Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1844
- Issue
- 46 (16.11.1844)
- Date
- 1844-11-16
- Page
- Seite 183 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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183 sperrt blieb. Allem demungeachtet erhielt sich nicht nur sein Anhang, sondern er erhielt sowohl in Polen als in Deutschland allfort mehr Zuwachs. Als aber die Russen in Polen einsielen, und auch die Festung Czenstochow eroberten, ward Frank seiner Haft entlasten. Er bereiste sodann Polen, 'Böhmen und Mahren, verschaffte sich einen großen Anhang, und erhielt von demselben enorme Geldsummen zur Unterstützung. Im Jahre 1778 begab er sich mit einer großen und prächtigen Suite, die von dem vornehmsten Sekretair bis auf den niedrigsten Stallknecht aus getauften Juden beiderlei Geschlechts bestand, worunter auch mehrere Rabbinen sich befanden, nach Wien, wo er einen mehr als fürstlichen Aufwand machte. Aber eben dieser übermäßige Aufwand, da man nicht wußte, wo die Geldquellen dazu herkamen, erregte bei der Polizeistelle Verdacht, und er ward von Wien abgeschafft. Er begab sich von da nach Brünn, weil er in Mahren fast in jeder Gemeinde mehrere Anhänger hatte, von wo aus er seine Untergebenen in allen Landern dirigirte. Der Unterhalt für ihn und seine Suite, die sich oft durch die Ankunft von sehr schönen jungen Juden beiderlei Geschlechts auf mehrere Hunderte vermehrte, ward ihm von seinem Anhange sehr reichlich gespendet, und mehrmal des Jahrs kamen Fässer voll Geldes aus verschiedenen Gegenden, besonders aus Polen, unter der Escorte seiner eigenen Miliz für ihn nach Brünn, oder wo er sonst sich aufhielt, an. Wenn er aussuhr, welches fast täglich Nachmittags, zur Verrichtung des Gebets außerhalb der Stadt, auf freiem Felde geschah, umgaben seinen mit sehr prächtigen Pferden bespannten kostbaren Wagen, zehn bis zwölf vom Golde strotzende, grün und roth nach Uhlanenart gekleidete Reiter mit Picken, an deren Spitzen sich vergoldete Adler, Hirsche oder Sonnen und Monde befanden. Dem Wagen folgte immer ein auf einem prächtigen, mit vielen Schellen behangenen Roste sitzender Reiter, der einen mit Master gefüllten, und am Ende mit einer Art von Gießkanne versehenen Schlauch mit sich führte, und nach beendigtem Gebete das Master auf der Stelle, wo das Gebet verrichtet wurde, auslaufen ließ. Der Zweck dieser Ceremonie ist unbekannt, da sie weder in der jübischen noch christlichen oder muhammedanischen Religion gegründet ist, und selbst in dem Sohar keine Spur davon sich aufsinden laßt. Einige Jahre später begab er sich abermals nach Wien. Da aber sein besonderer Aufzug, sein, das Vermögen eines Particuliers weit übersteigender Aufwand, und sein einem orientalischen Fürsten gleichkommender Pomp, bei der Polizei abermals den Verdacht erregte, als sei er ein Avanturier, wurde er, ob er gleich vorgab, aber nicht erweisen konnte, daß er von einer großen nordischen Fürstin unterstützt werde, zum zweitenmal aus Wien verwiesen. Er wendete sich daher an den Fürsten von Isenburg, der ihm erlaubte, mit fünfzig Personen seines Gefolges in Offen bach sich anzusiedeln, und vermiethete ihm zugleich seinen eigenen Palast daselbst, welchen Frank, der indessen den Titel Baron -annahm, im Jahre 1788 wirklich bezog. Frank lebte auch daselbst auf einem sehr kostbaren und prächtigen Fuß, und seine Suite wuchs bald auf die Anzahl von tausend Personen, bestehend aus Männern, Weibern und Kindern, die sämmtlich, ohne ein Nahrungsgeschäft zu treiben, aus seiner eigenen Kassa reichlich unterhalten wurden. Er selbst war unzugänglich, man konnte ihn nur am Fenster oder im Wagen, wenn er, täglich um vier Uhr Nachmittags zur Verrichtung der Andacht, oder in die katholische Kirche zuBirgelein, eine Viertelstunde von Offenbach entferntes Dorf, wohin er alle Sonntage zur Messe fuhr, zu sehen bekommen. Daher auch immer zwei seiner Gardisten am Eingänge des Hauses, und zwei vor der Thüre seines Zimmers, mit entblößtcn Säbeln Wache hielten; und nur der Arzt hatte Zutritt zu ihm, wenn er sich krank befand. In der Kirche betete er nicht stehend, kniend oder sitzend, sondern es war ein prächtiger Teppich vor ibm auf der Erde ausgebreitet, auf den er sich nach orientalischer Art, mit dem Angesichte zur Erde gekehrt, der Länge nach hingestreckt legte, und so in der Stille seine Andacht verrichtete; auch nahm er nie sein rothes Käppchen, selbst in der Kirche nicht, vom Kopfe ab. Alle seine Untergebenen bezeigten gegen ihn eine fast göttliche Ehrfurcht, und wer auch im Allergeringsten dawider fehlte, wurde sehr hart bestraft. Daher lebten auch alle seine Untergebenen, sowohl unter einander als mit andern Leuten, ununterbrochen ruhig und friedlich, nie gaben sie Anlaß zu Streit oder Zank, und nie lief diesfalls eine Klage bei der Obrigkeit wider sie ein. Seine Suite, von der*größtentheils drei- bis vierhundert mit ihm in einem Hause wohnten, hielt oft in dem Garten oder Keller Waffen- Übungen, deren Zweck unbekannt ist. Sie hörten auch oft Vorlesungen über Chemie, und nahmen dann und wann chemische Experimente vor, wovon eben der Zweck oder das Resultat unbekannt blieb. (Beschluß folgt.) - * Lese -Zimmer. * 1. Gutachten über die Gidesleistung der Juden. (Beschluß.) Wir sehen auch, daß in andern Ländern, als: Frankreich«. Sachsen in neuerer Zeit über Verschiedenes in Betreff des Judeneides, sowohl bei den Ständen, als bei den Kammern debattirt worden ist, um solchem einen zeitgemäßen Charakter zucherleihen; und wurden derlei vorgeschlagene und genehmigte Modifikationen nicht nur vom religiösen Gesichtspunkt allein genommen, sondern es wurde der jetzigeBildungsstand der Israeliten in jenen Ländern ebenfalls in Betracht gezogen; alle waren wenigstens in diesem Punkt einverstanden, daß das Entehrende der bestehenden Eidesformel den jetzigen