Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1844
- Issue
- 50 (14.12.1844)
- Date
- 1844-12-14
- Page
- Seite 198 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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198 So sprich, mein Vater, wird der fremde Mann Durch meine Hand auch wirklich glücklich werden? Betuel. Du bist von Gott mit Herzensschatzen reich beglückt, Und wer von Gott beglückt, kann And're glücklich machen. Wie sollt' der Mann, dem Du zu eigen wirst, Wie sollt' er sich nicht innigst glücklich preisen? Der mutterlos verwais't Schon lange nach der Gattin seufzt, Daß sie mit zartem Trost die Thränen stille, Die der Berblich'nen oft noch fließen; — Denn nur die Gattin, die selbst Mutter ist, Kann für die hingeschiedne Mutter trösten. — Und der Verwais'te wird zum Mann, zum Vater. O, meine Tochter, wenn Du ahnen könntest Wie herrlich das Gefühl des Vaters ist! Die Schmerzen der Vergangenheit erbleichen im Gefühl der Seligkeit! Als Vater tauscht er nimmer mit dem König, Als Vater steht er höher als der Priester! Der Gottheit selbst steht er am nächsten Weil Gott doch unser Aller Vater ist. — Und diese Wonne, diese Seligkeit, mein holdes Kind! Verdankt.er Dir allein. — Nun, glaubst Du ferner noch, Daß er durch Dich nicht glücklich werde? Rebekka. Aus Deinem Munde,-edler Vater, kam stets Wahrheit, Du wirst auch heut' Dein armes Kind nicht täuschen. Doch, guter Vater, bangt mich vor der Trennung! Ach, warum muß der Gatte denn so ferne wohnen? Darf nicht im Heimathland ein braver Mann der Tochter Hand begehren? — Betuel. Mein Kind, blick׳ nur hinauf zum Abendhimmel, Zahllose kleine Sterne decken dichtgedrängt den großen Raum; Doch sieh' das größere, das leuchtende Gestirn, Das hat der Ewige ganz einzeln hie und da am weiten Firmament zerstreut. — Also geschkeht's auch hier auf Erden, Der große Haufen nur wohnt eng zusammen; Doch will das leuchtende Gestirn zum Bunde sich die Hände reichen, Dann muß die Ferne sie zusammenführen. — So wird noch manche Ribka in ganz späten Zeiten In ihres Gatten ferne Heimath zieh'n, Noch manche Eltern zwiefach Thränen weinen, Ach! Freudenthränen und auch Kummerthränen; Denn herbe ist's, von Kindern sich zu trennen. Rebekka. Das ist's mein Vater, was mich beben macht; Ich werde glücklich sein, mir sagts mein ahnend Herz. ' Wie aber kann ich meines Glückes mich erfreu'n, Wenn sich die lieben Eltern ach! im Leid verzehren? Be tu el. O sprich nicht weiter, meine Ribka! Du tastest unbewußt an meine schwächste Seite! Hier kann ich keine Stärke heucheln, Hier bin ich schwach, wie alle Väter sind. — Gleich Perlen in des Meeres Grund, Sind uns're Kinder tief in uns're Herzen einqewachsen. Wer sie uns nimmt, der tauchtin uns're Brust, in unser Blut, Und eineFluth der bittersten Gefühle dringt .in die leere,, tobte Lücke. Nicht ferner mehr wcrd' ich Dein liebes Antlitz schau'n. Dich nicht, wie eben noch belehren können, - Und stehe ach! verwais't als Vater, wie als Lehrer. — Doch schweige, kummervolles Herz! Wie darf ich trauern, daß der Herr'Dich auserkor — Vcrgieb, mein edles Kind, dem alten Vater diese Schwäche! O sieh' mich an, ich weine schon nicht mehr. Ich bin getröstet, weil mir wohl bewußt, Daß Du, mein holdes, theures Kind, so glücklich wirft. Rebekka. Recht so, mein lieber Vater! Du darfst nicht ferner traurig sein Und mir den Schritt erschweren, Den Du als Gottes Wille mir geschildert hast. Auch werd' ich, fern von Dir, gar öfters Kunde schicken, Und welche Freude wird's für Ribka sein, Wenn von dem Gatten ihr gestattet wird Die guten Eltern zu besuchen. — Doch jetzt, mein guter Vater laß mich wissen, Wie sieht er aus, der mich zum Weibe nimmt? Wie ist sein Name, wo die Stätte seiner Wohnung? Ist er recht männlich, wohlgebildet? Kann er, wie Du, so freundlich aus den Augen blicken? Und seine Stimme auch — Zst sie so sanft, so herzig, wie die Deine? Dies Alles - guter Vater, mußt Du mir erzählen. (Fortsetzung folgt.) Beobachtung mosaischer Gesetze bei den uestorianischen Christen. (Beschluß.) Der Tag des Herrn wird bei den Gebikgsstämmen heiliger gefeiert als bei irgend andern Christen des Orients. Bei mehrern Gelegenheiten sagten mir die Nestorianer in der Ebene, ihre Brüder im Gebirge würden einen Menschen ohne weiteres tobten, der am Sonntage reiste oder arbeitete. Daß dieses in früherer Zeit aüch wirklich geschehen sei, ist hinlänglich erwiesen, obschon es jetzt nicht mehr geschehen würde. Man versicherte mich, daß sich in Tijari noch Nestorianer finden, welche am Sabbat oder Sonntag kein Feuer anzünden zum Kochen der Speise; sie thun es nur, von der Strenge des Winters gezwungen, zu Erhaltung der nochgen Wärme. Bei denen in der Ebene, welche nicht unabhängig sind, wird der Tag des 'Herrn vielfach entweiht. Die Nestorianer kennen auch den Rüst tag, oder die Vorbereitung auf den Sabbat, indem nämlich drei Stunden vor Sonnenuntergang am Sonnabend alle Arbeit aufhören soll, ausgenommen was nochwendig vorher geschehen muß, um für den folgenden Tag gänzliche Stille zu haben. Doch ist dieser Gebrauch zum Theil außer Uebung gekommen. Die Abtheilung der Kirche, welche das Heiligt hum heißt, wird von den Nestorianern ebenso in Ehren gehalten, wie das ״Heilige" in dem alten israelitischen Tempel. Der ehrw. Eli Schmith, wo er von den Kirchen der Nestorianer spricht, erzählt: ״Ich bemerkte, daß eine Thür in, das Heiligthum führte, und wollte eintreten. Der Bischof gebot mir aber in würdig festem Tone, stille zu stehen. Ich sagte ihm, ich sei auch Priester; er erwiederte mir ׳aber, hier dürfe Niemand ohne vorhergegangenes Fasten eintreten und legte dabei so vielen Ernst in feinen Ausdruck, daß ich von meinem Vorhaben abstand." Niemand als nur die ordinirten Geistlichen dürfen diesen heiligen Raum betreten; ehe