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Sabbath-Blatt · 1844-11-16 · 46 (16.11.1844) · p. Seite 184

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Journal
Sabbath-Blatt
Volume
1844
Issue
46 (16.11.1844)
Date
1844-11-16
Page
Seite 184 (sequence 4)
Language
German
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184 Juden nicht mehr anpasse. Demnach möge auch für die^galizische Judenschaft, die zwar in Hinsicht der Kultur ihren Glaubensbrüdern in den deutschen Erbländern nachsteht, in diesem Punkt. Manches aus der Eidesformel ausgemerzt werden, welches in der Gegenwart eher das Gemüth des Schwörenden zu beleidigen, als dessen Gefühl zu ergreifen geeignet wäre und statt dessen ist zu wünschen, daß eine zwar gesetzlich begründete jedoch zeitgtmäßere Eides-, formet eingeführt werden möge. — Zolkiew, am 5. Febr. 1844. Hirsch Chajes, Kreisrabbiner. 2. Die Juden in Marokko. Die Marokkaner sind im höchsten Grade abergläubig, und wer in ihr Land kommt, findet überall Spuren davon. Wenn z. B. ungünstige Witterung eine Misernte zu veckünden scheint, so hangen die Leute an die Spitze jeder ihrer Moscheen lange Papierstreifen, an die eine im Rufe größter Frömmigkeit stehende Person Gebete geschrieben hat. Diese frei unter dem Himmel schwebenden Gebete sollen große Kraft haben.; wenn sie aber doch wirkunglos bleiben, wenn man z. B. Regen erwartet und es will sich durchaus kein Wölkchen an dem glühenden Himmel zeigen, so greift man zu einem andern, wie man glaubt, völlig sichern Mittel. Man zwingt nämlich die Juden ohne Unterlaß zu beten, bis .endlich der so ersehnte Regen aus den Wolken fallt. Allah beeilt sich nicht, seinen gläubigen Kindern nachzugeben, wenn er sie auch gern bitten hört, dagegen ist es ihm widerwärtig, die Stimme der Israeliten zu hören, und um sie nur los zu werden, bewilliget er, was sie erbitten. — Dies Beten, zu dem man die Juden zwingt und das bisweilen lange fortgesetzt werden muß, ist eine der geringsten Quälereien, denen sie in Marokko ausgesetzt sind, wo man sie auf jede Weise mishandelt, ohne sie indeß zu tobten, weil die stolzen Marokkaner es für eine'Schmach halten, einen armseligen Juden umzubringen. Der Regierung liegt sogar daran, die Armen im Lande zu erhalten, weshalb es auch den Jüdinnen unter den schwersten Strafen verboten ist, auszuwandern. — Diese Jüdinnen sollen übrigens, beiläufig gesagt, die schönsten Frauen sein, -die man auf der Erde finden kann. 3. Moral in Gcho's. Nach dem Muster des italienenischen Dichters Guarini, der eine ganze Scene in seinem pastor fido (der treue Schäfer) so dichtete, daß das Echo,— welches das letzte Wort widertönen läßt — Fragen beantwortet, haben auch jüdische Dichter gedichtet. ' Ich werde nun den Lesern solche Ccho's mitheilen, die einen moralischen Spruch mit einem Worte ausdrücken und daher sich dem Gedächtnisse leicht einprägen. l.;א דרה (Echo)?מה יאסוף עומל בתורה נה;' (Echo)?ושכר אנוש צדיק כנח אושר• (Echo)?חק איש אשר הלך בכושר Was wird dem mit der Tora sich Beschäftigenden? ,,Licht was der Lohn dessen, der so fromm wie Noach? ״Ruhe;" was das Loos des redlich Wandelnden? ״Glückseligkeit." Vermischte Nachrichten. Die Juden in Marokko sollen in Angst sein, der Kaiser Adderrahman werde, um die Kriegskosten zu decken, sie plündern lassen. — Die Juden in Algerien sollen sich gegen den Judenkönig (so nennt man denjenigen unter ihnen, der das Recht hat, die Vorlesung gewisser Gebete an Festen an den Meistbietenden zu versteigern) ausgelehnt haben. Darauf wurden 50 Juden verhaftet. — Der Franks. Reformvercin soll die Redaktion des ״Israelit des 19. Jahr- Hunderts," das bekanntlich sein Organ ist, nach Frankfurt verlegen wollen. Auch wurde in einer stattgehabten Versammlung beschlossen, an der gegebenen Erklärung nichts zu andern. — Der sel. Rabbiner Ahron Chorür war aus Mahren gebürtig. — Zn Pesth wird ein von einer Israelitin in Ungar. Sprache verfaßtes Stück in die Scene gesetzt. — Die ungarischen Juden haben, wegen der Emancipationsfrage, eine Deputation nach Wien geschickt. Wir wollen ihr den besten Erfolg wünschen, da sie dieses Wunsches im höchsten Grade bedarf. — Im Gouvernement Wilna sollen 921 jüd. und nur 130 christl. Kaufleute wohnen. — Hr. Ed. Cohn in Hambürg fordert in Nr. 45 des ״Orients^ auf, daß man einen Verein für. nothleidende oder bedrängte jüd. Gemeinden errichte. Dieser Vorschlag verdient näher geprüft und erwogen zu werden. — Aus Celle wird über den Fortschritt des Synagogenwesens berichtet. . —' Hr. Slonimsky aus Warschau erhielt 50 Friedxkchsd'or vom König von Preußen als Belohnung seiner Erfindung einer sehr künstlichen Rechenmasch ne« — Nach 12 Jahren werden in Ungarn nur solche Rabb. und Volkslehrer angestellt werden können, welche ein Gymnasium besucht haben und Ungarisch verstehen. — Der Censor Aersker in Warschau — ein Konvertit — wüthet gegen jüd. Schriften und streicht oft die unschuldigsten Stellen. Bemerkungen. Hrn. A. Fuchs, Lehrer inGleirvitz, ersuche ich um fernere gef. Beitrage. — Der Beitrag res Hrn. M. Mendelson in Hambürg wird nächstens abgedruckt werden. — Das Stillschweigen des Hrn. G — n in G —z befremdet mich. — Alle Beiträge für das ״Sabbath-B!att" bitte ich an ״C. L. Fritz sche für die Redaktion des Sabbath-Blattes" zu adressiren. Verantwortlicher Verleger C. L. Fritzsche in Leipzig. Druck von I. H. Nagel in Leipzig.

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