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Sabbath-Blatt · 1844-12-07 · 49 (7.12.1844) · p. Seite 194

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Journal
Sabbath-Blatt
Volume
1844
Issue
49 (7.12.1844)
Date
1844-12-07
Page
Seite 194 (sequence 2)
Language
German
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194 O Gott; was ist der Mensch? ' Ein welkes Blatt! ״ Wenn du ihn in die Schale legst, Er flög' empor — ein Hauch — wenn du ihn wägst! Das Herz ihm füllt Der Lüge Drang, stets ungestillt. Willst seine Schuld du ahnen, Dich an ihn mahnen? Er schwindet hin, wie eine Wolke fleucht, Und Nebel weicht. D'rum schon' und sei voll Liebe Nach deiner Huld, und nicht nach ihrem Sündentriebe. Beobachtung mosaischer Gesetze bei den nestorianischen Christen. Dc. A. Grant giebt in seinen ״Reisen durch das alte Assyrien, Armenien, Medien und Mesopotamien *)'׳ folgende Schilderung über den in der Ueberschrift bezeichneten Punkt: ״Es ist hinlänglich bekannt, daß die Juden, welche an Christus gläubig wurden, fortfuhren, das mosaische Gesetz zu beobachten, insoferne sie dadurch mit ihrem christlichen Bekenntnisse sich nicht in Widerspruch gesetzt sahen; ebenso bekannt ist, daß dieses gesetzliche Joch den Bekehrten aus dem Heidenthum nie ist aufgelegt worden; finden wir daher bei den nestorianischen Christen die besondern Sitten und Gebräuche der Juden noch in Ausübung, so sind wir vollkommen berechtigt, ihre israelitische Abkunft als erwiesen anzusehen. Freilich darf man nicht nach Vorschriften des jüdischen Gesetzes fragen, die mit dem christlichen Glauben geradewegs unvereinbar sind. Dahin rechnen wir zuerst die Opfer, soferne durch dieselben Versöhnung der Shnde erzielt wurde. Daß Christus an seinem eigenen Leibe ein Sühnopfer dargebracht hat für die Sünde seines Volkes und zwar ein Opfer ״einmal, das ewiglich gilt," ist ein Grundstein des christlichen Glaubens. Die Fortsetzung levitischer Sünd- und Schuldopfer würde dccher eine Läugnung der durch Christus geschehenen Versöhnung in sich fassen und kann unter Christen nimmermehr erwartet werden. Das Gesetz Mose's schreibt aber auch noch andere Opfer vor, welche in keiner Beziehung stehen zu der Vergebung der Sünde. Diese Opfer können auch noch von Christen dargebracht werden, und es ist dieses wirklich der Fall bei den Nestorianern. Während sie Christus als den erkennen, der ״mit einem Opfer in Ewigkeit vollendet hat, die da geheiliget werden," fahren sie immer *) Dieser Reifende behauptet, daß die nestorianischen Christen Abkömmlinge der zehn nach Assyrien geführten Stämme sind. Die nestorianischen Christen heißen übrigens auch: B eni Israel, Nazaräer, Syrer (oder S yriani), Chaldäer undN estorianer. Gegen die Juden — welche ebenfalls Ueberreste der 10 Stämme fein sollen — die in ihrer Umgebung leben, sind die Nestorianer feindselig gesinnt, so daß sie nicht einmal Brod mit denselben essen wollen. Die Red. noch fort, nach jüdischer Vorschrift, jene andere Art von Opfern zu bringen, die Dankopfer. ״Das DarKopfer" — sagt Ccuden — ״geschah, um Gott für Woblthaten zu danken, oder um seine Gnade zu erflehen; oft auch aus defonderm Antrieb des Herzens, oder überhaupt Gott zu Lob und Ehre. Die Israeliten konnten es zu jeder Zeit darbringen; auch waren sie durch kein Gesetz zu Dankopfern verpflichtet. Eben so stand ihnen die Wahl des Opferthieres frei, nur mußte dasselbe ein gesetzlich reines, für den Opserdienst erlaubtes sein. Ueber das Alter oder Geschlecht der Thiere fand keine Bestimmung statt, wie dieß dagegen bei den Brandopfern und Sühn: opfern der Fall war. Das Gesetz verlangte nur, daß das Opfer ״ ohne Wandel" sei. 3 Mos. 3: Der Opfernde brachte es zu dem Eingang der Stiftshütte, legte seine Hand auf das Haupt des Thiers und schlachtete es. Die Brust und Schulter gehörte dem dienstthuenden Priester; alles übrige blieb dem Darbringer des Opfers und er konnte es mit seinen Hausgenossen und Freunden verzehren, wie eine andere Mahlzeit." Nur mußte das Fleisch am ersten oder spätestens dem zweiten Tage aufgegessen werden. Diese Schilderung paßt in jeder Beziehung ganz genau auf die Opfer der Nestorianer. Sie werden gewöhnlich gebracht, um Gott für seine Wohlthäten zu danken, oder neue Gnade bei ihm zu suchen, z. B. bei der Genesung kranker Angehöriger, oder um die eigene Wiederherstellung aus Krankheit zu erlangen. Das Thier wird dann gewöhnlich vor der Kirchenthüre geschlachtet, wobei oft ein wenig des Blutes an die Thüre oder die Oberschwelle gestrichen wird. Die rechte Schulter und die Brust gehören dem dienstthuenden Priester der Kirche. Das Fell des Opferthiers fallt auch dem Priester zu, wie bei den Bcandopfern vorgeschrieben war 3 Mos. 7, 8. Bisweilen nehmen alle Anwesenden an der Mahlzeit Theil und dann wird das Opfer zu einer allgemein wohlthatigen Gabe, oft aber essen nur diejenigen das Opfer, welche es dargebracht haben, mit Zuziehung einiger; nähern Freunde. In einigen Fällen wird das Thier vor der Thüre des Opfernden geschlachtet und in jedes Haus des Dorfes eine Portion Fleisch gesendet; doch geschieht das Opfer in dieser Art meist nur als Erfüllung eines besondern, - darauf bezüglichen Gelübdes. Gewöhnlich wird das Opfer am gleichen Tage aufgegessen, wo es geschlachtet worden, doch kam mir ein Beispiel vor in dem Hause des Patriarchen, wo es erst am Abend des zweiten Tages vollends verzehrt wurde, mit dem ausdrücklichen Bemerken, es müsse Alles gegessen werden. Dagegen kommt daT Sprengen des Bluts auf den Altar'und das Verbrennen des Fetts u. s. w. nicht vor; wie es denn auch die Juden in Urumiah und in andern Ländern nicht thun. — Auch für ausgezeichnete Verstorbene bringen die Nestorianer bisweilen Opfer, wobei sie sich auf das Beispiel Juda's des Makkabäers (2 Makk. 12, 43.) berufen. Diese Opfer werden von den Nestorianern selbst als Ueberreste ihres frühem israelitischen Gottesdienstes betrachtet.

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