Mannheim
Compact Memory

Sabbath-Blatt · 1844-12-21 · 51 (21.12.1844) · p. Seite 207

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Sabbath-Blatt
Volume
1844
Issue
51 (21.12.1844)
Date
1844-12-21
Page
Seite 207 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/8620046-8637379-8640927--662-8620573
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

208 M׳ Würde nicht der Eigenthümer ihm mit Recht erwiedern können: mein Freund; wohl ist es wahr, daß Unkraut in meinem Garten wachst, denn in welchem Garten, den Menschenhände pflanzen, wachst dieses nicht. Allein ich beneide Euch wahrlich nicht um dm Geschmack, der Euch unter so vielen und mancherlei Früchten und Blumen nur solche zu bemerken bestimmt; vorausgesetzt, daß sie das in der That waren, was ihr Euch darunter vorstellt. Dies ist aber keineswegs der Fall. In dieser Pflanze hier, welche Euer zu eiliges nichts unterscheidendes Vorurtheil für Unkraut genommen hat, ist eine verborgene Tugend, die freilich nicht jedem einleuchtet, der sie sieht. Diese Frucht ist dem Scheine nach verwelkt. Aber nehmt nur die äußere Schale weg, und ihr ,findet einen köstlichen Kern darin. Diese Kiesel bedürfen Origer Politur und dann wird ihr eigenthümlicher Glanzgleich zum Vorschein kommen. Lese -Zimmer. Jerusalem und Nom. *) Ein tragikomisches Ereigniß zeigt die׳ ungeheure Kluft zwischen den Kindern Israels im Orient und den emancipationslustigen oder gar güterkaufenden Juden in Europa. Zwei jüdische Gelehrte haben große Geldsammlungen unter ihren Glaubensgenossen in Europa veranstaltet, um den Juden in Jerusalem Spitaler und Schulen zu bauen.^ Die Kinder des gelobten Landes atzer, in ihrer Einfalt, fürchten die europäischen Wohlthaten und der Rabbi von Jerusalem hat, in der Angstseiner Seele, einen Bannstrahl gegen die zwei gelehrten Geldsammler erlassen. Ist das nicht wie eine Parodie auf die gewaltsamen theologischen Kampfe in unserer civilisirten Welt? Dieser Bannstrahl, von dem Niemand spricht, an den Niemand denkt, der so spurlos perweht und Nrschallt, zwischen den Donnerkeilen, die , aus und nach Rom geschleudert werden! Mancher lacht wohl über den armen einfältigen Rabbi von Jerusalem und seinen ohnmächtigen Bannstrahl. Und doch, hat nicht Rom oft wegen kleinerer Dinge seine prahlenden Donner losgelassen % Rom sehe nur nicht zu stolz herab auf die Ruinen Jerusalem's, auf die Stadt des Erlösers, die dem verblaßten weltlichen Purpur der ewigen Stadt einst neuen Glanz geben mußte. Es kann die Zeit kommen, wo Rom und Jerusalem gleich ohnmächtige Schwestern sind. ״) Aus dem ״Grenzboten." T W ׳ Vermischte Nachrichten. M. G. Saphir sagt in seinem ..Humoristen" von dem edl sei. To des ko: ,,Ein segensreicher Baum stand er da, reich Früchten, in seinem Gezweigc baute die Armuth ihr schützend Nest, unter seinen vielbelaubten Aesten fand der Obdachlose Kü lung und Schatten, an seinen Früchten labten sich die Hungrig und Dürftigen, er hat von seinen goldnen Aepfeln viele geworf in die Hand der Armuth, in den Schooß der Wohlthätigkeit. D ser Baum ist entblättert im Mittage seines Wachsthums, dies Baum wurde gefallt, als seine Sonne noch hoch stand in seine Wipfelpunktc! Und die blühenden, trauernden Sprößlinge dieses e len Baumes, und alle die Armen, die heimisch waren in seine Schutze, und alle Hcißbedrängten, die Schatten fanden unter seine Blatterdache, und all' die Dürftigen und Nothlerdenden, die sich g labt an seinen Früchten, stehen trauernd, tiefbetrübt, mit gesenkte Haupte, mit in Wehmuth schwimmenden Herzen um ihn, und ft, nen sein Andenken und sein Dasein, welches war eine Quelle vc Trost und Nahrung, und Hilfe und Rettung für 'viel Lausende i! Leben!" — Dieser edle Mann war in seinem Testamente originel Das Erbe der Kinder richtet sich nämlich nach dem Grade d> Fähigkeiten und desÄZoh lthätigkeitssinnes derselben. Selb die letzte Stunde seines Lebens war der Wohlthätigkeit gewidmet — Dr. Adler ist Hannover ist zum Rabbiner in Londo desinitiv gewählt worden. Nach mehren Zeitungen soll in Londo ein Collegium Rabbinicum, nach dem Muster desjenigen zu Pc dua, errichtet werden. Mvntesiore und Rothschild sollen an d! Spitze stehen. Prag dürfte auch schon an die Errichtung des läng erwarteten Kollegiums gehen! — DieFormel des Ju'deneide6 i Braun schweig beginnt mit-den Worten: -s-.Brv dem Ewige, meinem Gotte, schwöre ich ohne Vorbehalt oder Ausflucht in Aus Dichtigkeit des Herzens," und schließt mit den Worten. ״So wah mir Gott helfe und sein hestiges Wort," wobei de Schwörend mit bedecktem Haupte die rechte Hand auf den 7. Vers im 2( Kapitel des zweiten Buches Moses legt. Außergerichtliche Eide, »v> der Erbhuldigungs-, Bürgereid rc. schließen mit der Formel: ״S wahr mir- Gott helfe und sein heiliges Wort." — Bei Monasc und Sohn in Krotoschin erscheint eine Oktav-Ausgabe alle Midraschim mit einem dazu gehörigen Wörterbuche, Nominalun geographischem Index. Wir haben eine Probe gesehen, die typo graphisch schön war. Bemerkungen. Hrn. L. S. in P—g: Ihr Wunsch ist erfüllt. Drückfchiä können nicht nachgetragen werden, da die Verbesserung nach einen länger», Zwischenraum wenig fruchtet. Historischen Beiträge; gebe ich stets den Vorzug. — Hrn. N. N.: Das Schreiben all! Jerusalem ist mir nicht zugekommen. Eine metrisch-gereimrs Uebertragung der Sprüche, welche Dukes in seiner ״rabbinische« Blumenlese" gesammelt, wird mir auch von einer andern Hand willkommen sein. . Die Redaktion. Verantwortlicher Verleger C. L. Fritzsche in Leipzig. Druck von I. H. Nagel in Leipzig.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.