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Sabbath-Blatt · 1844-10-05 · 40 (5.10.1844) · p. Seite 159

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Sabbath-Blatt
Volume
1844
Issue
40 (5.10.1844)
Date
1844-10-05
Page
Seite 159 (sequence 3)
Language
German
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159 lief) pflege dein Herz, denn aus ihm sprudeln die Lebensquellen, Sprüche 4., und dies nur wird von der Tora beansprucht רחמנא לבא בעי das Herz mit all seinen Neigungen, Trieben, Wünschen und Lüsten, soll und muß, wenn wir in allen Lebens - Lagen, Verhältnissen den so nöthigen Damm in unserm Innern gegen die Sündenfluth haben sollen dem Herrn geweiht sein, muß zu diesem Zwecke nicht nur vom belebenden Worte emsig und dem kindlichen Gemüthe zusagend, belehrt, sondern stets lebhafte Beispiele in allen seinen Kreisen sowohl im Hause als in der Synagoge haben. Dies alles entbehren unsere Kinder. Das Wort Gottes, welches unser Herz befruchten, dessen Neigungen dem Herrn unterordnen soll, wird dem größten Theile unserer Jugend besonders in kleinen Gemeinden, entweder gar nicht mitgetheilt, oder was weit verderblicher ist, höchst jammec- und stümperhaft. Im Hause, im Kreise der Seinigen erblickt das Kind nicht selten ein vollständiges Bild der Zerfallenheit mit sich, ein Hin- und Herschwanken, ein Monstrum von Judenthum (wie dies namentlich in den Städten, wo Sonnabend Wochenmarkt zu sehen ist) eine finstere Ceremonie zur leuchtenden Sonne erheben, wie umgekehrt, ein leuchtendes göttliches Gebot aus Unwissenheit in eine absurde Cermonie gestalten, das durch eine geistlose Aus- Übung geschieht ini Sinne Jesajas הוי שמים חושן לאיר, ואיר לחושן ונו' und in der Synagoge? I nun! wo unglücklicher Weise eine ist und Notabene Gottesdienst gehalten wird, da sieht das kindliche Auge, eine Gährung 2000jähriger zusammcnströmender Unordnungen, wie die Last, der Druck unter denen die Synagogen Deutschlands entstanden, sie mit sich brachten. Andachtslostgkeit, Willkürlickkeit, und vollcnds die Herz uud Ohr zerreiffenden Hymmen, die eigends überarbeiteten Davids-Psalmen, die jeder sans facon dem Herrn anstimmel, und die glücklicher Weise vom Volke unverstandenen Gebete sind die regelmäßigen Herzens-Ecbauungen - Ergüsse, die man in den Synagogen Preußens hat. Die wenigen Ausnahmen können noch auf den Fingern gezählt werden; wo aber noch eine ganze Hand übrig bleiben dürfte. Aber nicht nur, daß das Herz unserer Jugend ganz verwahrloset nicht mit göttlichem Samen besäet wird, im Hause zur Anschauung die Zerfallenheit der Eltern, und in der Synagoge die Zerfallenheit des ganzen Judenthums en masse vor Augen hat, wird dieser edle Boden, aufdem Baum des ewigen Lebens, der Erkenntniß gedeihen der das irdische Paradies erblühen soll, durch der Eltern Unverstand mit Dornen und Disteln bepflanzt, und nur der göttlichen Vorsehung, dem specifischemGehalte des Judenthums, den sie gewöhnlich in christlichen Schulen erfahren, ist es zuzuschreiben, daß Israel sich in diesem Zustande, in dieser Qualität befindet. Ohne die Fähigkeiten der Kinder eigends prüfen zu können, oder zu lassen, achten vielmehr die Eltern, auf Talent, Anlage und Neigung gar nicht, sondern nolens ־volcns bestimmen sie diese zu einer gelehrten Carriere, lassen zu diesem Behufe, sie das Gymnasium, welches ominöser Weise, vermöge des Standes der Eltern, als Städtebewohner ihnen leicht zugänglich ist, das sie früh genug, koste es welches Opfer es wolle, spätestens aber im lOten Jahre nicht besuchen können. Erst nachdem die Lebenslust vieler Knaben, die durchaus für höhere Bildung nicht geschaffen, durchs Zurückbleiben in den niedern Klaffen abgestumpft, und nachdem die Eltern selbst Hoffnungen erregt, zu denen sie durchaus nicht berechtigt seien, und nachdem ihre Plane oft an der erforderlichen Ausdauer, die ihnen in der Regel mangelt, scheitern, werden sie allmälig auf ihr tandhaftes Verfahren aufmerksam gemacht, und der Knabe wird Kaufmann, oder Handwerker, nicht selten aber auch jüdischer Lehrer, besonders diejenigen, die kein Gymnasium besucht und von ihren Eltern, oder andern unwiffenden Subjekten in חומש und 2 bis 3 Verse רשי belehrt wurden. (Fortsetzung folgt.) Lese -Jimmer. 1. Die Juden im XIV. Jahrhundert. Eine historische Skizze. (Fortsetzung) 1304. Abu'l Walid Ismail I., König von Granada, nöthigte die Juden, ein Abzeichen an ihren Kleidern zu tragen, damit sie von den Moslims unterschieden würden, und legte ihnen eine Häuser- und Gütersteuer auf. 1314. Wir besitzen Briefe von Alfons XI., König von Kastilien, gegeben zu Valladolid, den 25. Febr. 1314, in welchem dieser Fürst die Juden in Kenntniß setzt, daß der Küster der Scadtkirche, ein bekehrter Jude, ihm gesagt habe, sie recilirten, seit sehr alten Zeit her, in ihren Gebeten Flüche gegen den Gott der Christen und gegen Neubekehrte, den Letztern alles mögliche Unglück anwünschend. Er verbietet eine so sträfliche Sache und befiehlt den Richtern und Stadtschultheißen, die sie (die Sache) wahrnehmen sollten, sogleich Maaßregeln dagegen zu ergreifen, unter Androhung einer Geldstrafe von 100 Marabitins im Falle der Vernachlässigung. 1314. Eduard III., König von England, erklärt von Neuem durch ein Schreiben aus dem Tower zu London an den Landvogt von Gascogne, sein Wille sei, daß die Juden aus diesem Staate verbannt würden. 1314. Kaiser Ludwig von Baicrn verjagt von Neuem die Juden, i. I. 1314, aus feinen Staaten; aber bald fanden sie noch einmal Mittel zurückzukehren, so daß bereits 1315, kraft eines kaiserlichen Vertrags, die Jsr. wieder in München erschienen. Durch diesen Vertrag wurden die Juden zu München in gleichen Rang mit denen von Augsbürg gestellt; zugleich aber wurden sie vom Kaiser und den Herzögen von Baiern der Privilegien beraubt, welche sie vom christlichen Rechte unabhängig machte.

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