Mannheim
Compact Memory

Sabbath-Blatt · 1844-11-16 · 46 (16.11.1844) · p. Seite 182

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Sabbath-Blatt
Volume
1844
Issue
46 (16.11.1844)
Date
1844-11-16
Page
Seite 182 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/8620046-8637379-8640916--635-8620551
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

182 Noch immer tauchen auf die Trug-Ideen, Die tief im Volke festgewurzelt sind; Und Israel fühlt schmerzlich dann die Wehen Gebiert die Zeit ein solches Unheilskind; Und klar und deutlich können wir dann sehen, Wie uns die Christenheit noch jetzt gesinnt; Da reichen nicht die besten Kräfte hin, Zu mildern eig'ner Brüder starren Sinn, Was frommt es, wenn der Jude auch sein Leben, Mit Muth und Freuden seinem König weiht? Was nützt's, wenn er dem Vaterland ergeben, Sich willig an die Schaar der Krieger reiht? Was hilft ihm all' sein unablässig Streben Und Ringen nach Gelehrsamkeit? Das Gute wird auch heut' noch kgnorirt, Weil Spott und Schmach dem Juden neu gebührt. Das hat das aufgeklärte, ruhmgekrönte Jahrhundert unserer Nation bewahrt; Das hat die Jetztzeit, die so lang ersehnte Und vielversprechende uns aufgespart; In ihr, wo Israel am Ziel sich wähnte Ist selbst die Aufklärung mit Haß gepaart; Denn Judenhaß, der ist unwandelbar — Doch auch der Jude ist es immerdar. Darum getrost! denn nicht für Ewigkeiten Hat Gott sein Angesicht von uns gekehrt! Sie müssen kommen jene edlen Zeiten, Die der Prophet uns heut so schön gelehrt; *) Der Herr wird jene Zukunft vorbereiten, Wo Herz dem Herzen friedlich wird genährt — Denn niemals trog das laut're Gotteswort, Vertrauen wir nur fest auf unfern Hort.׳ Gleiwitz. A. Fuchs. Jakob Frank und seine Anhänger. (Fortsetzung aus Nr. 30.) Da nun in diesem Glaubensbekenntnisse nicht bestimmt angegeben wird, wer eigentlich der Meffias sei, von dem darin gesprochen wird, so glaubte der Bischof, da viele in diesem Glaubensbekenntnisse vorkommende Satze mit jenen in der christlichen Religion ähnelten, diese Sekte mit der Zeit leicht zur Annahme des Christenthums zu bewegen, verlieh ihnen daher seinen Schutz, und nahm sich ihrer bei der Regiernng nachdrücklichste an. Um nun sich wegen der von den talmudischen Juden erlittenen Verfolgungen zu rächen, brachte diese Sekte es bei dem Bischöfe so weit, daß er in seinem Sprengel alle talmudische Schriften verbrennen ließ. Der Uebermuth dieser Sekte ging so weit, daß einer derselben an einem Sabbat im eine Judengasse *) Das Gedicht wurde am Sabbath Nachmu vorgelesen. hinein trat, vor dem Hause des Rabbiners ein Feuer anschürte, und darauf ein Exemplar des Talmuds verbrannte. Hierüber in Wuth gebracht, verwendeten sich die Rabbinen durch einen Lieferanten, Namens Bar uch aus Sklow, an den Grafen Brühl, der damals polnischer Minister war, welcher sie an den in Warschau eben anwesenden papst: lichen Nuntius empfahl, und dem sie unter Anderm vorstellten, daß, ob zwar mehrere Grundsätze dieser Sekte dem Christenthume zuzusagen scheinen, sie dennoch in ihrem Glaubensbekenntnisse nicht deutlich von Jesus als Messias sprechen, sondern den Zabbatai Zebi darunter verstehen, und eben dieser Zweideutigkeit wegen es zu besorgen stehet, daß sie manche Christen zur Annahme ihrer Grundsätze verführen werden. Unter mehreren Beschuldigungen wurde ihnen auch zur Last gelegt, daß sie die Ehe nicht heilig halten, und wechselweise sich ihrer Weiber bedienen. Der Nuntius berichtete die Sache nach Rom, und von da kam es zur Untersuchung. . Da nun inzwischen der Bischof von Kämenitz gestorben war, und die Sekte durch diesen Verlust ihre Hauptstütze bei der polnischen Regierung verloren hatte, erhielten die Rabbinen die Oberhand über diese Sekte, und brachten es durch Verfolgungen aller Art so weit, daß ein großer Theil derselben sich entschloß, nach der Moldau auszuwandern, und sich um und in C h o z i m anzusiedeln. Als aber der Vortrab daselbst ankam, zeigten die dort wohnenden Rabbinen es dem Pascha und dem Kadi mit dem Zusatze an, daß diese Fremdlinge, da sie keine echten Juden sind, dem Chacham Paschi, (Oberrabbiner zu Konstantinopel) nicht angehörten, und daß sich ihrer daher bei der Pforte Niemand annehmen würde. Darauf sich verlassend, plünderten die Türken diese Ankömmlinge rein aus, und den Uebrigen verging die Lust, in die Moldau einzuwandern. Da nun dieselben weder in der Heimath noch in der Fremde auf Schutz als Juden rechnen konnten, und besonders da ihnen als Widersacher des Talmuds das Ceremonialgesetz nicht im Wege stand, so beschloß ein großer Theil der polnischen Sohariten zur christlichen Religion überzugehen,' und das katholische Christenthum äußerlich anzunehmen, so wie es ihre Mitbrüder in der Türkei mit dem Mohametismus machten, und ließen sich in der Meinung taufen, daß st'e demungeachtet, so wie jene in Salonik, heimlich nach ihren Lehren und Grundsätzen werden leben können, Aber die Christen ließen sich nicht so nachgiebig wie die Muselmänner finden. Sobald die Neubekehrten überführt wurden, daß sie heimliche Zusammenkünfte hielten, wurde allen Ueberwiesenen der Bart auf einer Seite bis zum Kinne abgeschnitten, die andere Hälfte aber mußte zum Zeichen, daß sie weder Juden noch Christen sind, stehen bleiben, und so wurden sie zum Festungsbaue geschickt. Unter diesen zum Christenthume übergegangenen Sohariten war auch der obengedachte Jakob Frank. Da er aber noch als Christ sich zu seinem jüdischen Anhänge hielt, und allfort Proselyten warb, brachten die Rabbinen unter dem Vorwände, daß er auch Christen in seinen Grundsätzen unterrichtete, es dahin, daß auch er auf die Festung Czenstochow gebracht wurde, woselbst er mehrere Jahre einge-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.