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Sabbath-Blatt · 1844-11-09 · 45 (9.11.1844) · p. Seite 179

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Sabbath-Blatt
Volume
1844
Issue
45 (9.11.1844)
Date
1844-11-09
Page
Seite 179 (sequence 3)
Language
German
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179 men. Man könnte leicht daraus folgern, dieses gute Recht stände auf so schwachen Füßen, daß man die ältesten Urkünden zu Hülfe nehmen müsse, um es zu beweisen. Man soll nie mehr thun, als nöthig ist, man soll es deswegen nicht, weil, man daraus leicht auf eine geringere Begründung schließen könnte, und jeder Mann von Herz und Verstand weiß, daß das Recht, mit dem die Juden die Emancipation fordern, nicht erst von solchen urkundlichen Beweisen auf verwitterten Steinen und vergilbten Pergamenten abhängig zu machen ist. Denn, frage ich Sie, wenn es schon allgemein bekannt ist, daß die Juden seit Jahrhunderten in Deutschland wohnen, wie könnte es da nothwendig sein, zu beweisen, daß sie seit Jahrtausenden sich hier vielleicht schon aufhalten? Ist ihr Recht etwa davon abhängig? Sehen Sie nur auf Frankreich, auf Nord-Amerika. Fragt man denn dort nach seltenen Dokumenten, gelten sie dort mehr als die Stimme der Gerechtigkeit und Billigkeit? Bedarf cs noch einer Urkunde, um ein Recht zu begründen, daß schon durch Vernunft und Verstand hinreichend begründet ist? Sie wissen, wie in Amerika die Konfession eben so wenig einen Unterschied macht, als die Abstammung; doch das ist eine Republik. In Frankreich aber wird man Bürger durch die Geburt, und der Fremde kann es durch einen Aufenthalt von mehreren Jahren werden. In der Geburt allein liegt der Begriff des Vaterlandes, denn wenn wir das ubi bene ibi patria in Anwendung bringen wollen, dann hat nur der französische, belgische und holländische Jude ein Vaterland; ich kann wenigstens nicht sagen, daß der Jude in seinem Lande glücklich sein könne, so lange er noch im Drucke lebt, und obschon es — der Geburt nach — sein Vaterland ist, so, dürfte man folgern, kann er es doch nicht lieben. Und dennoch zeigt sich das Gegenlheil, denn die Bürgertugenden der jüdischen Nation werden selbst von ihren Feinden anerkannt. Aber ich kenne jüdische Frauen (z. B. aus der freien Stadt Frankfurt), die wahrend ihrer Schwangerschaft nach irgend einer französischen Stadt reifen, dort ihre Niederkunft halten — damit ihre Kinder franzöfische Bürger werden, ein Vaterland haben! Unglückliches Volk! schon vom Mutterleibe an mußt du empfinden, daß du im Vaterlande nur ein Fremdling bist, noch ungeboren mußt du fliehen, eine fremde Scholle suchen, um — Bürger eines Staates sein zu können. Man giebt dir im Vaterlande nicht, was dir gebührt — und du findest es unter Fremden, deren Sprache du nicht sprichst, deren Sitten du nicht kennst, die dich aber doch freundlich aufnehmen, die reichlich erstatten, was dir die eigene Mutter verweigert. Die preußischen Gemeinden, Lehrer und Schulen. Von H. Goldstein, Oberlehrer in Gleiwitz. L. Die jüdischen Lehrer Preußens. (Fortsetzung.) Ja! sagte mir doch in meinem Wirkungskreise, ein solch' Halbweiser, ein Philantrop, der aus purer Menschenliebe, sich der lieben Jugend, 1, sage einen Sonnabend weihete: ״Ihre Methode ist zwar gut, es läßt sich dagegen nichts einwenden; allein die Knaben müssen zu 10 Jahren aufs Gymnasium, müssen soweit mindestens die Tora durchgemacht i. e. durchgeschnattert haben." Um mich zu überzeugen, ob ich bei einer solchen pädagogischen Aumuthung noch Herr meines Verstandes bin, konnte ich nichts Besseres thun, als an Lessing's Wahrheit denken: ״wer über gewisse Dinge den Verstand nicht verliert, der hat keinen zu verlieren." — Was halbe und drei Viertel Narren der jüdischen Schule, und eben nur dem jüdischen Zweige derselben, der sich in keiner Beziehung der Würdigung der Behörde, und somit deren Beaufsichtigung erfreut, schaden, bedarf keiner Auseinandersetzung. Kurz das Hebräische in der jüd. Schule ist der Kritik oft der größten Unwissenheit in der Gemeine ausgesetzt, und wehe dem Lehrer, der nicht heuchlerisch genug ist, dem Raschistaub und Moder ehrerbietigst zu begegnen, oder gar eine Aeußerung über die nicht nur Unzweckmäßigkeit, sondern Gefährlichkeit dieses Lehrstoffes nota bene für Kinder, sich erlaubt. Er wird sofort für einen גוי erklärt, und ein Glück, daß die Bannstrahlen heut zu Tage nicht mehr zünden, sondern von der Sonne des 19. Jahrhunderts überstrahlt werden, ein solch' Lehrerlcin, würde unbedingt der Raub eines -Vulo-äa-le, angefacht von irgend einem pvlnischeu Rabbi, geworden sein. Doch (Jer. 2) »מצפון תפתח הרעד das Uebel eröffnet sich dem jüd. Schulmanne, ausgehend von einem ganz geheimen Orte, wenigstens von einem Orte, von wo aus für Lehrer und Schule Hilfe, keinesweges aber nachtheiliges Gegenwirken geahnt wird. Ich meine n08 pretrcs oder ecclesiasiiques, diese — קדושים אשר בארץ המה ואדירי כל חפצי בם (einige rühmliche Ausnahmen abgerechnet; aber nur einige); diese Popanze des Zelotismus kennt man genügend, besonders haben diese Männer durch die gütige Veröffentlichung des Gu m p er t'schen Gutachtens in Dr. Freund's Judenfrage, einen Namen, die rabbinische Terminologie einen Kunstausdruck bekommen; weil man wirklich verlegen war, einen entsprechenden Ausdruck, der ihre Thäligkcit genau bezeichnet, zu finden. Diese Kauscher- Wächter also, deren Beruf doch eigentlich nur Belehrung ist — zumal die Kauscherwache sowohl, als ihre Talmudschulen, die durch den Geist der Zeit aufhörten — sie jetzt weniger als ehedem beansprucht — diese Leute nun treten dem ohnehin schwer belasteten Schulmann, der im Schweiße seines Angesichtes bei 8 stündiger Arbeit, sage acht Stunden sich noch nicht einmal seinen kärglichen Bedarf erarbeitet, sondern noch auf Privat-Stunden angewiesen ist, hemmend und hindernd in den Weg. Theils wissen sie von vorn herein den Lehrer, der natürlich von ihren Ansichten כרחוק מזרח ממערב entfernt ist, zu verdächtigen, d. h. ihn für irreligiös zu erklären, theils wollen diese Leutchen, die nichts mehr als Talmud, und wieder Talmud und abermals Talmud, mithin denselben höchst einseitig und dürftig aufgenommen — diese sic! unterfangen sich Lehrer zu meistern, die außer der mühsam sich angeeigneten Pädagogik, noch die Erfahrung der Praxis auf ihrer Seite haben. Beispiele lehren! Von

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