Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1844
- Issue
- 45 (9.11.1844)
- Date
- 1844-11-09
- Page
- Seite 180 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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180 einem בית דין גדול bestehend aus 3 oberschlesischen Rabbinern, welche doch hoffentlich keine Idioten sind, werde ich hart getadelt, und in Folge ihres Tadels, wenn ich bei meiner Lehrweise beharrte, würde ich meines Amtes entsetzt worden sein, wenn dies so ginge — und zwar weil ich erstens mich bemühe nicht geistlos Hebräisch zu lehren (wie dies in der Beantwortung meiner Frage dargethan werden soll) zweitens (sie!!) weil ich 6—7 jährigen Kindern, um sie für die Bibel empfänglich zu machen, nächst den hebräischen Vorbereitungen, auch biblische Geschichte in deutscher kindlicher Sprache mittheile. Dann meint Einer in einem hochtrabenden Deutsch sich bewegend: ,,wie können Sie sich unterfangen, dem Kinde das בראשית ברא, so erhebend und würdevoll, so herzeindringend wieder zu geben, wie es Mose giebt." Ohne die Albernheit in ihrem ganzen Umfange zu bedenken, ohne zu ahnen, daß wir nun einmal als Deutsche, nur deutsch und nicht hebräisch denken, forderte mich dieser Pädagoge auf, mit ihm die Schöpfungs-Geschichte im Beisein der Kinder katechetisch ducchzunehmen. ודי לחכימא ברמיזא, sapienti sat! So unvollkommen ich dies absichtlich gebe, um ,ח׳יד zu vermeiden, so wird doch jeder Unbefangene, die Hilfe, deren Schule und Lehrer, von Seiten ihrer eigentlichen Religionslehrer sich erfreuen, entnehmen. Unerwähnt lasse ich natürlich ihre geistliche Fürsorge um das Wohl ihrer heranwachsenden jungen Gemeine, wie diese durch Konfirmation, durch religiöse Sabbat- und gemeinnützige Sonntagsschulen für Handlungs- und Handwerkslehrlinge, deren es selbst am hiesigen Orte keine unbedeutende Zahl giebt, die, besonders Letztere erstens in der Schule nichts erlernen, und im Falle daß der Unterricht etwas gefruchtet, dessen Früchte in einem viertel Jahre durch den mächtigen Lebensbaum, der das schwache Reischen ihrer Erkenntniß zerknickt, abgestreist sind, durch den Religions-Unterricht der Gymnasiasten, welche während andere Konfessionen in ihrer Religion eifrig belehrt werden, sich recht behagliche Kurzweile machen, und die doch meiner Meinung nach am Meisten dem ודע מד. שתשיב לאפיקורוס ausgesetzt sind, wie dies Alles von ihnen unter Mitwirkung der Gemeinden erstrebt wird. Wer die wahrhafte Sucht Gymnasia zu besuchen, Seiten der Juden, sich recht lebhaft vorstellt, wo mindestens jeder 10jährige Knabe schon die Sexta, der gute Kopf schon die Quinta besuchen muß, und wenn unsere wackern Emancipations-Verfechter es erst bis zum Nachtwächter gebracht haben werden (denn weiter bringen wirs durchaus im christlichen Staate nicht, weil schon im israelitischen recht vernünftig erinnert wurde: הלכלבם " יעשה בן ישי שרי אלפים ושרי מארת,) da wird die Sache bei uns noch toller, unsere Säuglinge werden dann Latein lallen, darum einige Jahre früher aus dem konfessionellen Kreise scheiden, und die religösen Anstalten, welche Seiten der Gemeinden und ihrer Religionslehrer zur Begründüng und Wahrung des ewig unveräußerlichen Gutes unserer Tora getroffen , erwägt, der muß einerseits Jesus von Nazareth Dank wissen, daß er lehrte: ״ich kam nicht zu zerstören, sondern zu begründen," denn nur dadurch erfahren unsere Kinder zufällig etwas von der Bibel, andrerseits über die buchstäbliche Erfüllung der Worte Jesaja's 30, V. 14 staunen, und den Zustand preußischer Gemeinden, der unter A geschildert, für wahr, buchstäblich wahr erkennen. So sehr ich für alle heilbringende Institutionen, welche mühsam von unfern thätigen unermüdlichen Theologen ins Leben gerufen, glühe, eben so sehr verüble ich es meinen Herren Kollegen, die theils aus frommen Triebe, theils aber auch aus Eitelkeit, ohne eigentlich ausgefordert zu werden, sich in den Pflichtkreis des Rabbiners drängen; weil einmal ihr oft edles Streben misdeutet wird, dann ihnen durchaus der Nimbus der Weihe, den eine Konfirmation erfordert, abgeht, und endlich die gegenwärtigen Zustände der jüdischen 8 ständigen Schule sie! und vielleicht 2—3 Privat-Stunden, eigene Fortbildung — die zwar Seiten jüdischer Gemeinden human genug vom Lehrer gefordert wird — nur wann derselbe diese bewirke, wann dieser für seine Klasse sich vorbereite, dies kümmert einen jüdischen Vorstand wenig oder gar nicht — ihn genugsam beschäftigen, ohne sich erst fremde Pflichten aufzubürden. Die Beantwortung der Ministecial-Fragen, Seiten eines oberschlesischen Rabbiners in Betreff jüdischer Lehrer und Schule, würde trotz dem Lächeln, das sie unbedingt unserer Regierung abgewann, das getreuste Bild der Nabbiner-Anstcht hierüber entwerfen und zeigen, wie nicht nur Lehrer und Rabbiner, sich nicht in die Hände arbeiten — und wie wäre dies beim jetzigen oberschlestschen Rabbiner-Zustande (Ausnahmen nur wenige) auch möglich— sondern schnurstracks aus Händen arbeiten, und bedaure ich sehr diese nicht mittheilen zu können. ' (Schluß des zweiten Artikels.) Vermischte Nachrichten. Die galizischen Juden können nun an der Wahl der städtischen AuZschußmanner theilnehmen. — Der neue isr. Tempel in Hamburg wurde an Rosch-Ha-Schana von 900—1000 Menschen besucht. — Aus Kairo wird (ohne Datum) von einem neuen Falle geschrieben, wobei Juden in Verdacht standen, einen Christen umgebracht zu haben (wie vor vier Jahren die Juden.zu Damaskus den Pater Thomas sollten aus dem Wege geschafft haben). Die Sache kam vor Mehemed Ali, der mit ruhmwerther Gerechtigkeitsliebe die schützenden Formen der Gesetze walten ließ und sich dafür reichlich belohnt fand, indem nach vier Monaten (am 13. August) der vermißte Christ, Michael Lach um, wieder zum Vorschein kam, und sich so die gegen die Juden vorgelegten Anschuldigungen faktisch widerlegten. Verantwortlicher Verleger C. L. Fritzsche in Leipzig. Druck von I. H. Nagel in Leipzig.