Archiv für jüdische Familienforschung, Kunstgeschichte und Museumswesen
- Journal
- Archiv für jüdische Familienforschung, Kunstgeschichte und Museumswesen
- Volume
- 1 (1912-1913)
- Issue
- 2 und 3 (1913)
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/8823644-8824829-8824835--027-8824677- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Aus inneren und äusseren Gründen konnte ich am angeführten Orte auf den Gegenstand nicht näher eingehen. Inzwischen stiess ich auf das hier zum Abdruck gelangende, auch menschlich nicht uninteressante Dokument, das auf die Deszendenz Abraham Wetzlars volles Licht wirft. Auffallen muss hiebei die Tatsache, wie es dem Hofagenten Wetzlar, dem erst 1769 das Privilegium zugestanden wurde, unter Christen wohnen zu dürfen2) — die Schranke für die anderen Juden fiel erst 1782 — rasch gelingt, mit den ersten Familien des Erbadels in intime Verwandschaftsverhältnisse zu treten. Man kann hier auch sehen, wie gross die Widerstandskraft der den alten Ueberlieferungen nicht mehr treuen reichen jüdischen Kreise in der josefinischen und der darauffolgenden Zeit doch noch immer sein musste, wenn sie den Verlockungen von aussen standhalten konnte. Ueber die Persönlichkeit Karl Abraham Wetzlars ist nur wenig Sicheres festgestellt. Zunächst drängen sich die Fragen auf: Woher und weshalb kam dieser Mann nach Wien. Wurzbach3) weiss zu berichten, dass Wetzlar während der Regierungsjahre Leopolds I. als armer Knabe nach Wien kam. Als später das Edikt erschien (1670?), welches die Juden aus den Erblanden verwies, verschwand auch er aus Wien, um nach einem Dezennium als reicher Mann dahin zurückzukehren. Da Wetzlar 1799 starb4), müsste er hienach, selbst wenn wir das fragliche Edikt in das letzte Dezennium des 17. Jahrhunderts versetzen, eine Lebensdauer von über 100 Jahre erlangt haben. Die Herkunft übergeht Wurzbach ganz. Indes liegt die Vermutung nahe, den Stamm der Wetzlar in Frankfurt am Main zu suchen, wo eine Familie dieses Namens seit dem 16. Jahrhundert nachweisbar ist. Vgl. Dietz, Stammbuch der Frankfurter Juden, S. 328, Nr. 598.5) Die Annahme gewinnt an Wahrscheinlichkeit, wenn wir Punkt 3 unseres Dokumentes und das von Horovitz mitgeteilte Grab- •Schriftfragment einer Tochter des Gumberich Wetzlar aus Hanau6) in Betracht ziehen. Zweifelhaft bleibt es, ob Karl Abraham Wetzlar mit jenem Abraham Wetzlar identisch ist, der in den Sechzigerjahren in Fürth lebte und einer der Geldgeber der im Jahre 1766 in Sulzbach begonnenen Talmudausgabe war.7) Dagegen spricht der Umstand, dass der Mäcen der Talmudausgabe erst seit 1767 in Wien wohnhaft erscheint,8) wogegenKarl Abraham Wetzlar nach Wurzbach 1. c. schon 1762 zum kaiserlichen Hofagenten ernannt wurde. *) Wolf, Geschichte der Juden in Wien, S. 73. 3) Biographisches Lexikon des Kaisertumes Oesterreich. Bd. 55, S. 191. *) Würzbach ah. 5) Inwieweit die von Dietz aufgezählten Zweige einem Stamme entsprossen, müssten erst untersucht werden. Die Angabe ״levitische Abstammung* bei Dietz, die zunächst dagegen spricht, ist ein Irrtum, da ״Levi“ Vorname ist, wie aus Horovitz, Frankfurter Inschriften, S. 15, Nr. 170 ן S. 42, Nr. 425 hervorgeht. 6) 1. c. S. 663, Nr. 5562. 7) Vgl. Babbinowicz, Maaamar S. 106; Weinberg, Die hebräischen Druckereien iu Sulzbach, S. 70, n. 3, und S. 144, Nr. 241. 8) Vgl. Löwenstein, Zur Geschichte der Juden in Fürth II, S. 64, n. 1. Auf dem Titelblatt des Traktates Zebachun, den ich zu sehen Gelegenheit hatte, heisst es von w.התוקע את אהלו פעה בודן