Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1844
- Issue
- 41 (12.10.1844)
- Date
- 1844-10-12
- Page
- Seite 162 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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162 Drum mach dich auf, daß ihn dein Wink regiert — Dem Sohn der Weisheit die Herrschaft gebührt; — Der Thor ist ja dem Weisen unterrhan; Und folge nicht des bösen Herzens Wahn, Und laß dich nicht von seiner List umgarnen, Bor schnöden falschen Gründen laß dich warnen. Vertraue nicht unredlichem Gewinn, Geschenk und Sündenlohn verblendet weisen Sinn. (Fortsetzung folgt.) Die verwechselten Farben. Eine Parabel. Zwei sinnige Maler, einerlei Schule entsprossen und von früher Jugend an einander innig befreundet, wandelten einstmals, es war ein schöner Sommerabend, in traulichem Verkehr ein mit allen Reizen einer erhabenen Natur herrlich geschmücktes Thal entlang. Je weiter sie dasselbe verfolgten desto größer wurde die Anmukh der Gegend, desto warmer wurde ihr Herz und desto offener schloß es sich bei den beiden Freunden auf, welchen gegenseitige freie Mittheilung schon langst wie zum tiefempfundenen Bedürfniß, so zur Gewöhnheit geworden war. Da zog auch der Mond am östlichen Himmel herauf und das sanfte Licht, welches sich von seiner eben voll gewordenen Scheibe bald über die in erhabener Ruhe feiernde Landschaft ergoß, erhöhete den Eindruck des Ganzen und stimmte der beiden Freunde Seelen zu stiller Andacht und Feier. Bald schien ihre Brust zu eng zu solcher Seligkeit. Da beschlossen beide durch eine sofortige Aufnahme der Abendlandschaft dem Eindrücke des köstlichen Augenblickes bleibende Dauer zu verleihen. Rasch war die Hand an das Werk gelegt, und ehe noch des Mondlichtes Tage abgelaufen waren, da waren auch schon die beiden Freunde mit ihrer Arbeit fertig. Von einem rühmlichen Wetteifer beseelt hatte ein jeder der Künstler, unabhängig von dem andern, den Eindruck der Landschaft für sich zu erfassen und wieder zu geben versucht. Erst nach vollendeter Arbeit sollten die beiden Gemälde zusammengehalten und verglichen werden. So war es denn gekommen, daß die beiden Freunde verschiedene Wege zur Erreichung ihres Zieles eingeschlagen hatten. Der eine hatte sich, um jede störende Einwirkung von außen fern zu halten, blos am Abende mit seiner Arbeit und der Betrachtung derselben beschäftigt. Denn sagte er, eine Abendlandschaft kann auch nur in -der Abendbeleuchtung ganz und richtig aufgefaßt und beurtheilt werden. Der andere dagegen, die Täuschungen des Abendlichtes furchtend, hatte auch eine Prüfung am Tage vorgenommen und nachgehvlfen da, wo ein Versehen sich bei dem helleren Lichte bemerkbar machte. Als nun beider Arbeiten vollendet waren, da kamen die Künstler, begleitet von zahlreichen Freunden, zusammen zur gegenseitigen Vergleichung und Beurtheilung. Jetzt den Augen der Beschauer aufgedeckt zeigten sich beide Gemälde gleich innig, warm und treu nach ihrer Gesamnitauffassung der Gegend, doch hatte der Maler, der nur beim Abendlichte gearbeitet halte, die Farben, wie dies am Abende leicht zu geschehen pflegt, verwechselt. Die Matten und Wälder zeigten sich blau, der Himmel dagegen grün. Solche Verwechselung kam dem Schöpfer des Bildes ebenso überraschend und unerwartet, als sie ihm bei der Sorgfalt, die er auf das Gemälde gewendet, unbegreiflich erschien. Er behauptete, daß hier nur eine Täuschung ihr Spiel treibe und kam bald auf seinen Satz zurück, daß eine Abendlandschaft auch nur in abendlicher Beleuchtung, bei welcher sie ja entstanden sei, richtig beurtheilt werden könne. Und als die Zeit des Mondscheins wieder herbeigekommen war, da wurden die beiden Gemälde abermals zur Beurtheilung, dies Mal aber am Abende, ausgestellt. Und beide zeigten sich treu und warm nach Auffassung und Ausführung und in beiden erschien der Himmel blau, die Matten und Wälder grün. Darob brachen der Maler, der nur beim Abendlichte gearbeitet hatte, und mit ihm seine Freunde, in lautes Jauchzen aus. Dem Lichte des Tages aber schalten sie, weil es nur Täuschung und Jrrthum bereite, und schwärmend in der Begeisterung für das Zwielicht und die Tiefe des nächtlichen Dunkels, erklarten sie jede Prüfung beim Lichte des Tages für unnatürlich, oberflächlich, nüchtern, seicht, irreführend und dergleichen mehr. Allerdings, fügten sie hinzu, allerdings müsse die Kunst und ihre Beurtheilung frei sein, aber beide müßten sich zugleich innerhalb gewisser Schranken halten. Ein Nachtstück müsse man nicht am Tage prüfen wollen! Und Viele schenkten solchen Erklärungen Beifall. Dem andern Maler aber und seinen Freunden kamen solche Erklärungen zwar als sehr tiefer, aber nur halbwahrer, sich selbst widersprechender Art vor. Der natürliche Bund aber, der die Herzen der beiden Künstler seit zarter Jugend zusammengehalten hatte, erkaltete von da an und löste sich bald ganz auf, denn der Freund des Dämmerlichtes konnte nicht aushören, seinem früheren Freunde Mangel an Wahrheitssinn, an Wärme, an Tiefe und Begeisteruug vorzurücken. Was dünket Euch, wer von Beiden Recht hat? und ob irgend eine Entscheidung, fände sie auch den Beifall aller Mächtigen der Erde, das Grüne wirklich in Blau und das Blaue wirklich in Grün umzuwandeln im Stande sei! Dr. C. A. Credner. Die preußischen Gemeinden, Lehrer und Schulen. Bon H. Goldstekn, Oberlehrer in Gleiwitz. A. Die jjü.dischen Gemeinden Preußens, besonders Schlesiens. (Fortsetzung.) Zu diesen Fachern ist die vorangegangene Geistes-Pflege, nicht nur nicht förderlich , sondern schädlich, und ein schlech-