Sabbath-Blatt
- Journal
- Sabbath-Blatt
- Volume
- 1844
- Issue
- 37 (14.9.1844)
- Date
- 1844-09-14
- Page
- Seite 146 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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146 getragen, wo man das Heiligthum auf den Altar des heil!- gen Kreuzes zur Erbauung der schaarenweis herbeiströmenden gläubigen Volkesmenge niedersetzte. Die zerschnittene Decke des Seitenallars, neben welchem Peter Däne bisher die Funktionen des Hochamts versehen hatte, erregte zunächst den Verdacht des Herzogs gegen den Priester. Magnus ließ den Unglückseligen sogleich verhaften und streng verhören. Dieser bekannte bald gutwillig (?) seine Unthat in ihrem ganzen Umfange und mit allen Nebenumständen. Die nächste Folge seines Geständnisses war ein Befehl des Herzogs, den Juden Eleazar samnn seiner Frau und allen seinen im Lande zerstreuten Hochzeitgästen gesanglich einzuziehen und letztere nach Sternberg zu senden. Eleazar hatte sich aber klüglich noch zur rechten Zeit auf die Flucht begeben. Nicht so glücklich wie er waren seine Mitschuldigen, sie wurden Alle von dem Arm der weltlichen Gerechtigkeit größtentheils in ihren Wohnorten ergriffen und nach Sternberg gebracht. Hier begann nun, ganz im finstern Geiste des Mittelalters, das furchtbare, ewig denkwürdige Blutgecicht unter den Augen des Landesfürsten. Welche Mittel und Wege angewendet wurden, um den unglücklichen Bekennern des mosaischen Glaubens solche Geständnisie zu entlocken, wie wir sie in einem Protocoll-Extracte von 1492 buchstäblich unfern Lesern miltheilen werden, davon schweigt die uns vorliegende Geschichte. — Wenn wir indeß den Zustand und das Verfahren der damaligen Kriminal-Justiz erwägen, welche Ganten, Daumenschrauben und Streckleitern für die geeignetsten Werkzeuge zur Erforfchung der Wahrheit hielt,-so ist es wohl kaum zu be- Weiseln, daß die Aussagen der Meisten jener durch Priesterwund Angeklagten nur durch Folterqualen erpreßt werden konnten. — Nach dem Schluß des Protocolls wandte der Herzog Magnus, — den seine Zeitgenossen als einen sonst milden und gerechten Herrscher in der Geschichte bezeichnen, — das einzig in seiner Macht stehende Mittel an, um die durch Priesterwuth, Volkshaß und Gesetz verurtheilten Juden von einem schmachvollen, schrecklichen Tode zu retten; er versuchte es nämlich, sie zum Uebertrift zu, der herrschenden, allein seligmachenden Kirche zu bewegen, deren Wunderkräfte ihnen nun gewiß offenbaret sein müßten; aber seine Ueberredungsgabe scheiterte diesmal an,der Standhaftigkeit der Jsraeliten. Einmüthig erklärten-dieselben, daß sie nimmermehr von der Lehre weichen würden, welche sie durch Abraham mittelbar aus dem Munde ihres Gottes empfangen hätten. Der Gott ihrer Väter hätte zwar sein geplagtes Volk verlassen, aber sie würden dennoch fest auf dessen Verheißung bauen und bis zum Tode treu bleiben den Satzungen des großen Propheten Mose. Nach dieser unumwundenen Erklarung gab es für die Armen keine Rettung mehr; das unerbittliche, erbarmenlose Blutgericht trat zusammen und verurtheilte 25 Männer und zwei Weiber — Eleazar's Weib und Tochter — zum martervollen Feuertode. (Fortsetzung folgt.) Rede, welche ein berühmter Rechtsgelehrter über die Verbannungen der Hebräer aus Kastilien und Portugal in Rom verfaßte. Aus dem Spanischen. *) Äm Jahr 1492, als Ferdinand genannt der Katholische König von Spanien war, verbannte er aus seinen Staaten alle Hebräer, welche in jenen Ländern seit der Gefangenschaft, sowohl der babylonischen, als römischen, ansäßig wa- י — d^se waren sehr reich an Häusern und beweglichen Gütern —: unter der Strafe, daß, sofern sie nicht innerhalb eines Zeitraumes von sechs Monaten abreisen, alle ihre Hauser und Güter, deren, wie gesagt, viel waren, für den Kameral-Fiscus konsiscirt würden. Das kastilische Reich aus dieser Ursache verlassend, begaben sich viele von ihnen nach Portugal, dem nächsten Lande. Im Jahre 1497 wurden sie, nachdem die Könige von Kastilien und Portugal sich vecschwagect hatten, auf Ansuchen des genannten Königs Don Fernando, aus Portugal verbannt. Da es aber dem Emanuel, König von Portugal, schwer siel, sie aus seinen Ländern zu verbannen, beschloß er, sie zur Annahme des Christenthums zu nöthigen, indem er ihnen das Versprechen gab, sie zu keiner Zeit, weder auf dem Wege des Kriminals, noch durch Entziehung ihrer Güter, zu belästigen; er befreit« sie auch von vielen Lasten und Steuern des Reiches. Durch den Tod Emanuel's folgte an dessen Stelle im Königreiche Portugal Johann, der dritte dieses Namens, der, von Andern aufgereizt, sagte: daß das was sein Vater Emanuel gethan hatte, in Betreff des Versprechens, sie nicht zu belästigen, null und nichtig sei, da sie nicht, wie sichs gebührt, leben; und daß ohne Bekräftigung des Papstes zu Rom sein genannter Vater dies nicht habe bewilligen können:-dem zufolge, wollte er daß man auf gleiche Weise gegen die, so ein schlechtes Leben führten, verfahre, wie es in Kastilien gegen die Mauren geschehen. Als er aber nach Rom um die Erlaubniß zur Rücknahme genannter Versprechen sandte, nicht allein daß ihm solches nicht gewährt wurde; man misbilligte sogar seine Meinung, lobte und billigte die den Genannten von seinem Vater Emanuel gegebenen Versprechen, indem man allen Gefangenen, die auf 1,500 sich beliefen, eine allges meine Verzeihung und ihre Freiheit zu Theil werden ließ. Diese Bitte bestätigte Clemens yil. auf die Dazwischenkunft des ganzen Konsistoriums der Kardinäle. Von Neuem hielt der König Johann um die genannte Bewilligung an, und zwar zu wiederholten Malen, daß sie ihm vom Papste ertheilt wurde. Allein nach einigen Tagen wurde sie widerrufen, mit Hinzufügung einer allgemeinen Verzeihung aller Gefangenen, die 1,200 an der Zahl waren, und der ausdrücklichen Bestimmung, daß diese Bewilligung, weil Vernunft- und rechtwidrig, nie gegeben oder gewährt worden wäre. Den König Don Juan und seinen Bruder den Kardinal, *) Die Rede war ursprünglich in i talienischerSpracheabgefaßt und wurde dann von I. Aboab (Nomologia, S. 291—296) in's Spanische übertragen. D. R.