Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1844
- Issue
- 51 (21.12.1844)
- Date
- 1844-12-21
- Page
- Seite 202 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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202 Doch, lieber Vater, magst Du selbst entscheiden. — Es war in einer Nacht, und hat seitdem die Sonne Wohl sieben Mal den jungen Lag begrüßt, Da träumte mir: ich sei in einer großen Halle; Hier sah ich eine Menge Volks, In stiller Andacht einem Manne lauschend, Der kühn und kräftig heil'ge Worte sprach Von Gott und seinen wunderbaren Werken. Noch seh' ich ihn, den frommen Mann, Mit seinem hohen Wuchs und edlen Zügen, Worin sich Biederkeit und Lreue paarten, Und der in Allem ganz dem Bilde glich, Das Du von Isaak mir entworfen. Doch etwas, lieber Vater, fiel mir seltsam auf, Des Mannes Tracht war nicht die Deine, Als ob sie einem andern Volk und einer andern Zeit gehörte. Auch fehlte ihm der Bart, Der Schmuck der Männer uns'res Landes; — Doch weit entfernt, sein männlich Aussehn zu vermindern, Gewann sein Antlitz nur dadurch an milder Güte, Und ließ mich glauben fast, er sei der Engel Einer, Die, eifrig horchend, ihm zur Seite standen. — Da flüsterten die Engel leise, doch für mich vernehmlich: ״Wie herrlich spricht der fromme Joses von dem höchsten Gotte, ״Wie glücklich wird er sein mit Ribka, seiner Gattin!" Entzückt vernahm mein Ohr Der heil'gen Engel hohen Ausspruch. »Mein Herz erbebte von Gefühlen nie geahnten Glücks, Und wunderbar zog's mich zu Josef hin, Au meinem Josef, den die Engel mir verhießen. O Vater, sprich! was mußte ich empfinden, Als Du den Gatten mir geschildert, Der ganz genau dem Mann im Traume glich? Doch Ekseskälte machte meine Adern starren, AlS Du ihn Isaak nanntest und nicht Josef; Denn ach! so hat der Traum, Der heil'ge, schöne Traum mich nur getäuscht. - B e t u e l. Die Träume täuschen selten, gutes Kind! Der Ew'ge spricht durch sie zum Menschen, Zu warnen, oder Gutes zu verheißen. — Ist unser ird'scher Körper fest vom Schlaf besangen, Dann tritt die Seele, ihrer Fesseln ledig Auf Augenblicke mit des Himmels Geistern in Berührung. Was Du im Traum gesehn, ist unklar meinem Blicke Und fremd klingt meinem Ohr Der niegehörte Name Joses! — Vergebens forsche ich Die dunkle Weisung zu ergründen! — Von Oben sind die Träume uns gesandt, Von Oben kann auch nur die Deutung kommen. Jetzt, meine Tochter, führe mich zu meiner Kammer, Die Stunde des Gebets ist nahe. — Du magst dann einsam hier mit Deinem Herzen Dich berathen; — Denn was die Träume in der Einsamkeit verkünden, Dazu läßt Einsamkeit gar oft die Schlüssel finden. (Er geht ab. — Sie geleitet ihren Vater zur Thüre und kehrt in den Vordergrund zurück.) Zweiter Auftritt. Rebekka (allein). Der gute Vater! Thränen sind geflossen Von seiner Wange, die so bleich und hohl. — So ist's denn wahr! der Himmel hat's beschlossen — Rebekka geht — sie sagt Euch Lebewohl! — Sie sind vorbei, die gold'nen Kinderträume, Sie bleiben hier, wo meine Wiege stand, Des Hauses Plätze, seine stillen Räume, Der Garten, wo ich meine Kränze band. ,1 Getrennt zu sein, noch kann ich's gar nicht fassen, Von Allem, was dem Herzen theuer war. Soll ich die gute Mutter nun verlassen, Den alten Vater mit dem Silberhaar? Ein neues Leben wird für mich beginnen, Des Himmels Wille machte mich zur Braut, — Doch werd' ich bei dem Wechsel auch gewinnen? O ganz gewiß! mein Herz pocht stürmisch laut. Den ernsten Schritt, ich würd' ihn nimmer wagen Wenn kalt das Herz zum ew'gen Bunde schweigt, Das mein'ge klopft, als wollt' es deutlich sagen: Rebekka hat ihr schönstes Glück erreicht. Ich ahne schon das selige Entzücken, Das eine inn're Stimme mir verspricht! Ach! könnt' ich meinen Gatten erst erblicken! Doch •— Isaak ist's, — und — Josef ist es nicht! Ach, Ewiger! Du allerhöchstes Wesen! Du nur allein kannst mir das Räthsel lösen, v*. Das ängstlich meine bange Brust beklemmt! (Man hört eine leise Musik.) Doch ha! wer ist's der durch den Garten kömmt? Ich traue meinen Auge» kaum! — Mir scheint's ein Engel aus dem Traum! Ach wo verberg' ich mich? er kömmt zu mir! Wär' doch dn gute Vater hier. Ich möchte flieh'n, mich bangt hier zn verweilen, Ich werde schnell zum lieben Vater eilen. (Sie will entfliehen, der Erzengel Michael tritt ihr entgegen.) (Beschluß folgt.) litt KaLser Josef H. Dieser unsterbliche Monarch war ein klar und hellsehender Vater seiner Unlerthanen. ״Toleranz" war die leuchtende Inschrift seiner Krone. Was er den Juden in Oesterreich gewesen, das fühlen diese heute noch. Der Name Josef II. ertönt heute noch aus dem Munde der zahlreichen Juden in Oesterreich wie der eines schirmenden und schützenden Engels. Alle Vorrechte haben unsere Glaubensgenossen in Oesterreich diesem weisen und toleranten Gesetzgeber zu danken. Wer einen Blick in Josef's edles Herz werfen, wer ihn in seiner And .cht belauschen will, der lese folgendes ״Toleranzgebet aus dem Gebetbuch Kaiser Josef's II.," welches das Fr. I. veröffentlichte. Vor seinem Gotte die geheimsten Falten seines Innern öffnend, erklärt er die wahre Toleranz als sein Glaubensbekenntnkß. Doch wir wollen das Gebet selbst den Lesern, besonders denen in Oesterreich, mittheilen: ״Ewiges, unbegreifliches Wesen! Du bist ganz Duldung und Liebe — Deine Sonne scheint dem Christen wie dem Gottesläugner — Dein Regen befruchtet die Felder des Irrenden wie jene des Rechtgläubigen, und der Keim zu jeder Tugend liegt auch in dem Herzen der Heiden und Ketzer. Du lehrst mich also ewiges Wesen: Duldung und Liebe.— lehrst mich, daß Verschiedenheit der Meinungen Dich nicht