Archiv für jüdische Familienforschung, Kunstgeschichte und Museumswesen
- Journal
- Archiv für jüdische Familienforschung, Kunstgeschichte und Museumswesen
- Volume
- 1 (1912-1913)
- Issue
- 1 (1912)
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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— 6 — Jenes Judaisieren ist mit der modernen „Los-von-Rom-Bewegung" am besten zu vergleichen. Nur vereinzelt, wie Palache, waren diese Ketzer früher Juden gewesen. Siebt man die Heiligen Judas in einer katholischen Kirche, die Tänze vor der Arche Noahs in der Kathedrale von Sevilla, die Mischung alt- und neutestamentlicher Bräuche im kirchlichen Leben der beiden Völker, die überdies dem semitischen Typus so ähneln, so liegen gewisse Schlüsse nahe. . . Auch hören die Juden Amsterdams nicht gern von ihrer christlichen Abstammung. Indessen sind Sie einer der ersten, der klar hervorhebt, was geschichtlich richtig ist, daß z. B. Teixeira ursprünglich nicht dem Judentum angehörte Wie mir aus den Hamburger Akten klar geworden ist, hat sich der Hamburger Senat nicht bestimmt darüber ausdrücken wollen, weil, wenn Teixeiras ursprüngliches Christentum erwiesen worden wäre, sein Uebertritt die bösesten Folgen hätte zeitigen können, Diego Teixeira hat sich in Antwerpen, einer religiös damals schon von der spanischen Inquisition gauz unabhängigen Stadt, am 26. Oktober 1618 in der St. Georgs Kirche mit Donna Bianca de Andrada verheiratet. Sie war die Tochter des Edelmannes Rodri^'o de Andrada und der Donna Maria de Evora v Vesrn, «-> <J O 7 Kusine bzw. eines Geschwister Kinder der Ximenes und der de Vega y Evora. Diese sind seit 1603 Barone, später Marquis de Kodes in Brabant, sodann mit Turn und Taxis und vielen anderen verwandt. Francisco Rodrigo de Evora ist Zeuge der Trauung des D. Diego. Zu diesen Zeugen gehörten u a. auch Duarte und Manoel Ximenes. Ihr Bruder Goncalo hat sich in Antwerpen mit Maria van Heeckeren vermählt. Andere Brüder finden wir in Florenz verheiratet. Auch unter jenen Evora y Vegas waren zahlreiche judaisierende Elemente, obgleich noch 1598 ihr Vater Ruy Lopes de Evora als Edelmann „de geragaö" bei der Stiftung einer Kapelle angeführt wird und mit Erlaubnis des Papstes seit 1587 den weiteren Namen Peretti führte, der übrigens auch den Ximenes gestattet war, ohne daß sie ihn geführt zu haben scheinen, während sie sich nach einzelnen Familienmitgliedern „de ArragaÖ" genannt haben. Gerade umgekehrt, wie der Senat annimmt, hat sich Diego Teixeira durch die judaisierende Tendenz der Familie seiner Frau, der in Antwerpen lebenden Ximenes und Evora, zum Judaismus führen lassen. Ein Inquisitionsakt vom 9. April 1618 — Confessaö de Manoel de Tavora, Christaö velho, filho de Luis Cabral de Tavora, bekennt ganz offen, wie die „Ley de Moyses" weit und breit als die einzige sichere Rettung der Seelen betrachtet wurde und, („que Fidalgos se circumcidaraö") wie viele Adlige sich in dieser festen Ueberzeugung beschneiden ließen. War doch nach einem von Baiao im Arch. histor. Portug. III publizierten Akt (vgl. Herculano, Histor. da origin. et Estabelic. da Inquis. III 198) am 4. Januar 1538