngedenkens, und an den berühmten und angesehenen Elia Chelm aus Lemberg sowie an meinen Verwandten, meinen ehrwürdigen Lehrer, den berühmten und angesehenen Abraham Frank, Schwiegersohn des Oberrabbiners von Koblenz *) bei Düsseldorf. Als ich zehn Jahre alt war, ging ich mit R. Abraham nach Mannheim, um auf der Talmud-Hochschule des grossen Lehrers R. Samuel Helman 2) zu lernen, und ich wohnte dort zwei Jahre, worauf ich in das Haus meines Vaters nach Düsseldorf zurückkehrte und ein Jahr lang lernte. Im Cheschwan des Jahres 5494 (1733) wurde ich Bar-mizwah (dreizehn Jahre alt) und meine Eltern veranstalteten ein grosses Festmahl am Sabbath; am Tage darauf zog ich nach der Gemeinde Frankfurt am Main und lernte ungefähr ein Jahr in der Talmud-Hochschule meines ehrwürdigen Lehrers und Rabbis, des grossen Gaons, des einzigen in seinem Geschlechte, Jaacob Cohen, seligen Angedenkens. Und ich lernte dort den Abschnitt Jewamoth bei meinem Lehrer und Rabbi, Lasi Heller aus Halberstadt. Ich wohnte dort, räumlich sehr beschränkt, obschon ich viel Geld dafür zahlte. Ich entschloss mich daher, von dort wegzuziehen, doch ich wollte meinen Quartiergeber, in dessen Hause ich wohnte, nicht beschämen und in das Haus eines andern ziehen, obwohl es viele gab, die mich umsonst in ihr Haus aufnehmen wollten. So gab ich denn meinem Hausherrn jede Woche mehr als drei Groschen und er gab mir ein grösseres Zimmer. Ich nahm Abschied von meinem Lehrer und Rabbi und er verschaffte mir Anschluss an einen Reisegenossen und gab mir seinen Segen auf den Weg. Auf sein (des Rabbi) Verdienst mich berufend, hoffe ich auf den Herrn, gepriesen sei er, dass er mich erretten wird von jeder Sünde und mich beschützen, dass ich meinem Schöpfer dienen kann nach seinem Willen, und wenn es jetzt in seiner Absicht liegt, den Tod empfange für die Heiligkeit seines grossen Namens. Und siehe, ich beichte und bereue alle meine bösen Lüste, die der böse Ratgeber in mein 1) Elieser Liepmann ben Isak Benjamin Wolf. 2) Vgl. Revue des etudes juives, XII, 289 ff.

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