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Sabbath-Blatt · 1844-10-26 · 43 (26.10.1844) · p. Seite 171

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Journal
Sabbath-Blatt
Volume
1844
Issue
43 (26.10.1844)
Date
1844-10-26
Page
Seite 171 (sequence 3)
Language
German
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171 Die preußischen Gemeinden, Lehrer und >Schulen. Von H. Goldstern, Oberlehrer in Gleiwitz. B. Die jüdischen Lehrer Preußens. (Fortsetzung.) Zu letztern gehört vorzüglich das Mistrauen, womit der Lehrer von.Seiten seiner Gemeinde behandelt wird. Wahrend andere Gemeinde-Beamten für ihre meistens, dem Ze'ttgeiste durchaus nicht entsprechende Funktionen, die in ein Verhaltniß mit den Lehrermühen gebracht, gar keiner Beachtung, weder hinsichtlich des Kreises ihrer Thätigkeit, noch der zur Ausführung (derselben) erforderlichen Kraft und Geschicklichkeit verdienen, nicht nur des vollen Vertrauens ihrer Gemeinde, einer in pekuniärer Beziehung bessern Stellung, sondern sich auch der Sicherheit ihrer Stellung erfreuen; denn wahrend diese nur höchstens bei moralischen Verletzungen und auch da nicht immer ihres Amtes entsetzt werden, ist es beim wahren Lehrer, der einzig vorläufig vom Staate anerkannten Kultusperson, sehr leicht möglich, daß dieser grade darum, weil er methodisch und pädagogisch seinen Gegenstand handhabt und natürlich den dunkeln Begriffen der Eltern von frühern polnischen Lehrern eingeimpft, nicht entsprechen kann, und weil er kein Heuchler ist, und mit dem Psalmisten sagt (Psalm 69, 10: denn der Eifer um dein Haus zehrt mich auf, und die Lästerungen deiner Lästerer sind auf mich gefallen), offen gesteht, daß das wilde Geschrei, welches in der Synagoge erhoben wird, sein Herz in der tiefsten Tiefe erschüttert, und immer tief von Asafs Worte (Psalm 74 bis V. 6) ergriffen wird, oft nur darum seiner dürftigen Stellung sich entaußert. Denn die alleinige Pietät, welche hierin andere Gemeinde-Beamten schützt, legt gegen den Lehrer, dem ganz הלכות ח״ת und das preußische Gesetz (Simon und Rönne, Seite 177) wohl will, keine Verbindlichkeit auf; da die Lehrerverfolgungen in der Regel ein לשש zur Quelle haben, und somit natürlich jeder Pietät von vorn herein den Weg verrammeln. Es wäre was Verdienstvolles, und zur Charakteristik der Juden, ein nicht unbedeutender Beitrag, entschlösse sich ein Regierungsbeamter, nur das Archiv der Oberschlesischen Regierung, hinsichlich der jüdischen Lehrer-Anstellung, gleich Simon und Rönne zu lüften. Man würde da Umtriebe, Umschweife lesen, die Nichtbetheiligten höchst ergötzlich, Betheiligten höchst erschütterlich, in allen Leserklafsen aber höchstes Erstaunen erregen mußten, und das geschieht Alles לשיש an Personen, welche die heiligsten und schwersten Pflichten üben Meinerseits habe ich über diese Erscheinung, über ein so grenzenloses Mistrauen, eine so außerordentliche Scheu vor Lehrer-Anstellung nachgedacht, und ist der Scheingrund, daß wenn der jüdische Lebrer angestellt, dieser noch weniger seinen Pflichten nachkäme, eben so hämisch als unwahr, nicht nur die Judenheir, sondern auch das Iudenthum entehrend; weil wir einer Gesammtheit durchaus in moralischer Beziehung nicht zu nahe treten dürfen, auch in der Thal nicht können; weil es in jeder Heerde zwar räudige, aber Gottlob mehr gesunde Schafe giebt. Vielmehr glaube ich, und das mit Fug, den Grund dieferErscheinung, die Gleichgiltigkeit gegen den Lehrerwechsel, durch die geistige Strebsamkeit, welche sich der Juden bemächtigt, zu erklären. Eben weil diese ungenügsam im Erstreben sind, wähnen sie, sich nie an einen Lehrer zu binden, glauden vielmehr immer, bessere Acquisitionen an neuen Lehrern zu machen, vielleicht auch מנהג אבותיהם בידיהם, das so manchem Verwerflichen den Zauber der Heiligkeit verleiht, unsere Vatec haben auch jeden Kurs (סמן einen frischen polnischen Pädagogen verschrieben, und endlich mag der Reiz der Neuheit, wie überall auch hier mächtig wirken. Außer dem pädagogischen Takte, der niedrigen Bildungsstufe, die die Gemeinde hierdurch bekunden, außer mannigfachen Nachtheilen, welche insbesondere der Jugend entsprießen, und außer dem ח״ה bei den Behörden, ist noch die nächste Folge hiervon, daß selbst das eifrigste Lehrerstreben erkal: tet, ja! erkalten muß, und Lehrer ohne Lust und Liebe arbeiten, das erhabene Werk der Menschenbildung, das doch nur durch Liebe vollbracht werden kann, zur wahrhaften Karrikatur gestalten. Ferner bieten die Halbweisen in Israel dem Lehrer, auch kein geringes Hinderniß. ״Thoren und gescheidte Leute sind gleich unschädlich. Nur die Halbnarren und Halbweisen sind die gefährlichsten" sagt Göthe. Wie gesegnet das Judenthum von jeher mit solchen Halbweisen war und noch ist, wozu das למען צדקו יגהיל תוהה des feurigen Jesaja Veranlassung gewesen sein mochte, ist genügend bekannt, wie nicht minder deren Früchte, bestehend in der schrecklichsten Absurdität, affektirtem Gelehrtenwesen, müßigem Hinbrüten, außerordentlicher Arbeitsscheu, Alles schreckliche Auswüchse der Menschheit, und höchstens die Erfüllung einer sonst liefern messianischen Bedingung, .liefern דור שמשנח בן דוד בא /ישחברו וזורח מישראל(סנהדרין צז.). In der Thal kann die geistige Erlösung nur dann stattsinden, wenn diese Halbgelehrten aufgehört. Israel und Juda ist nur dann geholfen, wenn ihre Weisen, den Herrn der Herren geistig erfassen, und so das Volk belehren. Diese Leutchen, diese Zionswächter machen selbst unfern Gotteshelden, die weder heucheln können, noch wollen, noch mehr aberj dem gequälten jüdischen Schulmanne zu schaffen. Denn diese Halbweisen, verhalten bei ihren geistigen Schätzen sich nicht ruhig, denn אסתרא (B. Mezia) בלגינא קיש קיש קריא, sondern maaßenffi'ch sogar ein öffentliches Urtheil über Lehrer und Schule an, wie dies, wenn ich nicht irre, ein solch'Afterweiser, ich glaube in Haiwitz, _aifo in Oberschlesien, gegen die dortigen Lehrer und Schule, und wie mir däucht, sogar im geschätzten Orient, sich erlaubte, die dortigen Lehrer und Schulen getadelt; weil, i nun, weil eben diese Lehrer bemühet sind, vom Wege, des alten Schlendrians zu weichen, und Muth in sich fühlen, den schönen Satz ויאמר אלהים יהי אור ,ויהי אור kraftiglichst zu verwirklichen, und auch beim hebräischen Unterrichte methodisch-pädagogisch zu verfahren. (Forts, folgt.)

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