Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1844
- Issue
- 51 (21.12.1844)
- Date
- 1844-12-21
- Page
- Seite 206 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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ד20 * Eltern größter Schmuck sind ihre Kinder ibü1)־ in diesem Schmuck die schönste Perle mir, Isaak wird den reichen Werth erkennen. — gehe hin, mein Kind, ihn' zu beglücken, /Vaters schönster, wärmster Segen ist mit Dir; wirst Du einst, wie mir's der Herr verheißen, n treues Ebenbild zur Erde schicken, ־ in mag auch sie mit ihrem Josef glücklich sein, m mag der Herr sie segnen wie ich Dich jetzt segne. 4,(Er legt die Hände auf Rebekka's Haupt und betet leise.) j? Michael, sifeo Vater segnend sich zu ihren Kindern neigen, Äda werden Engel gern die Kniee beugen, Wenn sie auch Angesichts den, Ew'gen selbst begegnen, /So ist's doch göttlich auch, wenn Eltern Kinder segnen. kbie vier Engel kniecn in einem Halbkreise um Betuel u. Rebekka. l^Das Orchester spielt ein sanftes Finale und der Vor^ang^ftillt.) pifhU und Schattenbilder aus Prag*) I. Der Abschied des Dr. M. Sachs. Sonnabend, den 5. Oktober bestieg Hr. Dr. Sachs, Prediger am hiesigen israelitischen Bethause, zum letzten Male die Rednerbühne, um an die zahlreich versammelte Menge sein Abschsidswort zu richten. Wir können nicht umhin, bei dieser in das geistige und religiöse Leben der hie- ' gm Gemeinde so tief eingreifenden Veranlassung einige Worte der Anerkennung über das Wirken und Streben dieses wür-! dizm Mannes der Oeffentlichkeit zu übergeben. Hr. Dr. S.! "wollte, zwar bei diesem feinem letzten Erfcheinen auf der from- ' men Stätte keineswegs sein glänzendes Rednertalent und! die eminenten Gaben seines Geistes, seine umfassende Gelehrsamkeit und das tiefe Eindringen in die heiligen Schätze der Schrift beurkunden; nichts deftoweniger war diese Rede rin Muster von Beredtsamkeit und gewiß eine der. schönsten Perlen in dem Angebinde, das er wahrend seiner achtjährigen /hrenvollen Bekleidung des Predigeramtes seinen begeisterten Zuhörern gewunden; er hat seinen Namen in das Herz der Menge eiugeschrieben, und wie er unvergeßlich der Gemeinde durch sein Wirken ist, so unvergeßlich ist er ihr durch sein Abgehen geworden. Jetzt erst, nachdem Hr. Dr. S. über sein Streben so wie über seine Gesinnung eine kleine ״Auskunft" gab, fühlt man es um so lebhafter, daß der Verlust dieses Mannes unersetzlich ist. Er war nicht ״der bezahlte Diener irgend einer Partei," er huldigte nicht Schwächen und laxen Grundsätzen, das krankhafte Zucken der oberflächsichen Geister beirrte ihn nicht in dem ruhigen Forschen nach dem Lichte der Wahrheit; — und wenn das Aufkeimen / *) Die Schilderung der Licht - und Schattenseiten großer jäd. Gemeinden ist immer interessant, wenn auch einzelne Züge des be- ‘י Wen Gemeindelebens durch andere Blatter bekannt werden, e brkgens hat uns der Verfasser dieses Artikels versprochen, bald eine detaillirte zusammenhängende Schilderung der jüdisch-prager Verhältnisse zu geben. Aehnliche Licht- und Schattenbilder aus ,roßen Gemeinden würden uns willkommen sein. Die Red. und Reiferwerden des geistigen Lebens in der Gemeinde eines der schönsten und glänzendsten Resultate seiner Wirksamkeit waren, so ist doch die Beharrlichkeit, womit er die Wahrheit 'aufsuchte und vertheidigte, so wie die Reinheit und unantaslbare Lauterkeit der Gesinnung, mit der er das Gute erfaßte und beförderte, eine der herrlichen Seiten dieses eben so liebenswürdigen wie geistreichen Mannes. An dieser felsenfesten Gesinnung ist auch der Neid gescheitert, wenn er sein Verdienst zu verkleinern suchte, und die Bosheit mußte verstummen, wenn sie seine Motive zu verdächtigen wagte. Demgemäß ging sein Streben dahin, den wahren Geist, wie er in den gesunden und Hellen Quellen des Atterthums fließt und aus unsrer Vergangenheit zu uns spricht, im Judenthum zu erhalten, die Gemeinde zu geistigem Leben und Streben zu führen, und die Gemüther der Einzelnen zur Förderung des Guten zu bestimmen. Wir hoffen, daß die edle Saat Früchte getragen hat, und zum Theile noch tragen wird. Die Stimmung, in die Hr. Dr. S. die Menge versetzte, als er zu ihr sprach, die tiefe Rührung, denn ״da war kein Auge thränenleer," die tragische Wirkung des Momentes, möchte ich sagen, beweist sattsam, wie theuec er ihr-war, und wie heilig sie das Andenken an einen Mann bewahren werde, dem sie ihr Bestes, ihr Heiligstes, den. Frieden ihrer Seele, verdankt. Es verdient hier noch erwähnt zu werden, daß Hr. Dr. S. über das Maaß seiner Kräfte wohlthätig war. Den Bedrängten und Armen kam er, so weit ffein Einfluß und seine eigenen Mittel es möglich machten, bereitwillig zu Hilfe, und er dürfte nichts mit sich nehmen, als den Segen der ganzen Gemeinde und die Thränen der Armen. Möge der gütige Gott dem Scheidenden seinen Segen angedeihen lassen und ihm Kraft verleihen, daß er die schweren Lasten seines Berufes ertrage, und zum Heile des ganzen Judenthumes noch lange wirke! Der Talmud. Es haben sich in neuester Zeit Stimmen gegen denTaD mud erhoben, die am wenigsten dazu berechtigt waren. Ein Weiteres darüber uns für das nächste Jahr vorbehaltend, wollen wir jetzt unfern Lesern die Worte des seligen Prof. Hur- Witz (über den Ursprung, den Geist und Werth des Talmuds) mittheilen: In der That läßt sich die Handlungsweise solcher Verlaumder des Talmuds blos mit dem Benehmen eines Mannes vergleichen, der in einen großen Garten Einlaß fand, aber statt sich mit dessen mannigfaltigen Schönheiten zu beschäftigen nur absichtlich herumging, und sich bemühte, hier jedes werthlose Kieselsteinchen, jede gewelkte Frucht, jedes schädliche Kraut zu sammeln. Wenn er sich mit so viel Auskehrig, als er fortbringen konnte, beladen hat, kehrt er zum Herrn des Gartens und ruft spottend: schaut mal Herr, schaut mal die köstlichen Dinge, welche euer Garten tragt!