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Sabbath-Blatt · 1844-09-28 · 39 (28.9.1844) · p. Seite 154

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Sabbath-Blatt
Volume
1844
Issue
39 (28.9.1844)
Date
1844-09-28
Page
Seite 154 (sequence 2)
Language
German
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154 (יומא כ׳יח) für ein heilig göttliches Gebot achten und ausüben, und denen der Synagogenstaub, der Purimקתבץ־ nicht nur nicht minder heilig, ja heiliger ist, als לא תלך (Lev. 21) רכיל, selbst diesen wollen wir unsere gänzliche Achtung nicht entziehen, trotzdem sie in ihrer Kurzsichtigkeit eine Feder aufheben und ein ganzes Bette dem Srurm der Zeit Preis geben, trotzdem sie nur den todten Körper, die Form der Religion sesthalten, wahrend den Geist sie schon längst verloren, werden sie doch immer von einem pietistischen Gefühle geleitet, und haben gewöhnlich noch einige, wenn auch höchst dürftig, mangelhafteKenntniß der Midrasch-Mischra- und auch oft Talmud-Literatur." (Fortsetzung folgt.) Die Juden in China. *) Eine Skizze. Die Juden wunderten, wie die glaubwürdigsten Nachrichten lauten, unter der Tcheou-Dynastie (1122—249 v. Chr) in das chinesische Reich ein, aus Si-yu, wie sie selbst sagen; unter der Han-Dynastie (205 v. Chr. — 220 nach Chr.) faßten sie festen Fuß daselbst, und 73 n. Chr., zwei Jahre vor dem Tode Ming-ti's (reg. v. 58 n. Chr. st. 75), der sich ihnen günstig zeigte, finden wir sie, 70 Geschlechter (sings) stark, wahrscheinlich persischen Ursprungs, in China eingebürgert. Von diesen 70 Geschlechtern waren im voriger Jahrh. blos noch 7 Familien, ungefähr 600 Seelen übrig, ohne allen Verkehr mit den westländischen oder perfischen (Si-yu) und tibetanischen Juden. Die Zeit der Blüthe ihrer Literatur ist vorüber; sie hatten einst Gelehrte, welche die größten Staatswürden bekleideren; da aber die meisten zur Religion China's, oder, wie die zu Peking, zum Islam übergingen, so sind jetzt nur noch die Juden in Kai-fong-fou erkennbar, und diese bewahrten unter den größten Trübsalen ihre Nationalität verhältnißmäßig am reinsten. Von den Chinesen werden sie, wie die Moslemen, Hoei-Hoei genannt; sie selbst nennen sich Tiao - Kin - Kiao, weil sie gemäß dem Gesetze die Venen abtrennen, oder Lanmao: hoeihoei, von dem blauen Hute, den sie beim Gottesdienste tragen. Ihre Synagoge führt den Namen Li-pai-se, und kommt dem Modell des jerusalemischen Tempels naher, als andere Synagogen **). ף Bergt. Delitzsch, ״zur Geschichte der jüd. Poesie." D.R. **) 'Die Synagoge ist 300—400 Fuß lang, 150 breit und in vier Abtheilungen getheilt. Zn dem ersten Theile östlich steht ein Triumphbogen (Pai-leou) mit der chinesischen Aufschrift Kim-Lien (der Gottheit heilig) und Bäume um ihn herum. Den Eingang in das zweite Gemach öffnet eine größere Flügelthüre mit zwei kleiuern. Nördlich und südlich die zwei Zimmer für die zwei Custoden. In die dritte Abtheilung führt ein zweites Flügelthor (Ul-men) mit zwei kleineren Thüren. Hier ein zweiter Triumphbogen, und unrer den angepflanzlen Bäumen zwei Marmortafeln mit chinesischen Inschriften (von 1444, 1515, 1663 und 1642), welche theils die Geschichte der Synagoge enthalten, theils Begegnisse der Juden in der Provinz und die Zurückführung ihrer Religion, die im wesentlichen mit der Landesreligion ü herein stimm e, aus Mose, Abraham, Adam. Südlich ist das Zimmer (Tse-thang) zu Ehren Sie haben nicht das ganze alte Testament *), aber, so weit sie es haben, stimmt es in Text, Anordnung und Punktalion, welche sie Siman nennen, abgerechnet einige Differenzen, mit dem unfern überein; unsere Zeichen der Petuchen und Setumen fehlen ihnen; die synagogalen Ta-Kings sind, wie in den Abendländern, unpunktirt. Ihre Sprache ist ein Jargon von Chinesisch und Hebräisch; auch das des jüd. Mandarins Tchao, der das abgebrannte Li-pai-se restauritte; hier wird sein jährliches Gedächtnißfest begangen. Vor der Thier liegt auf einer Basis ein steinernes Thkerbild. Nördlich ist ein anderes Zimmer, von einem jüd. Mandarin, Kriminalrichter in Tcheou, erbaut, der das Li-pai-se errichtete. Etwas über diesen Cellen sind Fremden- und Versammlungssale. Im vierten Theile steht eine eherne Räucherpfanne zHiang-lou;, zur Seite zwei mar« morne Löwen, über diesen westlich zwei eherne Vasen mir Blumen. Nördlich die Küche (Tiao-Kin) zur Endadcrung des Fleisches. Hinten an der Nord- und Südseite die Ahnensäle (Su-tam), wo das Erknnerungsfest der Volksahnen, biblischer und nachbiblischer, im Herbst und Frühling begangen wird. In der Mitte erhebt sich der Tempel ungefähr 40 Fuß breit, 60 lang, mit vierfachem Aufsatz, unten mit einer Balustrade, und einer doppelt-viersauligen Kolonnade umgeben. Auf dem freien Platze vor dem Tempel wird am Laubenfeste daö große Stiftszelt errichtet. Der Tempel ist innen von beiden Seiten auf eine Doppelsäulenreihe gestützt. In der Mitte das Mose-Katheder, mit einem Kuppeldach; dann die Kaisertasel (Van-soui-pai) mit dem Namen des Kaisers in goldnen sinesrschen Chiffern, mit doppelter Coronis und Jalousien. Darüber mit goldener hebräischer Quadratschrift: ,שמע ישראל יהוך אלהיגו יהוד. אחר: בחך שם כבור מלכותו לעולם ועד. Hinter dem Van-soui-pai steht ein dreifach gewölbter Bogen, mit der golben*n Umschrift: בין כיתות (ביכי־כ יתור.) אלתי האלתים ואדוני האל הגדול תגבור והנרא. Hinter dem Bogen ein großer Tisch mit einem dreifüßigem Henkelfaß voll immer.' duftenden Raucherwerks, u. um dasselbe zwei Leuchter mit Fackeln, zwei mitKerzen, zwei mit Laternen dreifach gestaltet. Neben dem Tische ein Waschbecken. Hinter dem Lisch ist der Himmelstempel, hebr. Bet-el, sines. Tieng-tang, außen geviert, innen rund, das Allerheiligste, welches nur der Vorsteher der Synagoge (Tschang-Kiao) betreten darf. Auf 13 Tischen stehen 13 Gesetzbücher (Ta-Kings) mit seidenen Hüllen, zwölf parallel den zwölf Stämmen, eins zum Gedächtniß Mosis. Hinter dem Bet-el, am äußersten Westende blitzten die Gesctztafeln, mit goldenen hebräischen Buchstaben; zu beiden Seiten sind zwei Schränke voll allerthümlicher Bücher, und vor ihnen steht je ein Tisch mit einem Kandelaber zwischen zwei Vasen. Der Tempel ist der Ort der gottesdienstlichen Versammlung, der nur barfuß betreten wird; der mittlere Lheil vom Mose-Katheder ist durch niedrige Gitter auf beiden Seiten abgegrenzt. . *) Sie theilen die biblischen Bücher in folgende Klassen: 1) King oder Thauhalah (Tora), das Fünfbuch in 53 Lektionen, von denen jede eine besondere Rolle ausmacht; 2) Sung-zo, die Supplimentbücher: Josua und Jud., die sie nicht vollständig haben, Schemuel, Reges (mit Lücken), und Lavite (David); 3) Lipai, die Ritualbücher: Jsehaha, Jalemei'ohung (Jer.), den sie auch Tiveli (דברי) nennen. Von Ezech. haben sie nichts, von Daniel nur etwas vom Anfänge. Ferner: Juonaha und die verstümmelten: Micaha, Nahuang, Hapacuke, Sefanejoha, Hokavi, Secalejo, und einige, ihnen erhaltene Kapitel der Tiveli-ha-jamiim. 4) Hafuchala, die Haftharen Jessetiul (Mher, die sie Jssetha Mama, die große Mutter nennen), Ezra, Nehem. (verstümmelt), die zwei ersten Bücher derMakabäer, die sie Mathiiohum, Matatja, nennen). Bon den Kommentaren (Kiang tschang) rechnen sie auch einige zu den Hagiographen. Ihre ganze hebr. Bibliothek ist in der Synagoge; ein hebr. Buch im Wohnhause behalten, gilt Ihnen für Gemeinmachung des Heiligen.

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