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Sabbath-Blatt · 1844-10-26 · 43 (26.10.1844) · p. Seite 172

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Journal
Sabbath-Blatt
Volume
1844
Issue
43 (26.10.1844)
Date
1844-10-26
Page
Seite 172 (sequence 4)
Language
German
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172 Lese -Irmmer. 1. Gottesdienstliche Vorträge,׳׳ gehalten von Dr. E. Grünebaum, Rabbiner des Bezirks Landau in der Pfalz. Carlsruhe 1844. gr. 8. Zt. Bielefeld. . Man hört oft klagen, daß die Predigt noch nicht überall Eingang gefunden. Dieses Straußen gegen die Predigt ist leicht zu erklären, wenn man die Derascha-Periode der Predigt-Persode gegenüberstellt. Nachdem die Derascha durch Witz und Humor, durch Bibel- und Midrasch-Erklärungen entweder das Zwerchfell der Hörer erschüttert, oder dem Scharfsinn geistige Kost dargereicht hatte, mußten Predigten, die oft einem Potpourri von schönen Redensarten glichen, an der Verstandesrichtung der Juden scheitern. Fromme Ere Hauungen, die den gesunden Sinn umnebebeln, sind dem Judenthume fremd; es kennt blos Belehrung, damit Jeder dann selbstständig forsche und denke. Viele jüdische Prediger waren auch von der ausgesprochenen Meinung überzeugt und suchten demnach ihre Hörer zu belehren. Zu diesen gehört auch Hr. Dr. Gr. Seine zehn Predigten, die uns hier vorliegen, belehren in einer fließenden Sprache, verarbeiten Talmud und Midrasch, zeugen von Vertrautheit mit der neuen hebräischen Literatur der Juden, und huldigen, wie der Hc. Verf. selbst sagt, dom entschiedenen Fortschritt. Die Predigt über den Eid (S. 23 ,ff.) ist gelehrt; in der Predigt über die Sabbatfeier ist uns S. 65 ausgefallen, daß der Ausspruch:'^ חציו לה׳ וחציו auf die Sabbatfeier angewendet wird,״ da er im Traktat Beza, Bl. 15 b. blos von Festtagen (י״ט) gilt. — Wir zweifeln nicht, daß diese lehrreichen Predigten einen großen Leserkreis finden werden. Galizisch-jüdische Zustände. Leipzig 1845. kl. 8. PH. Reclam jun. Eine empfthlenswerthe Schrift, die sich mit der Schilderung der socialen, religiö/en und politischen Zustände der zahlreichen Juden in Galizien beschäftigt. In den Hauptartikeln dieses Blattes werden wir auf diese Schrift noch einmal zurückkommen. 2. Gutachten über die Eidesleistung der Juden. (Fortsetzung) Was dm Umstand betrifft, daß die Bibel in Oktavformat vom Jahre 1836 nicht alle Verse von 14 bis mit 43 des 26. Kapitels des 3. Buches Moses auf einer Seite, wo der Schwörende die Hand legt, enthalt, so müßte es den Gehorsamsten befremden, welcher Beweggrund die a. h. Regierung veranlaßt haben mag, die Handlegung auf jene gedachten Verse anzuordnen, da in keinem einzigen rabbinischeu Ritual dieses als Bedingniß oder Erforderniß der Eideslcistung vorkommt; und wenn von den Rabbinen die Beeidigung bei den Tefillin (Denkriemen). gestattet wird, wie oben nachgewiesen, so ist ein deutlicher Beweis, daß die Berührung jener Verse keine Bestimmung der Eide sein könne; denn in jenen Abschnitten der heiligen Schrift, die in den Tesi'Uin enthaltend sinv, kommt kein einziger Vers des 3. Buches Moses vor; wahrscheinlich aber weil gedachte Verse von den Flüchen, die gegen Gesetz-Verletzer verhängt sind, handeln. Demnach hat die a. h. Justiz diese Abschnitte gewählt, um dem Schwörenden mehr Furcht einznjagen und auf dessen Gefühl mehr zu wirken, daß aber hierdurch kein wesentlicher Unterschied sein könne, ob alle Verse von 14 bis einschließlich 43, oder nur ein Theil derselben berührt worden sind, verstehet sich von selbst, und insbesondere, da der Schwörende aufmerksam gemacht wird, daß sämmtliche Verse, die alle Verwünschungen enthalten, in den folgenden Seiten aufgesührt sind, daher in diesem Falle allem Gesetzlichen gehörig nachgekommen ist, um den erforderlichen Eindruck auf das Gemüth des Schwörenden Hervorbringen zu können. — Ueberhaupt, da wie bemerkt wurde, solche Anordnungen von Handlegung auf jene gedachten Verse in rabbinifchen Vorschriften nicht begründet sind, daher diese letzte Frage von talmudisch-rabbinifchem Gesichtspunkt aus gar nicht hehandelt werden könne; als ein rein politisches Gesetz aber kommt der a. h. Gesetzgebung allein das Recht zu, hier etwaige Modifikationen und zeitgemäße Abänderungen cintreten zu lassen, um der Erforderniß der Zeit möglichst zu entsprechen. (Beschluß folgt.) Vermischte Nachrichten. Hr. Rabbiner Stein hat sich bereits, jwie der ״Orient" berichtet, um die Synagogal-Reform in Frankfurt a. M. große Verdiensteerworben. Einige Gebete und Gesänge werden in deutscher Sprache abgehajten. Der wackere Hr. Kirchheim in Frankfurt a. M. hat darüber einen sehr tüchtigen Aufsatz in Nr. 42 des ״ Orients" geschrieben. -ל• In der Philologenversammlung zu Dresden hat sich Professor Weber aus Bremen Anspielungen auf die Juden in einem Vortrage erlaubt, wogegen die ganze Versammtung, sowie der ehrwürdige Präses Prof. Hermann protestirten. — Die jüdische Jugend Prag's soll nun doch anfangen, mit der böhmischen Sprache sich zu beschäftigen. — Hr. Stern, der verdkenstvolle Herausgeber des hebr. Lexikons von Parchon, macht jetzt!ine wissenschaftliche Reise durch Deutschland, Belgien, Frankreich und Italien. Dieser Gelehrte bringt der jüd. Literatur viele Opfer. ל-ל In Breslau sollen die Synagogal-Reformen Geiger's. auf Hindernisse gestoßen sein. Druck von I. H. Nagel in Leipzig. Verantwortlicher Verleger C. L. Fritzsche in Leipzig.

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