Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1844
- Issue
- 48 (30.11.1844)
- Date
- 1844-11-30
- Page
- Seite 190 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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190 das für das Vaterland und den Nebenmenschen schlägt, der Much, der den schwebenden Gefahren sich entgegensetzt, Mächen einen vollkommenen Krieger. Ein fühlendes Herz wird denIuden also nicht zugetraut, Much und Aufopferung .scheint man bei ihnen zu vermissen. Schlagen wir aber das Geschichtsbuch der Juden auf und unsere feigen Feinde, die-den Juden für eine Memme halten, müssen beschämt zurücklreren. ״ Seit den entferntesten Zeiten wurde der Israelit als Krieger geachtet; Abraham, Josua, David, die Familien der Makkabäer waren sowohl kluge als tapfere Feldherren. Die Kriege gegen die Jdumäer, Ammoniten, Galilaer, Römer und Araber haben die kriegerischen Eigenschaften der Söhne Israels gezeigt. 1,100,000 von ihnen kamen bei der Einnahme Jerusalems durch Titus um, und mehr als eine Million, mit dem Waffen in der Hand, verloren ihr Leben in den verschiedenen Empörungen wider hie Röwer. Der Thron Syrien's war oft auf die Israeliten gestüßt; die Perser haben zu wiederholten Malen die Macht ihrer Waffen empfunden, und Egypten zollte ihrer Tapferkeit Anerkennung, als Ptolemäus Philometor zum obersten Feldherrn der Ägyptischen Truppen, Onias, den Sohn eines jüdischen Hochpciesters ernannte. Die Israeliten haben rühmvoll in Macedonien unter Alexander gekämpft; während der Herrschaft von Pompejus, Casar und Antonius haben sie sich ehrenvoll unter die römischen Fahnen geschaart; später haben sie mit Erfolg Neapel gegen Belisax unterstützt, Burgys gegen Heinrich von Transtamara, Arles gegen die Westgothen und Böhmen gegen die Einfälle der Räuber; Portugal haben sie einen General *), England einen Commodoce 1 2), Deutschland, Italien und besonders Holland und Frankreich eine Menge Officiere 3) geliefert, -die sich in den Land- und Seekriegen auszeichneten. Trotz dem entwürdigenden Zustande, in den man, absichtlich, die polnischen Juden verfallen ließ, konnte man in ihnen nicht jenes kriegerische Feuer auslöschen, welches auf den Ruf des Vaterlandes und der Freiheit in Flammen geräth. Als in der polnischen Revolution 1831, ein, Polen schädliches Vorurtheil die Juden von den Reihen der Krieger ausschloß, rüsteten sie auf eigene Kosten einen Reiterccrps aus, welcher heldenmüthig unter denMauernWarschau's kämpfte, und derGeneral O st ro ws k i d!ückt sich über sie folgender Maaßen aus: ״Offt'ciere und Soldaten lassen einstimmig diesen Abkömmlingen des tapfern David Gerechtigkeit widerfahren." Schon 1794 kämpfte ein ganzer Corps jüdischer Freiwilliger heldenmüthig unter den Fahnen des unsterblichen KosciuHko, ihren Glaubensbruder. Be rko an der Spitze, der, berühmt durch seinen Much und mit dem Stern der Ehrenlegion und dem polnischen Kreuz für Militairverdienste geschmückt, i. I -1809 auf dem Schlachtfelds starb, sowie 1) Dom Salomon. 2) Der Comodore Chambers. 3) Almeida befehligte ein holländisches Schiff i. I. 1781 und in den Schlachten des Reiches (empire) hat eine große Anzahl von italienischen, deutschen und franz. Soldaten, die dem Judenthume angehörten, ihr Blut auf allen europäischen Schlachtfeldern vergossen. ein Theil seiner Soldaten, nachdem er die Oesterreicher mit einem Heroismus bekämpft, der von der Geschichte 4 *) gewürdigt worden 3)." Dies ist die Antwort der Geschichte auf die Frage, ob und wie die Juden Krieger waren. Die Schlesw. Ständeversammlung ignorirt die Geschichte; sie hört nur auf dey Ruf des Judenhasses, der bereits mehr als achtzehn ׳ Jahrhunderte die Menschheit entehrt; sie stößt in Friedenszeiten den Juden vom müßigen Kriegs- Heere aus. •— Vielleicht, wenn feindliche Kanonen den Schleswigern eine Rede über Recht in's Ohr donnern werden, wenn die Kciegstrompete ynd der Wirbel der Trommel den N Feind anmelden, wenn die Zeit zum Handeln, zur Ausübung von Kriegslhaten heranrückt — vielleicht daß die Schleswiger im Kriege, die Schleswiger im Frieden selber bedauern werden. Probe aus dem dritten Hefte des ״Schuschau Edrrth" , von M. Mendelfon*). ״Und d. E. sprach zu Mosche: ״Ich habe gesehen das Elend meines Volkes rc. und will es hinaufführen in ein gutes und geräumiges Land, ein Land wo Milch und Honig fließt ec." Ein Land, wo Milch und Honig fließt, heißt ein fetter Boden und ein mildes Klima. Da schwelgt die ganze Pflanzenwelt in üppiger Fülle und dielet dem Vieh eine Weide dar, die es mästet und so 'milchgebend macht, daß die Triften gleichsam vonMilch überschwemmt stehen. Ebenso wirkt Boden und Klima auf das Gedeihen der Frucht; sind diese gut, so schmücken sie die Frucht mit überreichem Saft, der, gleich Honig, vom Baum heralftiüeft. Dieses nennt die Schrift זבת חלב ודבש, das Land fließt von Milch u. Honig, und macht seine Bewohner glücklich. — Ist aber dieses das Glück der Menschenkinder? ist Milch und Honig der Lohn für Jisrael's Glauben? Und doch bezeichnet Mosche, und nach ihm die Propheten, sehr oft das irdische Gedeihen als Lohn, und Mangel und Krankheit als Strafet — Dem ist nicht so. Jisrael soll keinen andern Löhn seines Strebens kennen, als ein geheiligtes Priesterreich zu bilden, ein Volk worin der Einige wohnt, und dessen Herrlichkeit sie zu allen Zeiten allen Völkern verkünden sollen, bis die ganze Welt, der Erkenytniß voll sei; — aber der Weg, der zu dieser Vollkommenheit führt, muß gebahnt sein, 'denn irdische Vollkommenheit — zumal bei einem ganzen Volke — führt zur geistigen, wenn sie nicht gemisbraucht wird. — Aber Klima und Boden haben die entschiedenste Ein- 4 ׳) Siehe die Memoiren des Generals Ostrowski und Geschichte der polnischen Inden von L. Lubliner. 5) Die angeführten Worte sind aus den ״M. d. 8:" übertragen. *) Wir haben bereits in den früher« Nummern des S.-Bl. die geehrten Leser auf diese treffliche Volksschrift aufmerksam gemacht. Die Red.