Archiv für jüdische Familienforschung, Kunstgeschichte und Museumswesen
- Journal
- Archiv für jüdische Familienforschung, Kunstgeschichte und Museumswesen
- Volume
- 1 (1912-1913)
- Issue
- 2 und 3 (1913)
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 22 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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22 Herz eingenistet, dass sie nichtig und hinfällig seien und alle gegen meinen Willen. Siehe, ich kehre reuig zurück und suche unter Tränen Verzeihung wegen meiner Sünden, Fehltritte und Missetaten, die ich begangen vor dem König der Könige. Und ich veranstaltete ein Festmahl am Sabbath für die jungen Leute, die Schüler der Hochschule, und am Sonntag gab ich ein Mahl für die ganze Jugend der Stadt. Hierauf zog ich in Gesellschaft des angesehenen und gelehrten R. Jekel Nobel, Schwiegersohn der Rabbinerin von Rappeswir(?) (er war damals noch Junggeselle) nach Darmstadt, wo ich im Hause des angesehenen R. Israel Wiener ungefähr zwei Wochen lang wohnte. Dann reiste ich nach Mannheim und fand dort meine Grossmutter, seligen Angedenkens, auf dem Krankenbette. Sie war nämlich gefallen und hatte sich einen Beinbruch zugezogen, eine Krankheit, von der sie sich nicht anders erhob als befreit und erlöst von der Bürde dieses Lebens für immer, und zwar am 19. Elul des Jahres 5495 (1735). An diesem Tage kam mein ehrwürdiger Vater nach Mannheim. Zu dieser Zeit wütete ein grosser Krieg zwischen dem Kaiser und dem König von Frankreich wegen des Königreichs Polen. 10 000 Soldaten kamen aus Moskau dem Kaiser zu Hilfe und die ganze Kriegskasse befand sich in Händen meines ehrwürdigen Oheims, des angesehenen R. Samuel Pressburg aus Wien, der mit ihnen nach Heilbronn kam. Als mein Vater von seiner Ankunft hörte, reiste er ab (und er nahm auch mich mit), um ihn in Heilbronn zu treffen, worauf er mit uns und der ganzen Gesellschaft, nämlich meinem Herrn Oheim R. Jechiel Pressburg und seinem Sohne R. Isak 3)-Berlin und noch anderen nach Frankfurt am Main reiste und von dort nach Düsseldorf, um seine Schwester zu sehen, meine ehrwürdige und züchtige Mutter (Friede mit ihr). Wir kamen im Tebeth des Jahres 5496 nach Frankfurt und damals wünschte der angesehene Herr Elia Wohl, seligen Angedenkens, mir seine Tochter zu geben, samt einer Mitgift von 10.000 Gulden, doch mein Vater wollte es nicht und auch ich nicht, da ich in zu zartem Alter stand; ich zählte damals erst 14 Jahre. Als wir nach Düsseldorf zurückkehrten, brachten mein ehrwürdiger Vater und meine Oheime R. Samuel und R. Jechiel Pressburg eine Heirat zwischen meiner älteren Schwester Chan na und meinem Vetter, dem Jüngling R. L ö b, zustande. Ich fand in unserem Hause meinen Lehrer, den gelehrten R. Elia Chelm und ich lernte mit ihm den Abschnitt Joma und Sifsse Cohen zu Joreh Deah. Zur selben Zeit wollte ein angesehener Mann aus Düsseldorf mir seine Tochter geben, samt einer Mitgift von 10.000 Gulden und ich pflegte den Verkehr mit ihr sehr eifrig, da sie ausserdem verwandt war, und gedenke heute meiner Sünden, traurig, dass ich so viel Zeit vergeudet und mein Studium vernachlässigt habe, und auch meine Mutter war nicht einverstanden, da das Mädchen viel älter als 30 Jahre war. (Fortsetzung folgt.) 3) Kann unmöglich der Sohn Jechiel Pressburgs gewesen sein.