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Sabbath-Blatt · 1844-09-14 · 37 (14.9.1844) · p. Seite 147

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Sabbath-Blatt
Volume
1844
Issue
37 (14.9.1844)
Date
1844-09-14
Page
Seite 147 (sequence 3)
Language
German
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ז14 der in diesen letzten Tagen König v. Portugal werden sollte, verdroß dieses sehr, und als auf Clemens VII., der große Paul Ul. aus farnesischer Familie folgte, wollten sie von diesem die Erlaubniß, die Inquisition in sein Reich einzuführen, erwirken, der Papst wollte aber nicht einwilligen, weil er Etwas, das wider die Vernunft und Gerechtigkeit sei, nicht thun könne: ja, er bestätigte vielmehr die von dessen Vater Emanuel gemachten Versprechen und vergab allen Schuldigen seit der Zeit des Zwanges bis zu jener Stunde. Darauf schickte der König Don Juan eigens Gesandte an den Papst, der aber nichts gewahren wollte. Demzufolge entschloß sich der König Don Juan, daß der Kaiser Karl V., der damals nach Rom ging, um, nachdem er die Türken durch die Eroberung von Tunis und Goleta besiegt, daselbst eineu Triumph zu feiern, vom Papste die Gnade sich erbitte, daß der König von Portugal die Inquisition in seine Staaten einführen könne; da es Sitte war, daß der Triumphator das was er am sehnlichsten wünschte, vom Papste verlangen konnte. Als der Kaiser die Bitte vorgebracht, erwiderte der heilige Vater, daß er es um der vom König Don Emanuel gemachten Zugeständnisse und Versprechen willen nicht thun könne; und daß er sich im Jahre 1497 als apostolischer Nuntius in Portugal befand, als sie zum Christenthum genöthigt und gezwungen wurden. Der Kaiser versetzte, daß auf ihn und seinen Sohn den Fürsten die Schuld falle und der apostol. Stuhl frei sei; worauf der Papst es ihm gewahrte, zumal Kaiser Karl V. der Schwager des Königs Don Juan von Portugal und eine neuere Verschwägerung durch die Verheirathung der Söhne in Aussicht war, die nachher wirklich vollzogen wurde. Nachdem Paul 111. Genanntes eingewilligt, verzieh er von Neuem allen bis dahin Gefangenen, die 1,800 an der Zahl waren. Da aber der König weder der Verzeihung nachgeben, noch die Gefangenen frei lassen wollte, so nahm der heilige Vater dies übel auf, und schickte eigens einen Nuntius in der Person des Monsignor Monte Puliciano, der spater Kardinal der römischen Kirche wurde. Da der König dennoch nicht gehorchen wollte, ließ der Nuntius die Amnestie-Erklarung an die Pforten der Kathedralkirchen anheften, dann die Kerker öffnen, aus welchen 1,800 Gefangene gingen. Der alles dieses in Rom verhandelte, war Herr Duarte de Paz, Ritter des h. Johannisorden. Er wurde von zehn maskirten Männern angesallen, die ihm fünfzehn Wunden beibrachten und-Ahn für tobt zurückließen. Man brachte ihn in das Haus des Hm. Philipp Estrozi und als der Papst Paul III. davon benachrichtigt worden, ließ er ihn in das Schloß St. Angelo bringen und dort königlich pflegen. Dieser Herr war beim Papst, den Kardinalen und dem ganzen Hofe sehr beliebt: und als er verwundet wurde, war gerade Kaiser Karl V. mit seinem Heere in Rom. (Beschluß folgt.) Skizzen einer Reife durch das Großherzogthum Posen im Jahre 1843. (Fortsetzung.) Was mm den Grad religiöser Aufklärung betrifft, den die Gemeinden in der Provinz Posen jetzt einnehmen, so sind die Nüancen gar zu mannigfach uild in einandcrfließeitd, als daß man wirkliche Klasseneintheiluugcn vornehmen könnte. Der Riß, der in die Einheit der religiösen Anschaunng gekommen ist, zeigt sich zuerst in dem Vcrhältniß der Gemeinde zum Rabbiner, weil keine der beiden Seiten in ihnen ein Uebergewicht erlangen koirnte, so Lissa, Krolosch in, Bromberg, Kurnik, G ncsen,; die zahlreich en Ritualfragen werden durch Dajauim beantwortet, die aus Furcht ihr kleines Licht verlöschen zu scheu, der -Aufnahme eines Rabbiners und besonders eines studirten mit allen Kräften cntgegcuwirkcn. Daher eine Zerrüttung besonders in den großen Gemeinden Lissa und Krotoschin, von der man sich kaum einen Begriff machen kann, und der sich in den alten Provinzen nur die Meßstadt Frankfurt a. SD., wo Holdheim mir 2 Jahre war, au die Seite setzen kann. Meistens verbinden diese Gemeinden mit der zerrissenen Lage, in der sie sich heute besiuden, einen gewissen Ahnenstolz ans ihre Vergangenhcit, auf den Ruf, den sie einst gehabt, auf die großeu Nabbineu, die in ihr residirt u. s. w., einen Stolz, den man für sehr unschuldig halten konnte, wenn er nicht gerade Schuld wäre, daß die Gemeinden auf ihren Lorbeercn auszuruhen vermeinend sich von andern ihrer Ansicht .nach unbedeutenden in allen Momenten des Fortschrittes überflügeln ließen, und die Erinnernng an die großen, ftommen Männer der Vorzeit neben dem gerade in solchen Gemeinden am üppigsten wnchernden Jndifferentismus und Lossagen von allem Positiven des Judenthums einen traurigen Kontrast bildete. Kräftiger dagegen entwickeln andere Gemeiiiden den in sie gestreuten Samen des Fortschrittes. Als ein Zeichen desselben ist unstreitig das Wohlgefallen an einem schönem würdigen Gotteshause zu betrachten, daher man oft in Städtchen, deren jüdische Einwohner bemittelt sind, Synagogen antrifft, die großen Städten zum Muster dienen können. Neue Synagogen sind in den letzten Iahren entstanden, so viel ich hörte, in Schneidemühl, Bromberg, Jawotschin, Wollstein, Karze, Gnesen, Krotoschin; in mehren derselben sind alte Misbräuche, besonders das Versteigern der Mizwot abgcschafft, in Schwerin ein regelmäßiger Choralgesang eingeführt; Dinge, die hier noch als Raritäten siguriren. Was aber von der fortgeschrittenen Bildung des Juden und seiner reiucrn religiösen Anschauung überhaupt am deutlichsten zeigt, ist das Verlangen nach ,,deutschen" (d. h. gebildeten) Rabbinen. Das ist das Schiboleth zwischen Alt und Neu, das der Sauerteig, der in die träge Masse gekommen ist. Nur wenige Gemeinden sind, in denen nicht schon deutsche Reden gehalten worden, und sehr viele, in denen sich der innigste Wunsch nach einer den Anforderungen der Zeit entsprechenden Wirk-

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